EU-Autogipfel
Mercedes-Chef: Verbrenner-Verbot ist zu einseitig

EU-Autogipfel in Brüssel. Vorab macht Mercedes-Chef Ola Källenius klar, dass ein Verbrenner-Verbot ab 2035 zu einseitig ist.
Bild: Mercedes
Am Freitag lädt die EU-Kommission zum großen Autogipfel in Brüssel. Mercedes-Chef Ola Källenius nimmt in seiner Funktion als Präsident des europäischen Herstellerverbands ACEA an den Gesprächen teil.

Mercedes-CEO Ola Källenius im Gespräch mit AUTO BILD.
Bild: AUTO BILD
Bereits auf der IAA in München skizzierte er in einem Roundtable, welche Fragen in Brüssel auf der Agenda stehen. Gleichzeitig äußerte er sich zur Lage in China – und zur Gefahr, dass der dortige Preiskampf auch auf Deutschland übergreifen könnte.
EU-Plan ab 2035: "Das Ziel stimmt – die Methode nicht"
Källenius machte deutlich, dass er das Ziel der Klimapolitik voll unterstützt. "Es gibt keinen Zweifel, dass wir auf null Emissionen zusteuern. Wir unterstützen das Ziel uneingeschränkt", sagte er. Er erinnerte daran, dass die europäische Autoindustrie bereits Hunderte Milliarden Euro in die Elektrifizierung investiert habe – und weiter investieren werde. "Wir sind die Branche, die am meisten Geld in diese Transformation gesteckt hat. Wir haben das größte Interesse, dass sie gelingt", so Källenius. Das geplante Aus für Verbrenner ab 2035 sieht er dennoch kritisch. "Ein reines Verbrenner-Verbot zu einem fixen Zeitpunkt ist zu eindimensional", erklärte er.
Seine Forderungen:
➤ Technologieoffenheit statt Einbahnstraße
➤ Anreize statt Strafen – "ein Markt lässt sich nicht mit drakonischen Verboten und drakonischen Strafen steuern"
➤ Bestandsfahrzeuge berücksichtigen: "Wir haben in Europa 250 Millionen Autos auf der Straße. Nur fünf Prozent sind jährliche Neuzulassungen. Wer wirklich den CO₂-Fußabdruck verbessern will, muss den gesamten Bestand betrachten." Für den Gipfel in Brüssel formulierte er ein klares Ziel: "Den Lösungsspielraum öffnen, weg vom Dogma, hin zu einem erfolgreicheren Gesamtplan."
China: "Hyper-Wettbewerb – aber Mercedes bleibt Mercedes"
Zur Lage in China sprach Källenius von einem Markt mit extremem Preisdruck. "Der Markt ist in einer Phase von Hyper-Wettbewerb. Es wird eine Konsolidierung geben, aber nicht über Nacht", sagte er. Für Mercedes gebe es darauf nur eine Antwort: "Wir setzen auf Werterhalt, nicht auf maximales Volumen. Innovation, Technologie und unsere Marke tragen uns." Dazu baut der Konzern seine Entwicklungszentren in Shanghai und Peking aus und arbeitet eng mit Tech-Unternehmen wie Tencent, ByteDance und Alibaba zusammen.
Droht ein Preiskrieg auch in Deutschland?
Auf die Frage, ob sich der chinesische Preiskampf auch auf Deutschland übertragen könnte, antwortete Källenius klar: "So weit sind wir hier noch nicht. Logistik- und Eintrittskosten sind hoch, die Märkte sind zu verschieden, das ist nicht eins zu eins übertragbar." Neue Wettbewerber seien willkommen, betonte er.

Neuer Mercedes GLC als "Gegengewicht zu Billigangeboten".
Bild: Mercedes
Für Mercedes gelte jedoch ein unverrückbarer Kurs. "Wir werden nicht jedem hinterherlaufen. Unsere Antwort ist klar: Wir müssen wissen, wer wir sind. Mercedes bleibt Mercedes. Die Strategie steht", so Källenius. Als Beispiel nannte er den neuen GLC: "Hightech auf höchstem Niveau – unser Gegengewicht zu Billigangeboten, damit heben wir uns ab."
Zusammenfassung: Källenius stellt klar: CO₂-Neutralität ist das gemeinsame Ziel – ein starres Verbrenner-Verbot aber der falsche Weg.
Und beim Blick nach China betont er: Mercedes lässt sich nicht in Preiskriege treiben, sondern setzt auf Premium und Innovation.
Und beim Blick nach China betont er: Mercedes lässt sich nicht in Preiskriege treiben, sondern setzt auf Premium und Innovation.
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