Elektroautos: Junge Gebrauchte im Check
Gebrauchtwagen-Tipps: Die spannendsten jungen Stromer

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Elektroautos bleiben neu teurer als Verbrenner, doch der Gebrauchtmarkt boomt. AUTO BILD hat acht Modelle im Schnell-Check – und sagt, worauf Käufer achten sollten.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Neu sind Elektroautos nach wie vor teurer als vergleichbare Verbrenner. Doch der Gebrauchtmarkt wächst rasant, und immer mehr junge E-Autos kommen zu attraktiven Preisen auf den Markt. AUTO BILD stellt die interessantesten Modelle vor und zeigt, worauf Käufer achten sollten – inklusive Angaben, was gute Exemplare aktuell kosten.
Tesla Model X: der Showmaster
Der große Tesla wirkt wie ein Raumschiff auf Rädern. Er bietet neben spektakulären Flügeltüren eine top Reichweite (real 350 bis 500 km), hohe Fahrleistungen und starke Software. Allerdings ist der Model X ziemlich schwer, wirkt in der Stadt unhandlich und mutet seinen Fans eine Verarbeitung zu, die nur eingeschränkt mit den Standards im Premiumsegment mithält.

Die Show des Model X ist beeindruckend, Kosten für Ersatzteile und Neupreise (ab 110.000 Euro) jedoch auch.
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
Die Stromkosten sind dafür vergleichsweise günstig, das große Supercharger-Ladenetzwerk erleichtert Langstrecken spürbar. Dafür ist die Versicherung teuer.
Tesla Model X
Markteinführung | 2015 |
|---|---|
Reichweite (Realbetrieb) | ca. 350 - 500 km |
Akku-Speichergröße (netto) | 58,5 - 96 kWh |
Ladegeschwindigkeit | max. 120 - 250 kW |
Leistung | 333 bis 1020 PS |
Abmessungen (L / B / H) | 5037 / 1999 / 1684 mm |
Preisspanne | 24.950 - 94.900 Euro |
Eine Besonderheit sind die vielen verfügbaren Sitzkonfigurationen: Es gibt Fünfsitzer, Sechssitzer mit Executive-Sitzanlage in Reihe zwei sowie einen Siebensitzer als Goodie für Großfamilien. Bereits ab 25.000 Euro finden sich inzwischen solide Angebote.
Mercedes EQB: Ich wollt, ich wär ein Van
Als hochwertig gemachtes Elektro-SUV mit viel Platz, optional sieben Sitzplätzen und MBUX-Infotainmentsystem vereint der EQB dezentes Markenprestige mit Familiensinn. Mit 300 bis 350 Kilometer Reichweite ist das leer mindestens 2,1 Tonnen schwere Modell kein Star der Langstrecke, aber bis auf die mäßige Zuladung von rund 400 Kilogramm voll alltagstauglich und als Erstwagen geeignet. Preislich geht es beim EQB 250 mit Frontantrieb momentan bei rund 30.000 Euro los für seriöse Gebrauchte.

Eine betont aufrechte Karosserie macht den EQB zu einer markanten Erscheinung.
Bild: Tom Salt
Kostspielige Extras und 4Matic-Allrad der stärkeren EQB 300- und EGB 350-Versionen sind jedoch oft Preisbooster. Brauchbar: bis zu 1700 Kilogramm Anhängelast. Wichtig vor dem Kauf: Batteriegesundheit (SoH-Wert) sowie Servicehistorie checken.
2024 gab es ein dezentes Facelift für die Baureihe, das Plug & Charge sowie etwas mehr Reichweite brachte. Wer Familien-E-Mobilität mit Stern kaufen möchte und viel Raum schätzt, macht wenig falsch. Performance- oder Schnellladefans sollten besser anderswo schauen.
Mercedes EQB
Markteinführung | 2021 |
|---|---|
Reichweite (Realbetrieb) | ca. 300 - 350 km |
Akku-Speichergröße (netto) | 66,6 -70,5 kWh |
Ladegeschwindigkeit | max. 100 kW |
Leistung | 190 - 292 PS |
Abmessungen (L / B / H) | 4684 / 1834 / 1691 mm |
Preisspanne | 25.590 - 55.900 Euro |
Smart EQ (453): das Sparschwein
Wie für die Stadt gemacht ist der kleine Elektro-Smart. Der EQ macht seinem neuen Namen ab 2018 alle Ehre, ganz im Gegensatz zu den jüngeren, in China gebauten SUV-Modellen. Mit nur 2,70 Meter Länge ist er unschlagbar beim Parken, sein freundlicher Look wirkt noch immer enorm frisch. Der Akku des Zweisitzers reicht real für rund 80 bis 160 Kilometer, was im städtischen Betrieb durchaus ausreichen kann.

Der Smart EQ setzt auf minimalistischen Charme und Kindchenschema. Für größeren Platzbedarf gab es einen etwas längeren Viertürer.
Bild: Mercedes-Benz AG
Typische Mängel sind verschlissene Motorlager, der hoppelige Fahrkomfort, das altbackene Infotainment sowie über die Baureihe streuend verschiedene Verarbeitungsschwächen.
Smart EQ
Markteinführung | 2018 |
|---|---|
Reichweite (Realbetrieb) | ca. 80 -160 km |
Akku-Speichergröße (netto) | 16,7 kWh |
Ladegeschwindigkeit | max. 22 kW (AC) |
Leistung | 60 - 82 PS |
Abmessungen (L / B / H) | 2695 / 1663 / 1565 mm |
Preisspanne | 6490 - 27.000 Euro |
VW E-Golf: keine Experimente
Voll elektrifiziert war der e-Golf für VW ein wichtiger Brückenkopf. Auf der gleichen Basis wie seine Verbrennerbrüder aufbauend, übernahm er viele Stärken der siebten Golf-Generation und sollte Lust auf Elektro machen. Dezentes Design, gute Ergonomie und aufwendige Detaillösungen erinnern an die Vollwert-Ära von VW. Wer heute nach dem 2020 ausgelaufenen e-Golf sucht, findet ein recht großes Angebot vor.

Optisch unterscheidet sich der e-Golf nur in Details wie einem anderen Grill und sichelförmigem Tagfahrlicht von den Verbrennervarianten.
Bild: Tom Salt/AUTO BILD
Bis zum Facelift hatte das Modell 115 PS und einen nur 20,5 kWh großen Akku. Ab Facelift sind es 136 PS und immerhin 32 kWh. Ladegeschwindigkeit und Reichweite passen eher zu einem Zweitwagen, der idealerweise auch zu Hause geladen werden kann. Achtung: Ein CCS-Ladeanschluss war nicht Serie.
Bei vor Mitte 2017 ausgelieferten Exemplaren ist die Werks-Akkugarantie inzwischen abgelaufen. Die Ergebnisse im TÜV-Report waren in den letzten Jahren hervorragend, jedoch sollten Interessenten vor dem Kauf ein Auge auf Bremsen und Achslager werfen sowie die noch vorhandene Restkapazität des Akkus professionell prüfen lassen.
VW E-Golf
Markteinführung | 2014 |
|---|---|
Reichweite (Realbetrieb) | ca. 120 - 230 km |
Akku-Speichergröße (netto) | 20,5 - 32 kWh |
Ladegeschwindigkeit | max. 40 kW |
Leistung | 115 -136 PS |
Abmessungen (L / B / H) | 4270 / 1799 / 1482 mm |
Preisspanne | 10.000 - 20.000 Euro |
Kia EV6: Hightech mit Charakter
Wahre Schönheit kommt von innen, weiß der Volksmund. Bei Kia steckt unter der arg ambitioniert gestalteten Außenhaut des 2021 vorgestellten EV6 tatsächlich reichlich innovative Technik, die man von einer sportlich angehauchten E-Mittelklasse normalerweise nicht erwarten würde.

Das polarisierende Design des Kia EV6 dämpft oft die Kauflust. Doch die Technik ist top!
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Die Akkus sind 58 bis 84 kWh groß, was für rund 300 bis 400 Kilometer Praxisreichweite sorgt und den EV6 langstreckentauglich macht. Je nach Ausführung gibt es Heck- oder Allradantrieb. Absolut nicht selbstverständlich sind 800-Volt-Ladetechnik, bidirektionales Laden und eine sehr flotte Ladeleistung (am Schnelllader bis zu 258 kW).
Mit der wunderbar unvernünftigen GT-Variante mit 585 PS (Facelift 609 PS) und 740 Nm Drehmoment wird die Crossover-Limousine, zumindest in mittleren Geschwindigkeitsbereichen, zum Porsche-Panamera-Schreck. Eine weitere Stärke: Nicht nur für die Hochvolttechnik, sondern umfassend gelten sieben Jahre oder 150.000 Kilometer Neuwagengarantie.
Kia EV6
Markteinführung | 2021 |
|---|---|
Reichweite (Realbetrieb) | ca. 300 - 400 km |
Akku-Speichergröße (netto) | 58 - 84 kWh |
Ladegeschwindigkeit | max. 180 - 258 kW |
Leistung | 170 - 585 PS |
Abmessungen (L / B / H) | 4680 / 1880 / 1550 mm |
Preisspanne | 25.000 - 65.000 Euro |
Peugeot E-2008: schick für die Masse
Wie man ein charmantes, vollelektrisches Mini-SUV kostengünstig konstruiert, das wissen die Franzosen. Der bereits 2020 eingeführte e-2008 basiert wie der Opel Corsa-e und der DS3 Crossback auf der e-CMP-Plattform des Stellantis-Konzerns. Der Look des kleinen Löwen-SUV ist adrett, sein Innenraum langt für kleine Familien. Weitere Vorzüge: bereits heute recht weit verbreitete E-Technik, ein Mehr an Aftermarket-Teilequellen und recht günstiger Unterhalt.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der 46 kWh große Akku reicht je nach Fahrprofil für 200 bis 300 Kilometer, was eher für den Nahverkehr als die Langstrecke taugt. DC-Laden ist mit maximal 100 kWh zügig möglich. Im Sommer 2023 gab es eine Modellpflege mit aufgefrischter Front, Softwareupdate und einem effizienteren 51-kWh-Akku (NMC-Technologie mit hoher Speicherdichte). Diese Modelle sind aktuell gebraucht noch teurer.
Typische Mängel: Störungen durch defekte 12-Volt-Batterien, fehlerhafte Klimakompressoren, ausfallende Sensoren und ein eher mäßiges Infotainment-Erlebnis.
Peugeot E-2008
Markteinführung | 2020 |
|---|---|
Reichweite (Realbetrieb) | ca. 200 - 300 km |
Akku-Speichergröße (netto) | 46,3 - 51 kWh |
Ladegeschwindigkeit | max. 100 kW |
Leistung | 136 -156 PS |
Abmessungen (L / B / H) | 4300 / 1770 / 1530 mm |
Preisspanne | 13.900 - 43.900 Euro |
Polestar 2: Schweden-Chinese
In China gebaut, setzt der designorientierte Polestar 2 voll auf skandinavisches Flair. Die Studie war 2016 noch als Volvo Concept 40.2 gelabelt, technische Basis des Serienmodells ist die CMA-Architektur von Volvo/Geely.

Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
In der Praxis beeindrucken die Motoren der Mittelklasselimousine mit bis zu 476 PS Leistung, seit dem 2024er-Facelift gibt es außerdem maximal 205 kWh Ladeleistung.
Typisch sind Infotainment-Ausfälle, Federbein- und Antriebswellenprobleme. Auch die Elektronik läuft nicht immer perfekt: Connectivity-Modul, instabile Infotainmentsoftware und vereinzelte Ladeabbrüche nerven. Viele Fehler traten im Zusammenhang mit entladenen 12-Volt-Batterien auf. Für Gebrauchtkäufer attraktiv ist der bemerkenswert hohe Wertverlust.
Polestar 2
Markteinführung | 2020 |
|---|---|
Reichweite (Realbetrieb) | ca. 300 - 400 km |
Akku-Speichergröße (netto) | 61-79 kWh |
Ladegeschwindigkeit | max. 135 - 205 kW |
Leistung | 224 - 476 PS |
Abmessungen (L / B / H) | 4606 / 1859 / 1479 mm |
Preisspanne | 22.900 - 57.900 Euro |
Porsche Taycan: günstig geworden
Als Meilenstein galt der Taycan bei seiner Einführung: Die erste vollelektrische Sportlimousine von Porsche setzte auf feinste E-Technik für die Oberklasse. 800-Volt-Technik und beeindruckende Schnellladekompetenzen sind Standard. Einzigartig ist die Dynamik dank 2-Gang-Getriebe und Hinterachslenkung. Design und Komfortfeatures werden dem Luxusanspruch der Marke gerecht.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Innenraum versucht mit tollem Cockpit und enormen Individualisierungen der elitären Klientel zu schmeicheln, jedoch zu sündhaft teuren Preisen von teils über 250.000 Euro. Die angepeilte Neuwagenkundschaft übte unerwartet Kaufzurückhaltung, auch gebraucht ist der Taycan alles andere als ein Schnelldreher. Dies führt dazu, dass man bereits für 50.000 Euro seriöse Exemplare mit überschaubaren Laufleistungen findet.
Die Softwareprobleme waren bis 2022 groß, wurden oft durch Updates gelöst. Außerdem: Ladeprobleme, Heizungsausfälle, teils Unterbodenschäden und Rückrufe in puncto Hochvoltakkus.
Porsche Taycan
Markteinführung | 2019 |
|---|---|
Reichweite (Realbetrieb) | ca. 300 - 500 km |
Akku-Speichergröße (netto) | 71- 97 kWh |
Ladegeschwindigkeit | max. 225 - 320 kW |
Leistung | 408 -1034 PS |
Abmessungen (L / B / H) | 4962 / 1966 / 1378-1412 mm |
Preisspanne | 47.900 - 244.900 Euro |
Auf den Akku kommt es an
Nicht jeder Akku altert gleich. Um Frust nach dem Kauf zu vermeiden, sind Akku-Checks gebrauchter E-Autos ratsam. Die österreichische Firma Aviloo wurde 2018 als Start-up gegründet und bietet herstellerunabhängige Diagnosen des State of Health (SoH) für diverse Hochvoltakkus an.
Die Dienstleistung wird inzwischen von vielen Autohändlern, Prüforganisationen und Leasinggesellschaften genutzt, kann aber auch von Privatpersonen gebucht werden. Der Ablauf ist simpel: Ein Tester wird mit der OBD-2-Schnittstelle des Autos verbunden – nach rund drei Minuten liefert ein Flash-Akkutest die Daten für ein SoH-Zertifikat, das die Restkapazität des Fahrzeugakkus in Prozent angibt.
Noch aussagekräftiger ist der vom TÜV Austria zertifizierte Premiumtest, der über einen Akkuzyklus oder mehrere Tage misst. TÜV Süd und TÜV Nord arbeiten bei ihren SoH-Tests mit Aviloo zusammen.
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