Fahrbericht: LMC Tourer Alkoven A 690
Ist der LMC Tourer Alkoven wirklich für sechs Personen geeignet?

Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Wir kennen das Problem nur zu gut von unseren campingbegeisterten Kollegen: Wer mehr als zwei Kinder hat und mit dem Reisemobil wegfahren möchte, muss kreativ werden. Die meisten Camper sind nämlich in Sachen Schlaf- und Gurtplätze maximal für vier Personen ausgelegt. Einige Hersteller haben das Problem erkannt und Alkoven entwickelt, die auch größere Familien beherbergen können.
So wie LMC mit dem Tourer Alkoven A 690. Der mit 6,99 Meter Länge noch recht kompakte Nasenbär will bis zu sechs Campern ein Domizil auf Rädern sein. Auf dem Papier scheint dieses Konzept aufzugehen: sechs Gurtplätze und sechs Plätze zum Übernachten stehen in den technischen Daten. Wie gut das in der Praxis funktioniert, haben wir getestet.

Der optionale Fahrradträger (Basis Paket, 3690 Euro) packt vier Bikes.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Das ist er: In der Realität tatsächlich ein kleiner Blender. Das Campen zu sechst scheitert bei genauerem Hinsehen an anderen Dingen, unter anderem am Gewicht. 483 Kilogramm Zuladung mögen für ein reisendes Paar reichen, sind für eine Großfamilie aber ganz schön knapp. Obwohl LMC den Tourer Alkoven als 3,5-Tonnen-Fahrzeug führt, wäre eine Auflastung sinnvoll.
Zu wenig Sitzplätze am Esstisch für sechs Personen
Eine echte Sechs-Personen-Belegung scheitert zudem an den Sitzplätzen am Esstisch. Aufgrund des klassischen Alkovengrundrisses mit einer Doppeldinette hinter dem Fahrerhaus lassen sich die Vordersitze nicht drehen. Sitzgruppe und Tisch bieten real einer vierköpfigen Familie Platz. Und als solchen sehen wir den LMC auch: Als flexiblen Camper für zwei Erwachsene und zwei Kinder oder Jugendliche. Dafür ist er optimal geeignet (obwohl sogar in diesem Fall eine Auflastung sinnvoll erscheint). Dank seiner üppigen Figur bietet der A690 viel Wohnraum und genügend Platz, damit sogar das Querbett im Heck auf eine 2,13 Meter lange Liegefläche kommt.

Problem: Sechs können mitfahren, aber nur vier amEsstisch sitzen.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Das Badezimmer punktet mit einer abgetrennten Dusche und Bewegungsfreiheit. Die Küche ist ähnlich knapp konzipiert wie die Sitzgruppe. An der Einstiegsseite fehlt es an einer klappbaren Arbeitsplattenerweiterung. Hinzu kommt das kleine Kochfeld mit nur zwei Kochstellen. Das wird schwierig, wenn man häufig hier diverse Töpfe für sechs Personen schwingen möchte. Immerhin fallen der im Schrank nebenan eingebaute Kühlschrank mit 132 Litern und das Stauraumangebot familienfreundlicher aus.
Ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis
Das hat er: Ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis, vor allem mit einem Blick auf die Preiserhöhungen der Branche in den letzten Jahren. Für 67.200 Euro bekommen Alkoven-Fans einen 90-Liter-Dieseltank, manuelle Klimaanlage, Rückfahrkamera, Ladebooster, Rauchmelder und praktische Dieselheizung. Sinnvolle Optionen hat LMC in Pakete gepackt. Unser Testwagen hatte das Tourer A Basis (4401 Euro) und Tourer A Exklusiv Paket (3436 Euro) verbaut.

Verwinkelt: Das Badezimmer reicht bis in die Liegefläche im Heck. Dadurch geht einiges an Platz verloren.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Damit ist der Familiencamper zusätzlich mit Fahrradhalter, Insektenschutztür, Markise, Isofix, zweiter Heckgaragenklappe, beheiztem Abwassertank, Rahmenfenster, Neun-Zoll-Multimediasystem (Zenec), Zentralverriegelung im Aufbau und Coupé-Einstieg unterwegs. Für die leichten und schicken 16-Zoll-Alufelgen kommen 960 Euro dazu. Für die große Motorvariante (Serie sind 120 PS) werden satte 2400 Euro fällig.
Wer sich außerdem die Funktion Traction+ für schlammige und rutschige Untergründe sowie einen Reifendrucksensor wünscht, muss weitere 350 Euro einplanen.
Technische Daten: LMC Tourer Alkoven A 690
TECHNISCHE DATEN | LMC TOURER ALKOVEN A 690 |
|---|---|
Motorisierung | Blue HDi 165 Start&Stop |
Leistung | 121 kW (165 PS) bei 3750/min |
Hubraum | 2179 cm3 |
Drehmoment | 370 Nm bei 1750/min |
Höchstgeschwindigkeit | 141 km/h |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang manuell/ Vorderrad |
Tankinhalt/Kraftstoffsorte | 90 l/Diesel + 19 l AdBlue |
Länge/Breite/Höhe | 6990/2320/3050 mm |
Radstand/Bereifung | 3800 mm/225/75 R 16 CP |
Masse fahrbereit/Zuladung ca. | 3017/483 kg |
Anhängelast (gebremst/ ungebremst) | 2000/750 kg |
Außenmaterial Wand/Dach/ Boden | GFK/GFK/GFK |
Stärke Wand/Dach/Boden | 30/30/40 mm |
Isoliermaterial Wand/Dach/ | XPS/XPS/XPS |
Boden | |
Liegefläche Mitte L x B | 1840 x 1430 mm |
Liegefläche Heck L x B | 2080 x 1200-1430 mm |
Liegefläche Alkoven L x B | 2130 x 1400 mm |
Kühlschrank | Kompressor, 132 l |
Herd | Gas, 2 Flammen |
Bordbatterie | 1x AGM, 12 V/95 Ah |
Frisch-/Abwassertank | 100/90 l |
Gasvorrat/Heizung | 1x 11 kg/ Truma Combi D 4 |
Grundpreis/Testwagenpreis | 67.400 Euro/ 79.097 Euro |
Leider gibt es kein spezielles Paket für ein stimmungsvolles Ambientelicht. Die biegsamen Spots am Esstisch sind zwar äußerst praktisch zum Lesen, sorgen aber nicht unbedingt für Gemütlichkeit.
So fährt er: Fahrdynamikwunder darf man von einem Alkoven bauartbedingt natürlich nicht erwarten. Der mächtige Vorbau und die großen Flächen an den Seiten machen das gesamte Mobil windanfälliger als andere Modelle. Zudem fuhren wir den LMC nur mit leichter Beladung.
Mit Familie und entsprechendem Gepäck an Bord liegt das Fahrzeug satter auf der Straße. Auch die Geräuschkulisse ist in einem Alkoven mit viel Raum nie wirklich optimal. Zu den typischen Windgeräuschen kamen im Falle des LMC leider noch ein lautes Knarzen aus dem Küchenblock sowie ein Klappern von den verbauten Frontplissees hinzu.

Unser Testwagen rollte auf dem Citroën Jumper mit 165 PS vor.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Was das Basisfahrzeug angeht, da hat sich LMC letztlich für den Fiat Ducato entschieden. So wie unser Testwagen wurde der Alkoven zunächst sechsmal auf Citroën-Chassis gebaut – die sogenannte 0-Serie und zwei Prototypen. Im Serieneinsatz ist wie gesagt der Fiat Ducato. Ab Werk ist allerdings nur der 120-PS-Diesel eingebaut, sicher nicht die erste Wahl für ein Fahrzeug dieser Ausmaße.
Mit 140 PS fährt es sich schon viel flüssiger. Unser Prototyp kam gleich mit dem kräftigen 165-PS-Aggregat und einem gewohnt präzise schaltenden manuellen Getriebe. Da hat man dann auch bei Überholvorgängen am Berg genügend Kraftreserven. Aber das kostet eben auch.
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