Wird es die nächste Niederlage für Lewis Hamilton? Sein ehemaliger Erzfeind Nico Rosberg (36) kämpft an diesem Sonntag als Teambesitzer von Rosberg X Racing (140 Punkte) gegen Hamiltons Mannschaft X44 (125 Punkte) um den Titel in der Extreme E. Doch der große Gewinner soll die Umwelt sein. Die Serie von Formel-E-Gründer Alejandro Agag rast gegen den Klimawandel und will Aufmerksamkeit für die Wunden des Planeten schaffen.
Das Qualifying nahe der Stadt Dorset an der Jurassic-Küste Süd-Englands hat das Team von Lewis Hamilton (X44) für sich entschieden. Am Sonntag treten also X44, Jenson Buttons Mannschaft JBXE und das Team Veloce (von Formel-E-Doppelchampion Jean-Eric Vergne) im ersten Halbfinale gegeneinander an. Rosberg X Racing trifft in Halbfinale zwei auf Acciona Sainz und ABT-Cupra. Die jeweils schnellsten beiden Teams aus beiden Halbfinals qualifizieren sich für das Finale.
Aber wie nachhaltig ist die Serie eigentlich selbst? Wir machen den Check:
Solarmodule produzieren zunächst Strom, um Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zu spalten.
Die Autos:
In der Extreme E rasen Elektro-SUV mit maximal 544 PS durchs Gelände. Der Clou: Die Energie wird vor Ort aus Sonnenlicht und Brennstoffzellen generiert. Solarmodule produzieren zunächst Strom, um Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zu spalten. Der wiederum wird in einer portablen Riesen-Brennstoffzelle in genügend Energie umgewandelt, um die Autos zu versorgen. Hersteller des Systems ist die britische Firma AFC Energy. In 24 Stunden können so 480 kW Energie generiert werden.
„Wir produzieren den Strom per Elektrolyse mit Solarenergie“, sagt deren CEO Adam Bond. „So ist nicht nur die Brennstoffzelle emissionsfrei, sondern auch die Produktion des Wasserstoffs.“ Ein weiterer Vorteil: Weil der Wasserstoff vor Ort hergestellt wird, ist ein Transport des explosiven Gases nicht notwendig. Warum nicht gleich auf Solarenergie zurückgreifen? „Dann bräuchte jedes Team ein riesiges Solarmodul – mit unserem System können wir die Autos zentral laden“, sagt Extreme-E-Manager Andy Welsh.
Die Reifen: Das schwarze Gold der Extreme E basiert auf dem CrossContact-Offroad-Reifen. „Aufgrund des Nachhaltigkeits-Gedankens der Extreme E mussten wir einen Reifen für fünf verschiedene Locations bauen – mit ganz unterschiedlichen Untergründen: tiefer Sand, Felsen, Wasser“, erklärt Catarina Silva, Continental-Projektleiterin für die Extreme E. „Dazu kommen ganz unterschiedliche äußere Bedingungen: Mal herrscht sengende Hitze, mal Eiseskälte.“
Das schwarze Gold der Extreme E basiert auf dem CrossContact-Offroad-Reifen.
Pro Auto und Rennen stehen sechs Reifen zur Verfügung. Alle Gummis wurden bereits vor der Saison produziert und auf dem Extreme-E-Schiff St. Helena eingelagert. „Das heißt, in Saudi Arabien hatten wir unsere erste große Bewährungsprobe, als alle Reifen schon verladen waren“, erklärt Catarina Silva. „Zum Glück haben wir alles richtig gemacht und brauchten keine nachträglichen Änderungen.“
Allein die schiere Größe der schwarzen Walzen beeindruckt. Die Daten: 34 Kilo pro Stück, 37 Zoll Durchmesser, 31,75 Zentimeter Breite, 13,9 Millimeter Profiltiefe. Catarina Silva: „Es ist eine Mischung aus LKW und SUV-Reifen, weil das Gewicht des Fahrzeugs mit 1650 Kilo so hoch ist. Außerdem haben wir eine besondere Mischung und Profil entwickelt, so dass wir für jede Temperatur und jeden Untergrund genug Grip, Traktion und Haltbarkeit haben.“
Durchschnittlich 70-100 Kilometer legt ein Auto pro Rennwochenende zurück. Die Reifen sehen danach immer noch wie neu aus. „Bei der Dakar, braucht ein Team bei einem Rennen mehr Reifen als wir für eine ganze Meisterschaft“, rechnet Catarina Silva vor.
Bei jedem Rennen unterstützt die Extreme E vor Ort Projekte, um den Klimawandel zu bekämpfen.
Das Nachhaltigkeits-Programm:
Bei jedem Rennen unterstützt die Extreme E vor Ort Projekte, um den Klimawandel zu bekämpfen. Top-Thema beim Finale in Südengland ist das Artensterben auf der britannischen Insel. „Wir helfen hier bei der Neuansiedlung von Biebern“, erklärt Abt-Cupra-Pilotin Jutta Kleinschmidt: „Gemeinsam mit anderen Fahrern haben wir im Wald ein erstes neues Zuhause für sie gebaut.“ Zuletzt in Sardinien half man Familien, die durch Waldbrände alles verloren haben. Kleinschmidt: „Wir haben einige tolle Sachen gemacht, für mich herausragend war aber Grönland. Es war beeindruckend und furchteinflößend zugleich zu sehen, wie das Eis wegschmilzt. Deshalb ist es gut, dass wir auch mit Motorsport darauf aufmerksam machen.“
Der Transport: Statt mit Lastwagen und Flugzeugen werden die Rennwagen mit der St. Helena um die Welt transportiert, einem umgebauten Postschiff. Das fährt zwar weiter mit Diesel, wurde aber so umweltschonend wie möglich ausgerüstet und modernisiert. Die St. Helena ist das schwimmende Fahrerlager der Extreme E.

Von

Bianca Garloff