Die Extreme E, die neue Rennserie mit Elektro-SUVs (bis zu 544 PS) rast an diesem Wochenende auf einem Truppenübungsplatz auf Sardinien (Sonntag ab 16 Uhr auf ProSieben Maxx). ABMS sprach vorab mit Gründer Alejandro Agag über die Rettung des Planeten, Nico Rosberg und Lewis Hamilton, deutsche Klimaprobleme und Comeback-Queen Jutta Kleinschmidt.
Alejandro Agag, das vorletzte Extreme-E-Rennen der Saison findet an diesem Wochenende auf Sardinien statt. Die Rennserie will den Finger in die Wunden des Planeten legen. Welches Ziel verfolgen Sie damit?
Alejandro Agag (51): Wir wollen erklären, was auf dem Erdball passiert und was dem Planeten schadet. Eigentlich sollten wir jetzt im Regenwald Amazoniens sein. Das sind wir nicht wegen der Pandemie. Gleichzeitig spüren wir den Klimawandel mittlerweile vor der eigenen Haustür. Deshalb war es nicht schwer, einen Ausweich-Ort zu finden. Hier auf Sardinien war ich gestern dort, wo der Wald gebrannt hat. Dort wurde mir gesagt, dass sich der Boden zuvor bis auf 70 Grad aufgeheizt hat. Nur deshalb konnten die Feuer so wüten. Die Umweltprobleme kommen immer näher. Selbst in Großbritannien oder auch Deutschland haben wir Geschichten vom Klimawandel zu erzählen.  So wollen wir die Motorsportfans für die Umweltproblematik sensibilisieren. Denn alle müssen an einem Strang ziehen, damit wir den Planeten retten.
Extreme-E-Gründer Alejandro Agag
Das Finale findet im Dezember in Großbritannien statt: Wollen Sie jetzt tatsächlich mehr Rennen in Europa austragen?

Eigentlich nicht. Wir wollen weit weg, in die entlegenen Gegenden der Erde, die unsere Zuschauer nicht jeden Tag sehen. Aber wir planen mittlerweile auch ein Rennen in Europa. Weil die Aufmerksamkeit hier größer ist. Und wie gesagt: Wir haben die Probleme vor der eigenen Haustür. Ein Beispiel sind die jüngsten Überflutungen in Deutschland. Wir könnten uns auch dort in der Nähe eine Rennplatz suchen und der Welt zeigen, wie schlimm Wasser wüten kann.
Wie zufrieden sind Sie grundsätzlich mit Ihrer ersten Saison?
Unglaublich zufrieden. Jedes neue Rennen ist besser als das letzte. Es gibt noch einige Probleme zu lösen – auch technische Probleme an den Autos. Allerdings sah das letzte Feedback eines Experten so aus: Man kann hier und da natürlich Verbesserungen vornehmen. Aber der Grund, warum die Rennwagen kaputt gehen, ist die Art und Weise, wie sie gefahren werden. Jedes Auto hat Grenzen und diese Fahrer sind ständig überm Limit. Carlos Sainz (Ex-Rallye-Weltmeister und jetzt Extreme-E-Pilot; d. Red.) hat mir mal gesagt: Autos haben ein Gedächtnis. Sie erinnern sich daran, wenn du sie schlecht behandelt hast. Sie gehen nicht immer gleich kaputt, aber meistens ein paar Kilometer später.
Die Meisterschaft dürfte auch nach Ihrem Geschmack laufen.
Genau: Team Rosberg kämpft gegen das Team Hamilton und Andretti wird auch immer stärker. Nächstes Jahr wird auch McLaren aus der Formel 1 dabei sein. Wir haben große Namen aus dem internationalen Motorsport an der Spitze. Besonders freut mich aber auch, welche Fortschritte die Frauen machen. Als wir angefangen, gab es nur einige schnelle Ladies. Mittlerweile haben aber alle einen großen Schritt nach vorn gemacht.
Jutta Kleinschmidt.
Aus deutscher Sicht hat Jutta Kleinschmidt mit ihrem Comeback überrascht – und sie war von Anfang an richtig schnell!

Stimmt. Es ist fantastisch, Jutta so performen zu sehen. Sie ist als Dakar-Gewinnerin eine der Legenden dieses Sports. Dazu auch noch eine weibliche Legende. Ich habe mir von Anfang an gewünscht, dass es diese Kämpfe gibt: Große Namen des Motorsports gegen junge Talente wie die Hansens oder Kristofferson.
Wie gerne würden Sie auch Nico Rosberg oder Lewis Hamilton mal in ihren eigenen Autos fahren sehen?
Das würde mir natürlich gefallen (lacht). Aber die Extreme E fordert einen ganzer anderen Fahrstil, als sie ihn gewohnt sind. Das hat man bei Jenson Button gesehen, der es am Anfang ja selbst versucht hat. Die Loebs und Sainz dieser Welt, die Offroadspezialisten, kommen hier besser zurecht als Rundstreckenstars.
Für 2022 haben Sie bereits mögliche Austragungsorte benannt, sich aber nicht auf fünf festgelegt, sondern nur auf gewisse Regionen. Warum?
Wir haben großes Interesse und ich will mit den Austragungsorten verhandeln. Wir sind keine Charity, wir sind ein Business. In Südamerika treffe ich in den kommenden Wochen gleich zwei Präsidenten von Ländern, die dabei sein wollen.
Welchen Impact hat Ihre Rennserie auf die Elektromobilität auf der Straße?
Es werden weltweit mehr und mehr Elektroautos verkauft. Die Formel E hat E-Autos sexy gemacht und gezeigt: Auch E-Autos können schnell sein. Aber sie springen nicht über Steine. Die automobile Botschaft der Extreme E lautet: Auch jemand, der in den Bergen oder Wäldern wohnt, kann Elektro-SUVs nutzen. Die Bilder, die wir um die Welt senden, sind jedenfalls sehr stark und eindringlich.

Von

Bianca Garloff