Gebrauchte E-Autos mit krassem Wertverlust
Und die Preise purzeln weiter!
Elektrische Traumwagen rücken schnell in greifbare Nähe. Denn Luxus-Stromer erleiden oft massiven Wertverlust, werden so gebraucht schnell richtig attraktiv. Oft ist das Risiko geringer als bei hochmotorisierten Verbrennern. Aber nur, wenn der Akku geprüft ist.
Bild: Porsche AG
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Modelle der Ober- und Luxusklasse erfahren häufig schon nach kurzer Zeit einen hohen Wertverlust – diese Marktentwicklung kennen wir bereits aus Zeiten, als Elektroautos noch keine Rolle spielten. Doch das, was sich in den letzten fünf Jahren bei den Luxus-Stromern abspielte, ist außergewöhnlich.
Zum Beispiel der Taycan: Porsches erstes Serien-E-Auto generierte zwar nach seinem Debüt eine hohe Nachfrage. Auf dem Gebrauchtmarkt stießen die Leasing-Rückläufer nach ein paar Jahren jedoch auf wenig Akzeptanz. Die Folge: Die Preise des meist deutlich über 100.000 Euro teuren Sportwagens brachen regelrecht ein.
Die edlen Mercedes-SUV EQE und EQS, die etwas später und damit nach dem großen Elektro-Hype auf den Markt kamen, empfanden Käufer von Anfang an als überteuert. Die Konsequenz: Jahreswagen werden fast zum halben Neupreis angeboten. Ja, richtig gelesen – statt rund 100.000 Euro Listenpreis liegen die Preise eines EQE SUV 350 teils nur noch bei rund 55.000 Euro.
Paradiesische Zeiten für Gebrauchtkäufer? Absolut! Nicht nur, weil die Secondhand-Luxus-Stromer den Großteil ihres Wertes schon verloren haben, sondern auch weil ihre Technik im Vergleich zu High-End-Verbrennern mit teils extrem komplexen Antrieben weit weniger risikobehaftet ist.
Größter Unsicherheitsfaktor bleibt der teure Akku. Doch der lässt sich vor dem Kauf ganz einfach prüfen, indem der Verkäufer ein entsprechendes Zertifikat von einem unabhängigen Anbieter wie Aviloo vorlegt. Auf dem Test-Zertifikat sind neben dem Akkuzustand auch Datum und Uhrzeit des Tests sowie die Laufleistung und Fahrgestellnummer des Fahrzeugs vermerkt. Kann der Verkäufer keinen solchen Test vorweisen, lässt sich ein Test von Aviloo bestellen (ab 99 Euro). Das Gerät wird einem vorab zugeschickt und lässt sich mit Hilfe eines Smartphones sehr einfach durchführen. Der aussagekräftige Flashtest dauert nur wenige Minuten.

Bild: Aviloo
Hier kommen fünf Modelle im Schnell-Check!
Der Genesis G80 ist ein spezieller Typ. Einerseits mutet die Elektro-Limo (designt von Luc Donckerwolke, ehemals Bentley-Designchef) beinahe exotisch an, andererseits ist der Allrad-Stromer mit absolut verlässlicher Großserientechnik aus dem Hyundai-Konzern ausgestattet. Die Koreaner schlagen den Innenraum nicht nur mit feinsten Materialien aus, der fünf Meter lange und sehr leise Gleiter ist auch bestens verarbeitet.

Genesis G80 Electrified: gebraucht ab etwa 33.000 Euro (bis zu 60 Prozent Wertverlust). Technische Daten: 370 PS, 410/520 km Reichweite (Test/WLTP), 22 Min. Ladezeit (von 10 auf 80 Prozent).
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Die 800-Volt-Technologie ermöglicht fixes Laden (maximal 240 kW), daher ist der G80 ein Geheimtipp für Vielfahrer – auch dank des tollen Geradeauslaufs und des geringen Verbrauchs (21,2 kWh im Test, sparsamer als eine vergleichbare Mercedes EQE Limousine). Ein optionales Solardach liefert zusätzlichen Strom. Seine 370 PS und 700 Newtonmeter wirken dabei nicht übertrieben, sondern standesgemäß souverän. Neu kostet ein vollausgestatteter G80 Electrified rund 90.000 Euro. Das Gebrauchtwagenangebot ist zwar überschaubar, die Angebote liegen dafür stets unter 40.000 Euro ab. Die Modelle sind maximal vier Jahre alt und haben oft unter 30.000 Kilometer gelaufen. Wertverlust: zwischen 50 und 60 Prozent

Komfortable Sitze mit optionaler Massagefunktion auch für den Beifahrer. Nappaleder kostet 3000 Euro extra.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Schwachstellen: Der Akku im Boden (87,2 kWh) bringt eine etwas zu hohe Sitzposition. Der Wendekreis fällt mit gemessenen 12,3 Metern nicht klein aus, das kann die EQE Limousine mit optionaler Allradlenkung wiederum besser (10,5 Meter). Der Kofferraum fasst nur 354 Liter, ist somit nicht familientauglich. Und der Federungskomfort des 2,3-Tonnen-Autos erreicht nicht das hohe Niveau der Konkurrenz. Selten ist er auch, daher das Gebrauchtangebot knapp.
Bei seinem Markteintritt in Europa ließ Nio nicht nur durch innovative Lösungen wie das Wechselakku-System und die knuffige Assistentin Nomi aufhorchen, die Fahrer und Passagiere, je nach Situation, mit dutzenden Grimassen unterhält. Auch das technische Rüstzeug soll die Ansprüche der Oberklasse-Kundschaft begeistern – vom reaktionsschnellen Mikrochip über hochauflösende Kameras bis hin zur Ausstattung mit automatisch öffnenden Türen und flauschigem Luftfederfahrwerk.

Nio ET7: gebraucht ab 28.000 Euro (bis zu 60 Prozent Wertverlust). Technische Daten: 653 PS, 373/505 km Reichweite (Test/WLTP), 40 Min. Ladezeit (von 10 auf 80 Prozent).
Bild: Tom Salt
Doch das gelang bisher nicht, weswegen ET7 und weitere Modelle von Nio noch extrem rar sind. Inzwischen gibt es in Deutschland mehrere der markeneigenen Power Swap Stations, bei denen sich der leere Akku in rund fünf Minuten vollautomatisiert durch einen vollen tauschen lässt. Voraussetzung ist dafür allerdings eine Akkumiete (75 kWh für 169 Euro, 100 kWh für 289 Euro pro Monat).
Ob mit eigenem oder mit Mietakku, die 653 PS starke und 5,10 Meter lange Edellimousine ist gebraucht selten. Modelle mit Mietakku kosten neu 69.990 Euro. Die wenigen Gebrauchte, die aktuell angeboten werden, besitzen meist einen Miet-Akku, die Preise beginnen aber bereits bei unter 30.000 Euro. Die viel selteneren Modelle mit Akku kosten rund 45.000 Euro. Wertverlust: bis zu 60 Prozent

Bild: Tom Salt
Schwachstellen: Das Schnellladen ist mit maximal 130 kW keine Stärke des ET7. Trotz der hohen Ansprüche bei der Hardware kann das Luftfederfahrwerk nicht vollends überzeugen, reagiert auf kurzen Absätzen stößig. Sehr rückmeldungsarm sind zudem die Lenkung und das Bremspedal. Sportlich fahren lässt sich der 653-PS-Allradkoloss (2,5 Tonnen Leergewicht) daher nicht. Einschränkend wirken zudem der kleine Kofferraum (370 Liter) sowie die geringe Zuladung (425 Kilogramm).
Mit einer Länge von 4,86 Metern ist der EQE SUV quasi die Kompakt-Version des 5,12 Meter langen EQS SUV. Abgesehen von der Länge unterscheiden sich die beiden Versionen – analog zur Limousine – optisch kaum. Deutlich mehr Luxus bietet der EQS dann auch nur bei den Platzverhältnissen. Zudem verfügt das Flaggschiff über bis zu 118 kWh große Akkus. Den EQE SUV gibt es sich immerhin mit Akkus von bis zu 96 kWh Kapazität.

Mercedes EQE SUV: gebraucht ab 49.000 Euro (bis zu 55 Prozent Wertverlust). Technische Daten: 292 PS, 372/549 km Reichweite (Test/WLTP), 32 Min. Ladezeit (von 10 auf 80 Prozent).
Bild: Tom Salt
Bei den Fahreigenschaften gehört bereits der EQE SUV zum Feinsten, was sich derzeit auf dem Markt der Stromer tummelt. Sowohl die sehr gute Abstimmung des E-Antriebs (One-Pedal-Drive), die hervorragenden Sitze als auch die Fahreigenschaften lassen wenig Raum für Kritik. Auch mit einer vergleichsweise bescheidenen Leistung von 292 PS benötigt der 2,6-Tonner nur 6,4 Sekunden bis 100 km/h und regelt erst bei 210 km/h ab. Mit der optionalen mitlenkenden Hinterachse wird das SUV zudem überraschend wendig (Wendekreis nur 10,3 Meter).

Knapp 6000 Euro kostet der Hyperscreen. Ab dem 500er ist der Riesen-Bildschirm Serie.
Bild: Tom Salt
Warum sich der Stromer dennoch schwer tut am Markt? Die extrem hohen Preise dürften ein wichtiger Grund sein, sogar der größere BMW iX ist eine Spur billiger. Zudem liegt die geschliffene Karosserie des EQE zwar gut im Fahrtwind (cw-Wert 0,25), verleiht dem teuren Benz aber nicht gerade ein markantes, einprägsames Gesicht. Auf dem Gebrauchtmarkt finden sich nur wenige Hundert Modelle. Die günstigsten kosten unter 50.000 Euro, sind oft nur etwas älter als ein Jahr und weisen meist Fahrleistungen zwischen 10.000 und 40.000 Kilometern auf. Den stärksten Preisrückgang verzeichnen vor allem die höher motorisierten AMG-Versionen, der Listen-Neupreis liegt hier teils über 150.000 Euro. Nach zwei Jahren liegen die Preise teils unter 80.000 Euro. Wertverlust: bis zu 55 Prozent
Schwachstellen: Die Ladeleistung geht mit 170 kW noch in Ordnung, 1,8 Tonnen Anhängelast schafft hingegen sogar ein VW Golf. Auch bei Zuladung (467 kg) und Ladevolumen (520 bis 1675 Liter) dürften die meisten SUV-Kunden in dieser Klasse etwas mehr erwarten.
Für viele Erstbesitzer war der Taycan das erste Porsche-Erlebnis. Doch auch wer vom Cayman oder vom 911 umstieg, war fasziniert, wie viel Porsche in dem viertürigen Stromer steckt: Lenkung, Bremse, und die Antriebsabstimmung fördern pures Fahrvergnügen. Das Luftfahrwerk beherrscht eine sehr weite Spreizung und überrascht mit hohem Komfort. Ganz weit vorn ist der Taycan auch bei vielen Leistungswerten: Beschleunigung, Rekuperation, Höchst- oder Ladegeschwindigkeit (800-Volt-Technik) zählen zu den besten.

Bild: Rossen Gargolov
Die Kehrseite war für viele Besitzer der extrem hohe Wertverlust, über den sich Gebrauchtkäufer nun freuen. Auch stärkere Modelle wie der 4S werden bereits für unter 50.000 Euro angeboten. Den neueren Cross Turismo gibt es ebenfalls ab 50.000 Euro. Den heftigsten Wertverlust erlitten aber die hoch motorisierten Turbo-Versionen, die neu teils über 250.000 Euro kosteten. Das Facelift (2024) übte noch mehr Druck aus. Fast neue Vor-Facelift-Modelle werden teils mit fast 50 Prozent Nachlass verkauft. Wertverlust: bis zu 65 Prozent

Bild: Werk
Schwachstellen: Auch nach 100.000 Kilometer wirkte ein Taycan 4S im AUTO BILD-Dauertest noch sehr frisch. Nur gelegentliche Ladeunterbrechungen und ein zähes Infotainment nervten.
Der BMW iX ist mit seiner ungewöhnlich gestalteten Außenhaut auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz so leicht einzuordnen. Doch sobald man das Cockpit entert, wird klar: Dieser BMW ist nicht so sehr auf Dynamik, sondern vielmehr auf Komfort getrimmt.

Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Einige Details der künstlerisch gestalteten und hochwertigen Inneneinrichtung übernahm BMW teilweise auch im Luxusliner 7er. Trotz des hohen Gewichts (2,6 Tonnen) und der XL-Abmessungen (4,95 Meter Länge, 1,97 Meter Breite) fühlt sich der iX nicht sperrig oder behäbig an. Besonders, wenn er über die Integral-Aktivlenkung mit mitlenkenden Hinterrädern verfügt. Ab dem iX xDrive50 ist das System serienmäßig, ebenso die sehr geschmeidig arbeitende Luftfederung.
Dank des großen Akkus mit 105 kWh Bruttokapazität sind auch in der Praxis Reichweiten von bis zu 500 Kilometern möglich. Selbst mit Wohnwagen am Haken (bis zu 2,5 Tonnen maximale Anhängelast) bleiben die Reichweiten annehmbar. Günstigster auf dem Gebrauchtmarkt ist der iX xDrive40. Der verfügt über einen 71-kWh-Akku und startet als Gebrauchter schon bei rund 35.000 Euro. Der stärkere xDrive50 (112 kWh-Akku, 523 PS) kostet nur ein paar Tausend Euro mehr. Mit dabei sind dann teilweise besondere Extras wie Laserlicht oder das sehr große Panoramadach "Sky Lounge". Wertverlust: bis zu 55 Prozent

Bild: Toni Bader
Schwachstellen: Die eigentlich ausgereifte Bedienung wird unnötig durch nervöse Schaltflächen im Lenkrad erschwert.
iX-Besitzer beschweren sich über Software-Probleme in Form von fortwährenden Verbindungsabbrüchen des Telefons und sich aufhängenden Navis. Und wie bei all diesen schweren Brocken verschleißen Fahrwerkskomponenten teils rasant.
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