Extremes Rennen, extreme Unfälle! Die Extreme E auf Sardinien war nichts für zarte Gemüter…
Ex-Formel-1-Pilot Stephane Sarrazin (45) bekam das beim „Island X Prix“ am eigenen Leib zu spüren. Im sogenannten „Crazy Race“ überschlug sich der Franzose gleich mehrfach. Sein Elektro-SUV war Schrott, Sarrazin konnte dem Wrack aber unverletzt entkommen. „Ein kleiner Fehler mit großer Wirkung“, kommentierte er trocken.
Was war passiert? Auf dem Weg zum Sieg im Hoffnungslauf wurde das Heck seines Veloce-Rennwagen bei Tempo 200 ausgehebelt. Das Auto stellte sich auf und rollte dann mehrfach heftig seitlich ab. Es war der zweite Mega-Crash nach Claudia Hürtgens (Abt-Cupra) Unfall bei der Serien-Premiere in Saudi-Arabien.
Das Wrack von Sarrazin.
Der Mega-Crash zeigt aber auch: Die bis zu 544 PS starken Elektro-Geländewagen sind EXTREM sicher!
Die Extreme E ist die neue Serie von Formel-E-Gründer Alejandro Agag. Die Offroad-Elektro-Serie fuhr an diesem Wochenende ihr viertes Rennen. Schauplatz der extremen E-Meisterschaft war ein Militärgelände auf der italienischen Mittelmeerinsel Sardinien. Und: Sarrazin war nicht das einzige Unfallopfer.
Cristina Gutierrez vom Team des Formel-1-Weltmeisters Lewis Hamilton (X44) raste auf einen Felsbrocken und stauchte dabei ihren Nacken. Rosberg-Pilotin Molly Taylor überschlug sich in einem Vorlauf ebenfalls, fuhr nach der Rolle aber einfach weiter und kam sogar ins Finale.
Die Elektro-SUVs stehen wegen ihrer Haltbarkeitsprobleme (gebrochene Radaufhängungen etc.) zwar in der Kritik. Doch Cupra-Pilot Mattias Ektröm weiß im Gespräch mit AUTO BILD MOTORSPORT: „Die meisten Rennautos gehen nicht von alleine kaputt, man braucht einen Rennfahrer, der sie schrottet.“
Ekström verlor bei der wilden Hatz seine Beifahrertür.
Damit haben sich die Piloten des deutschen Abt-Cupra-Teams auf Sardinien denn auch vornehm zurückgehalten. Jutta Kleinschmidt (59) und Mattias Ekström (43) holten mit Platz zwei das erste Podium für Abt-Cupra. „Das war unser großes Ziel und das haben wir erreicht“, strahlt die ehemalige Dakar-Siegerin und Wüstenkönigin Jutta Kleinschmidt nach der soliden Fahrt durch den Regen der Mittelmeerinsel. Allein: Ekström verlor bei der wilden Hatz seine Beifahrertür…
Gewonnen hat ebenfalls eine deutsche Mannschaft: Johann Kristoffersson und Molly Taylor haben für Rosberg X Racing aus Neustadt an der Weinstraße den dritten Saisonsieg gesichert. Teambesitzer und Ex-Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg war selbst vor Ort. Vorm Finale in Großbritannien im September steht seine Mannschaft kurz vorm Gewinn des ersten Extreme-E-Titels.
"Echt genial", sagt Nico Rosberg zu BILD. "Das war ein heftiges Wochenende, die Strecke technisch so schwierig. Wir haben im Qualifying einen Überschlag und einen Plattfuß gehabt und sind trotzdem Zweiter gewesen. Im Finale keinen idealen Start, aber sauber gefahren mit schönem Speed. Ich muss aber auch sagen, dass wir einen guten Job machen, um Probleme zu vermeiden. Das hat schon Formel-1-Level und da bin ich sehr stolz drauf."
Johann Kristoffersson und Molly Taylor haben fürs Team Rosberg den dritten Saisonsieg gesichert.
Die Extreme E rast in entlegenen Winkeln der Erde gegen den Klimawandel. Mit ihren Rennen will sie den Finger in die Wunden des Planeten legen und aufmerksam machen auf Umweltzerstörung. Thema auf Sardinien: die Bedrohung des CO2-speichernden Seegrases durch die Erwärmung der Meere sowie die Folgen der Waldbrände. 
Auch da war Rosbergs Team vorn: Der Ex-Formel-1-Weltmeister reiste in die vom Feuer zerstörten Dörfer, um mit seinem eigenen Team auch unabhängig von der Extreme E zu helfen. "Wir werden mit Spenden rund 200 Familien helfen", verrät er. "Die Dankbarkeit der Einheimischen zu sehen, ist superschön."
Extreme-E-Chef Alejandro Agag will den Wandel hin zur Elektromobilität mit seiner Serie beschleunigen. Agag zu ABMS: „Die Formel E hat E-Autos sexy gemacht und gezeigt: Auch E-Autos können schnell sein. Aber sie springen nicht über Steine. Die automobile Botschaft der Extreme E lautet: Auch jemand, der in den Bergen oder Wäldern wohnt, kann Elektro-SUVs nutzen. Die Bilder, die wir um die Welt senden, sind jedenfalls sehr stark und eindringlich.“

Von

Bianca Garloff