Etrusco CV 600 DB: Wohnmobil-Test
Etrusco CV 600 DB: Der Trendsetter im Dauertest

Einmal quer durch Europa: Mit dem Etrusco CV 600 DB trat bei AUTO BILD REISEMOBIL der erste Kastenwagen mit Aufstelldach zum Dauertest an.
Bild: AUTO BILD
Dieses Wohnmobil war die eierlegende Wollmilchsau in unserem Dauertestfuhrpark: vier feste Schlafplätze, ausreichend starke Motorisierung, große Küche, und das alles auf nur sechs Meter Fahrzeuglänge. Das machte den Etrusco CV 600 DB auf Fiat-Ducato-Basis in dem Jahr, in dem er bei uns war, zum beliebtesten Reisebegleiter. Und weil er das Urlaubsfeeling gleich mitbrachte.
Obwohl die Erwin-Hymer-Marke in Leutkirch im Allgäu sitzt, ist der Kastenwagen durch und durch Italiener. Die Fiat-Basis kommt aus den Abruzzen, der Ausbau aus dem Laika-Werk in der Toskana. Kein Wunder, dass auch der Innenraum mit seinen Cappuccino- und Cremefarben und den dunklen Holztönen jede Menge Italo-Charme versprühte.
Leider täuschte das schicke Interieur nicht über den größten Kritikpunkt hinweg: Der Etrusco war im Inneren einfach zu dunkel. Das lag vor allem an dem eigentlich viel gelobten Aufstelldach. Dadurch gab es keine Dachluken, die ein wenig Tageslicht hätten spenden können. Wer nun glaubt, dies sei bauartbedingt, täuscht sich. Mitbewerber wie Knaus bieten mittlerweile Campervans mit Fenstern im vorderen Bereich des Aufstelldaches an.

Blick ins vordere Abteil: freundliches Interieur, drehbare Pilotensitze, der Tisch verfügt optional über ein praktisches Ausdrehteil und lässt sich verschieben.
Bild: Sven Krieger
Zusätzlich zum fehlenden Oberlicht rollte der Etrusco mit getönten Seiten- und Heckscheiben vor. Das mag an den edlen und serienmäßigen Rahmenfenstern schick aussehen und auch vor neugierigen Blicken der Campingnachbarn schützen, sorgt aber dafür, dass man im Fahrzeug sogar tagsüber das Licht einschalten musste. Kollege Bernhard Schmidt, der mit ihm in Italien unterwegs war, schrieb treffend: "Man kann kaum rausgucken!"
Lauten Klappern und Knarzen während der Fahrt
Durchgängig begeistert waren die Testcamper (überwiegend Paare) vom Platzangebot und dem durchdachten Ausbau. Besonders für die Küche mit der für Kastenwagenverhältnisse großen Arbeitsfläche und mehr als ausreichenden Staufächern fanden die Kollegen lobende Worte. Selbst der Duschvorhang im Badezimmer störte kaum jemanden.
Was uns jedoch von Beginn an Sorgen bereitete: die Verarbeitung der Möbel. Die Bewertung ihrer Qualität ist allerdings nicht so einfach. Jeder einzelne Testcamper schrieb etwas zum lauten Klappern und Knarzen während der Fahrt, über viel zu große Spaltmaße, über ein schief eingebautes Bedienpanel und über hakelige Verschlüsse an Schubladen und Fronten. Nur: Bis auf ein defektes Rollo im Badezimmer ist nichts kaputtgegangen.

Bequemes Querbett im Heck. Zwei weitere Schlafplätze gibt es im zweiten Schlafzimmer im Obergeschoss.
Bild: Sven Krieger
Bis zum letzten Kilometer des Dauertests funktionierte der Etrusco ohne Pannen. Und das unter härtesten Reisebedingungen: Von Stuttgart ging es nach Norwegen und weiter in die Provence. Und vom milden Winter in Mittelitalien verschlug es den Van ins tief verschneite Schweden. Im letzten Fall aber nicht zum Wintercampen. Kollege Dierk Möller nutzte ihn als Testobjekt, um die besten Ganzjahresreifen für Camper zu ermitteln.
Fürs Wintercamping ist das Konzept nicht geeignet
Wirklich wintertauglich ist das Konzept des Vierschläfer-Kastenwagens eben nicht. Dafür ist nicht nur der Stoff des Faltenbalgs zu dünn, es fehlt bei reiner Innenraumnutzung schlicht an Platz für vier. Doch auch im Sommer, wenn der Großteil des Lebens draußen stattfindet, wird der Stauraum in den Dachschränken und Regalen bei vier Mitreisenden knapp. Kommen dann noch Sportgeräte wie Fahrräder oder Surfboards dazu, ist auch die Zuladungsgrenze von 545 Kilo schnell überschritten. Letztere zu verladen, ist auch gar nicht so leicht. Die Lattenroste und Matratzen des Querbetts liegen nämlich nur lose auf und lassen sich nicht einfach wegklappen.
Technische Daten
Etrusco CV 600 DB | |
|---|---|
Motorisierung | MultiJet II 140 |
Leistung | 103 kW (140 PS) bei 3600 U/min |
Hubraum | 2287 cm3 |
Drehmoment | 350 Nm bei 1400 U/min |
Höchstgeschwindigke | 152 km/h |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang manuell/Vorderrad |
Tankinhalt/Kraftstoffsorte | 75 l Diesel + 19 l AdBlue |
Länge/Breite/Höhe | 5990/2070/2980 mm |
Radstand/Bereifung | 4035 mm / 225/75 R 16 CP |
Leergew. fahrbereit/Zuladung (Testmobil) | 2955/545 kg |
Anhängelast (gebremst/ungebremst) | 2500/750 kg |
Material Wand/Dach/Boden | Stahlblech/GFK/Stahlblech |
Stärke Wand/Dach/Boden | 20/16/21 mm |
Isolierung Wand/Dach/Boden | PE/XPS/XPS |
Liegefläche Heck L x B | 1952 x 14651565 mm |
Liegefläche Aufstelldach L x B | 1990 x 1280 mm |
Innenhöhe/-breite max. | 2917/1925 mm |
Kühlschrank/Eisfach | Kompressor, 84/16 l |
Herd | Gas, 2 Flammen |
Bordbatterie | 1x AGM, 12 V/95 Ah |
Frisch-/Abwassertank | 100/90 l |
Gasvorrat/Heizung | 2x 11 kg/Truma Combi 4 |
Preis/Testwagenpreis | ab 43.999 Euro/59.183 Euro |
Da stellt sich am Ende die Frage: Für wen eignet sich ein Kastenwagen mit Aufstelldach überhaupt? Für Familien mit Kindern, die den Van als Sommercamper nutzen, kann er funktionieren, wenn sich alle einschränken. Praktisch könnte er für Paare sein, die meistens allein reisen, aber an verlängerten Wochenenden doch mal Neffen, Nichten, Enkelkinder oder Freunde mit zum Lieblingsplatz nehmen.
Was uns noch fehlt im Portfolio der Hersteller: ein Kastenwagen nur mit Aufstelldach, in dem der komplette Innenraum zum Wohnen genutzt wird. Unseretwegen auch mit umbaubarer Sitzgruppe. Das wäre doch mal was.
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