Es ist einfach nicht das Jahr des Lewis Hamilton (36). Auch in der Extreme E, der neuen Elektro-Offroad-Meisterschaft von Formel-E-Gründer Alejandro Agag, hat der Mercedes-Star den Meistertitel mit seiner Mannschaft „X44“ knapp verloren.
Schmerzhaft: Ausgerechnet das Team von Ex-Erzrivale Nico Rosberg (36/RXR) schnappte dem Briten den Titel beim Finale in Südengland vor der Nase weg. Dabei legte Hamiltons Fahrer-Duo aus Sébastien Loeb (neunmaliger Rallye-Weltmeister) und Cristina Gutierrez eine souveräne Vorstellung in den Schlamm. X44 gewann sowohl die beiden Qualifyings als auch alle weiteren Rennen bis ins Finale.
Johan Kristoffersson, Nico Rosberg und Molly Taylor feiern den Extreme E Titel.
Am Ende reichte Rosbergs Fahrer-Duo Johan Kristofferson und Molly Taylor ein vierter Platz, um die erste Extreme E-Meisterschaft einzufahren. Grund: Bei Punktgleichheit entscheidet die höhere Anzahl an Siegen. RXR war gleich dreimal erfolgreich, X44 „nur“ ein Mal.
Dabei wurde es im Finale noch einmal richtig spannend, als Rosberg X Racing auf Platz vier liegend immer weiter zurückfiel, während sich Team Hamilton an der Spitze absetzte. „Ich hätte schon gerne mehr gepusht, aber das Risiko war es nicht wert“, erklärt Molly Taylor. „Den Titel zu holen ist ein wunderbares Gefühl!“
Rosberg freut sich: „Der Titel ist eine Riesen-Erleichterung. Ich bin stolz auf den tollen Job, den das Team gemacht hat.“ Der gebürtige Wiesbadener gewann 2016 auch in der Formel 1 den WM-Titel gegen seinen damaligen Teamkollegen Hamilton.
Immerhin: Im Hamilton-Lager hat man sich nichts vorzuwerfen. „Wir haben an diesem Wochenende alles gewonnen, was zu gewinnen war. Das war unser Ziel und unsere einzige Chance, die Meisterschaft noch zu gewinnen. Dass wir punktgleich den Titel mit einem Sieg verlieren, ist bittersüß.“
X44 gewann sowohl die beiden Qualifyings als auch alle weiteren Rennen bis ins Finale.
Allein: Vor Ort musste Hamilton der Niederlage nicht tatenlos zuschauen. Der Formel-1-Vizeweltmeister blieb der Veranstaltung auf einem Militärgelände an der Jurassic-Küste in Dorset fern. Nico Rosberg dagegen feierte vor Ort mit viel Champagner auf dem Podium.
Fürs zweite deutsche Team lief es weniger gut. Die Achterbahnfahrt, die ABT-CUPRA XE in seiner ersten Extreme-E-Saison erlebt, setzte sich auch beim Finale fort: Nach dem Podiumserfolg zuletzt in Sardinien verabschiedeten sich Jutta Kleinschmidt und Mattias Ekström in Großbritannien schon im Halbfinale aus dem Wettbewerb.
Nach einem guten Start kollidierte Ekström mit Carlos Sainz, der auf der ersten Geraden recht abrupt abbremste, und zerstörte dabei die Front seines e-CUPRA ABT XE1. So war bereits nach einer halben von insgesamt drei Runden nur noch der hintere Antrieb verfügbar, das deutsch-schwedische Duo damit chancenlos.
Die Extreme E rast mit Elektro-Geländewagen (maximal 544 PS) an Orten, die vom Klimawandel bedroht sind und will so den Finger in die Wunden des Planeten legen und auch Motorsportfans überzeugen, die Umwelt zu schützen.
Am 18./19. Februar 2022 geht es in Saudi-Arabien mit Saison 2 weiter.

Von

Bianca Garloff