Eine (Sicherheits-)Lücke wird geschlossen: Wer wissen will, welches Auto mit welchem Assistenzsystem ausgerüstet ist, findet diese Daten gut vergleichbar ab sofort im Internet unter www.bester-beifahrer.de. Wer die Anschaffung eines Neuwagens plant, kann sich hier auf einen Blick informieren, ob in seinem bevorzugten Typ bereits die besten Beifahrer installiert sind oder ob er lieber auf ein anderes Modell zurückgreifen sollte.
Der Titel der Website zielt auf die elektronischen Helfer, die im Gegensatz zu lebenden Beifahrern niemals schlafen, keinen Unsinn reden und im Notfall auch ohne Furcht und falschen Respekt beherzt in die Lenkung greifen oder auf die Bremse latschen. Unter der Abkürzung "FAS" sind Fahrerassistenzsysteme zusammengefasst, die lebensbedrohliches Auffahren verhindern, das Fahrlicht unaufgefordert der jeweiligen Straßensituation anpassen oder beim Einparken ein drittes Auge auf die Lücke werfen.
So signalisiert der Abstandswarner einen drohenden Auffahrunfall.
So signalisieren Abstandswarner einen drohenden Auffahrunfall – und greifen notfalls selbst ein.
Initiator des nützlichen Katalogs ist der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR), bekannt vor allem durch die mal komischen, mal bitterernsten Plakate, die an Fernstraßen für mehr Achtsamkeit beim Fahren werben. Nun also scheint es der DVR aufgegeben zu haben, an die menschliche Vernunft zu appellieren er propagiert stattdessen den Einbau der elektronischen Beifahrer. Die sind immer aufmerksam, auch wenn die restliche Besatzung schläft. Ihr Nutzen braucht nicht mehr bewiesen zu werden: So hat die Bundesanstalt für das Straßenwesen (BASt) herausgefunden, dass sich mit Fahrerassistenzsystemen 70 Prozent der schweren Verkehrsunfälle vermeiden ließen. Doch viele der aufwendigen Assistenten wie etwa Abstandswarner werden überhaupt nur in Fahrzeugen der Oberklasse angeboten, andere wie der Einschlafwarner bringt Innovationsführer Mercedes-Benz erst 2009 auf den Markt.
Der Aufklärungsbedarf ist hoch: In mehreren Untersuchungen wurde festgestellt, dass die Kenntnisse der Autofahrer über die hilfreiche Technik nur sehr marginal sind. Im Autohaus würden sie zudem nur unzureichend beraten. Bei Tests stellten der ADAC und seine europäischen Partner kürzlich fest, dass auch Autoverkäufer nur geringes oder sogar falsches Wissen über FAS besitzen. Auch der Gesetzgeber hält sich mit Verpflichtungen der Autoindustrie bisher noch zurück: So will die EU-Kommission im Oktober entscheiden, ob das elektronische Stabilitätsprogramm, das bei Schleudergefahr nach plötzlichen Ausweichmanövern automatisch in den Antrieb eingreift, ab 2012 zur Pflicht wird. Reichlich spät: ESP ist seit 1995 auf dem Markt! In den USA dagegen hat man bereits im vergangenen Jahr gehandelt und ESP ab Herbst 2011 verpflichtend für jeden Neuwagen vorgeschrieben.
Kleine Blessuren vermeiden unsichere Fahrer beim Einparken mit dem Einparkassistent.
Kleine Blessuren vermeiden unsichere Fahrer beim Einparken mit dem Einparkassistent.
Offenbar scheint das Thema Sicherheit groß in Mode zu sein: Erst kürzlich schaltete der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) über seine Organisation der Unfallforscher die Website www.schutzengel-esp.de frei, die vor allem junge Fahrer über die Nützlichkeit des Anti-Schleuder-Systems in Kenntnis setzen soll. Dazu gehört auch ein Online-Spiel. Kleiner Widerspruch: Gerade viele Kleinwagen, die für junge Fahrer am ehesten erschwinglich sind, haben noch kein ESP an Bord. Darum setzt sich der GDV auch dafür ein, dass die Ausstattungsrate von derzeit 77 Prozent möglichst rasch auf 100 steigt.