McLaren hat nach Portugal geladen, zum ersten Härtetest mit dem neuen Supersportler MP4-12C. Eigentlich sind die Engländer als Control Freaks verschrien – beim MP4 lassen sie uns aber völlig freie Hand. Schlaglochpiste? Kein Problem. Mit Vollgas über die Auto Estrada? Bitte, gerne. Auf die Rennstrecke, bis die Scheiben glühen? Nichts leichter als das. Wir beginnen mit Stadt-Land-Fluss. Zwei Handgriffe genügen, um die Fahrdynamik vorzukonditionieren: Chassis auf Normal, Motor/Getriebe auf Sport.
Schon die erste Ortsdurchfahrt öffnet die Augen. Die fetten Pirellis rollen sanft ab wie Moosgummireifen, streuen vor dem Drüberfahren Daunen in die Schlaglöcher, drücken Querrinnen weg nach Kuschelteddy-Manier. Leicht übertrieben, gewiss. Doch wie das adapative Fahrwerk ohne Stabilisatoren mit hydraulisch vernetzten Dämpfern Unebenheiten wegbügelt, das ist schon genial. Während bei Geradeausfahrt jedes Rad entkoppelt wird und auf eigene Rechnung federt, greift bei Kurvenfahrt die konzertierte Aktion als Allheilmittel gegen Neigen, Gieren, Stampfen, Verwinden und Eintauchen. Kein Supersportwagen kann das besser als dieser McLaren.
Ein Racer für alle Tage
Die Gänge bis 8500 Touren ausdrehen? Kein Problem, weder für Motor noch Drehzahlmesser.
Ab auf die Autobahn. Wir fahren Richtung Meer und drehen zum ersten Mal die Gänge bis 8500 Touren aus. Mit 600 PS und 600 Nm aus 3,8 Liter Hubraum schiebt der Biturbo-V8 mächtig an. Aus dem Stand erreicht der 1434 Kilo leichte Zweisitzer nach 9,1 Sekunden die 200-km/h-Marke. Wir schaffen, bitte nicht verraten, 305 km/h, ehe vor einer Kuppe die Straße auszugehen droht. Auf der Rennstrecke geht es dann richtig zur Sache. Mit Chris Good­win als Instruktor lernen wir die schnellste Sequenz aus Beschleunigen, Schalten, Lenken und Verzögern.
Das Doppelkupplungs-Getriebe sucht sich mit gezogenem Rückschaltpaddel beim Anbremsen einer Kurve selbsttätig den niedrigstmöglichen Gang zum nahtlosen Herausbeschleunigen. Einziger Nachteil: Weg und Kraftaufwand sind noch nicht optimal aufeinander abgestimmt. Brake Steer nennt McLaren das offene Differenzial, das durch gezielten Bremseingriff Grip, Traktion und Eigenlenkverhalten optimiert. Doch für den publikumswirksamsten Aha-Effekt sorgt die mächtige Luftbremse, die sich ab 95 km/ im 57-Grad-Winkel dem Fahrtwind entgegenstemmt. Mehr zum Fahrbericht mit dem McLaren MP4-12C in AUTO BILD 7/2011 – ab 18. Februar 2011 im Handel!


Fazit

von

Georg Kacher
Ferrari sind laut, grell, giftig. Lamborghini sind böse, brachial, kompromisslos. Porsche sind minimalistisch, kurvengierig, rennstreckensüchtig. Der McLAren MP4-12C ist ein Racer für alle Tage, ein GT mit Supersportwagen-Genen, ein Speed King ohne Allüren. Ron Dennis darf zufrieden sein mit sich und der Welt.

Von

Georg Kacher