Die Zahlen sind erschreckend: Geisterfahrer sind laut einer Studie auf Autobahnen oft mit voller Absicht falsch gefahren. In rund 46 Prozent der Fälle wurden die Falschfahrten bewusst vorgenommen. In rund einem Drittel der Fälle wurde im fließenden Verkehr gewendet. Das sind wesentliche Ergebnisse eines Forschungsprojekts, das die Unfallforschung der Versicherer in Münster vorstellte.
Ein weiteres Resultat des Projekts, in dem 224 Unfälle aufgrund von Falschfahrten zwischen 2002 und 2022 untersucht wurden: Über 40 Prozent aller Unfälle infolge von Falschfahrten auf Autobahnen wurden von Menschen verursacht, die älter als 75 Jahre sind.
Zum einen handelte es sich dabei überwiegend um Männer, zudem waren Demenz oder Verwirrtheit in dieser Altersgruppe das herausragende Problem.

Gründe für die Geisterfahrten

Die Gründe für die Falschfahrten waren bei Senioren die Verwirrtheit, bei den jungen Verursachern waren es häufig eine suizidale Absicht oder eine Flucht vor der Polizei.
Alkohol spielt mit knapp einem Fünftel der Fälle ebenfalls eine Rolle, zumindest als Begleitumstand, allerdings beinahe ausschließlich bei Personen unterhalb des 65. Lebensjahres. Interessant auch, dass die falsch zurückgelegte Wegstrecke weit überwiegend auf der (in korrekter Richtung) linken Spur lag und dementsprechend dort auch die meisten Unfälle stattfanden. Rund die Hälfte der Falschfahrten ist laut der Studie nach zwei Kilometern beendet. Viele Geisterfahrer fahren an Anschlussstellen oder Raststätten falsch auf. Als Datenbasis für die Studie dienten die Schadensakten der Versicherer, Unfallinformationen der Polizei und Medienberichte.
"Stopp-Hände" nach österreichischem Vorbild an Autobahn-Anschlussstellen können nur wirken, wenn die Tat unbewusst geschieht und keine Demenz oder Verwirrtheit die Wirkung minimieren.
Bild: dpa

"Die Ergebnisse sind erschreckend und zeigen, dass wir bisher unsere Hoffnungen auf Maßnahmen gesetzt haben, die nur begrenzt Wirkung entfalten können", so UDV-Chef Siegfried Brockmann.
Eine Verbesserung der Linienführung und "Stopp-Hände" nach österreichischem Vorbild an Autobahn-Anschlussstellen könnten nur wirken, wenn die Tat unbewusst geschieht und keine Demenz oder Verwirrtheit die Wirkung minimieren. Automatisch ausfahrende Krallen an Anschlussstellen können nur an Ausfahrten Einfluss nehmen, sind aber dazu noch sehr teuer und würden auch Rettungs- und Einsatzwagen stoppen.

Was kann helfen?

Was könnte denn helfen gegen Geisterfahrten? Neuwagen könnten mit einer Notbremsfunktion ausgerüstet werden, die via Verkehrszeichenerkennung und GPS die beginnende Falschfahrt frühzeitig erkennt und das Fahrzeug stoppt, so der UDV.
Kurz- und mittelfristig sollte nach Ansicht der UDV auf optimierte Information via Verkehrsfunk, Verkehrsbeeinflussungsanlagen und vor allem App-Lösungen im Fahrzeug oder Smartphone gesetzt werden. Da angesichts der festgestellten Hergänge der Einfluss auf die Verursacher ohnehin nur in einem Teil der Fälle möglich ist, liege hier der Schwerpunkt auf der Information der übrigen Verkehrsteilnehmenden.