Elon Musks Traum vom autonomen Fahren
Autonomen Fahren: Warum Tesla noch nicht am Ziel ist

Bild: The Washington Post / Getty Images
- Manuel Bauer
Geht es nach Tesla-Chef Elon Musk, sollten die Fahrzeuge seines Unternehmens längst ganz ohne menschliche Hilfe durch den Straßenverkehr düsen. Der exzentrische Unternehmer propagiert seit Jahren, dass Teslas Full-Self-Driving-Fahrassistent den Traum selbstfahrender Autos wahrmachen wird und anderen Systemen überlegen ist, obwohl er auf eine simplere Technik ohne Laser-Sensoren setzt. Kritik lässt der Milliardär an sich abprallen. Dass viele Tesla-User die Begeisterung Musks nicht teilen, scheint ihm egal zu sein.
Ist das wirklich nur die Arroganz und das überhöhte Selbstbewusstsein eines selbsternannten Visionärs oder steckt mehr hinter dieser Diskrepanz zwischen Musks Wahrnehmung und der seiner Kundschaft? Das Magazin Business Insider ist dieser Frage auf den Grund gegangen – mit überraschendem Ergebnis.
Aktuelle und ehemalige Tesla-Mitarbeiter "packen aus"
Tatsächlich scheint Elon Musks Eindruck vom Full-Self-Driving-System nicht so sehr von verzerrter Realitätswahrnehmung geprägt zu sein. Viel mehr ist der Tesla-Boss offenbar Opfer der Ehrfurcht, die seine Angestellten ihm gegenüber verspüren. Wie Business Insider im Gespräch mit mehr als einem Dutzend aktueller und ehemaliger Mitarbeiter des Unternehmens erfahren haben will, sind Musks Erfahrungen mit dem Fahrassistenten nämlich nicht vergleichbar mit denen der einfachen Kunden.
Der Grund: Die Software lernt nicht nur auf eigene Faust per KI dazu, Tesla-Angestellte werten auch aufgezeichnete Videos der User aus und passen das Fahrverhalten des Assistenten entsprechend an. Üblicherweise ist das nach Angaben der Insider ein eher auf Tempo ausgelegter Vorgang, der nicht allzu viel Zeit in Anspruch nehmen soll. Wenn allerdings Musks Videos ausgewertet werden, gibt es wohl andere Arbeitsanweisungen.
Tesla optimiert Musks gewohnte Strecken
Dem Bericht zufolge müssen Tesla-Mitarbeiter bei der Bearbeitung von Musks aufgezeichneten Fahrdaten besondere Sorgfalt walten lassen und das Maximum an Optimierungspotenzial aus den gewonnenen Informationen herausholen. Die Konsequenz: Der Full-Self-Driving-Assistent ist nahezu perfekt an Musks Fahrgewohnheiten und dessen regelmäßig zurückgelegte Strecken angepasst. Eine Sonderbehandlung, die der durchschnittliche Tesla-Besitzer nicht erhält. Lediglich eine Handvoll ausgewählter sogenannter VIP-Fahrer, darunter etwa einflussreiche YouTuber, werden den Insidern nach ähnlich priorisiert und haben daher ein ebenso positives Bild vom Fahrassistenten.
Die Insider gaben unter anderem an, dass sie Routen zu Musks Haus sowie rund um die Tesla- und SpaceX-Standorte in den US-Bundesstaaten Kalifornien und Texas mit oberster Priorität in das System einpflegen und so viele Anweisungen wie möglich für den Fahrassistenten hinterlegen sollten. Auch bei den VIP-Usern mussten die Angestellten deren Heimadresse ausfindig machen, um die Wege in deren Umgebung entsprechend gut für den Assistenten zu präparieren. Ein Insider bestätigte ganz klar, dass Elon Musks Erfahrungen mit dem Full-Self-Driving-System besser seien als jene anderer User, weil er die Software stets von ihrer besten Seite erlebe.
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