Fahrbericht Rolls-Royce Ghost
Rolls-Royce' kleiner Auto-Adel

Eine neue Ära: Im Vergleich zu den abgehobenen Rolls-Royce-Modellen, wie wir sie kennen, ist der Ghost fast schon ein normales Auto. Nur eben besser, schneller, edler. Und viel teurer natürlich.
- Wolfgang König
"Weniger ist mehr", sagt Ian Cameron. Das ist nicht gerade originell. Aber wenn der Satz aus dem Mund eines Rolls-Royce-Designers kommt, dann stutzt der Zuhörer. Weniger ist mehr? Bei einem 253.470-Euro-Gefährt? "Sure", bekräftigt der Engländer, "als die ersten Entwürfe fertig waren, haben wir uns erst mal überlegt, was alles weg kann." Die Eleganz eines Rolls-Royce, so Cameron, ist schlicht. Gelungen, würde ich sagen. Der etwas kleinere Royce (Markenkenner benutzen niemals die Kurzform "Rolls") besticht durch seine Proportionen – keine Schnörkel, keine Sicken, kein Schnickschnack, aber von erhabener Gestalt. Gleichwohl untertreibt er: Kaum zu glauben, dass der Ghost knapp 20 Zentimeter länger und sieben höher ist als ein 760 Li.
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Rund 20 Prozent seiner Technik stammen von diesem BMW-Flaggschiff, doch der Ghost trägt dicker auf – mehr Radstand (3,3 Meter), mehr Hubraum (6,6 Liter) und PS (570). Sicher, sein Stallgefährte, der 5,84 Meter lange Phantom, stellt ihn in den Schatten. Doch klein ist der kleine Bruder keineswegs. "Weniger formell", beschreibt ihn Designer Cameron. Aber ist der Ghost noch ein echter Rolls-Royce? Zur Klärung begeben wir uns zunächst in den Fond. Die Türen öffnen wie beim Phantom nach hinten – das macht den Vorgang nicht leichter, aber feierlicher als bei einem herkömmlichen Viertürer. Die Portale sind freilich weniger üppig bemessen, und die schwellenden Polster, auf die wir fallen, liegen eine Etage tiefer als im Phantom. "Luxuriös, aber diskret, unaufdringlich", kommentiert Cameron den Einrichtungsstil. Und gemütlich – die Lehne der rückwärtigen Chaiselongues reicht bis in die Seitenwand und lädt zum Räkeln ein. Reichlich Platz, flauschige Lammfellteppiche. Dazu das einschlägige Ambiente: Chrom, feinstes Leder und poliertes Holz, so edel, dass es auf einer Antiquitätenauktion eine Massenohnmacht auslösen würde. Dieser Verwöhnkomfort hat Rolls-Royce-Niveau, keine Frage.
Ein edler Engländer im Härtetest: das Rolls-Royce Phantom Coupé

Bild: Werk
Doch wenn sich der Gasfuß dem Hochflorteppich nähert, spielt der Fahreindruck plötzlich ins Surreale. Denn nun scheint sich der 2,4-Tonnen-Koloss den Gesetzen der Massenträgheit zu entziehen – gespenstische Kräfte pressen mich in den Sessel, vehement saugt sich der Ghost in Richtung Horizont, leise, nur begleitet vom entfernten Rauschen der riesigen Räder. Nicht zu glauben, dass nur wenige Zentimeter entfernt zwölf Zylinder schuften und acht Gänge gewechselt werden. Dazu passt die Luftfederung, die Unvollkommenheiten der Straße mit der Diskretion eines klassisch ausgebildeten Butlers auffängt. Derweil geistert dieses Schlachtschiff so behende wie ein Jetski über die ebenso kurvenreichen Landstraßen Südenglands – kein Stampfen, kein Wanken, einfach nur zielen, und der Dampfer folgt unverzüglich meinen Anweisungen. Ganz ohne Hektik übrigens, Dynamik auf Rolls-Royce-Art eben. Unwirklich, diese Vorstellung – aber was sonst dürfen wir von einem echten Ghost erwarten?
Technische Daten Rolls-Royce Ghost • V12, Biturbo • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 6592 cm³ • Leistung 420 kW (570 PS) bei 5250/min • max. Drehmoment 780 Nm bei 1500/min • Hinterradantrieb • Achtstufenautomatik • Kofferraum 490 l • Tank 83 l • EU-Mix 13,6 l SP/100 km • 317 g CO2/km • 0–100 km/h 4,9 s • Spitze 250 km/h • Preis: 253.470 Euro.
Technische Daten Rolls-Royce Ghost • V12, Biturbo • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 6592 cm³ • Leistung 420 kW (570 PS) bei 5250/min • max. Drehmoment 780 Nm bei 1500/min • Hinterradantrieb • Achtstufenautomatik • Kofferraum 490 l • Tank 83 l • EU-Mix 13,6 l SP/100 km • 317 g CO2/km • 0–100 km/h 4,9 s • Spitze 250 km/h • Preis: 253.470 Euro.
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