Im Radio frohlockt Belinda Carlisle "Heaven Is a Place on Earth". Fast 30 Jahre nach dem Debüt ihres Hits müssen wir der Dame zustimmen. Unser Planet mutet wahrhaftig paradiesisch an – vor allem am Steuer der neuesten Kreationen aus den fahrdynamischen Königshäusern Ferrari und McLaren. Dabei könnte die Art, wie sie die Glückhormone in Wallung versetzen, kaum unterschiedlicher sein – das verheißen bereits ihre Namen.
McLaren 650 S   Spider
Das Dach des McLaren verschwindet in 17 Sekunden und kann bei Geschwindigkeiten bis zu 30 km/h bedient werden.
Bild: Werk
McLaren 650 S Spider Während Ferrari die Leichtbauvariante seines 458 mit dem verheißungsvollen Zusatz "Speciale" belegt, nennen die Engländer ihren überarbeiteten McLaren 12C pragmatisch 650 S. Was aus dessen Endrohren beim Anlassen schwappt, klingt dagegen ganz und gar nicht unterkühlt. Fett blubbernd und tief gurgelnd springt der geschärfte 3,8 Liter Biturbo V8 in Aktion. Dabei mimt er bereitwillig den Alltagskumpel, ohne aber sein Lieblingsterrain zu vernachlässigen: Spitzkehre, Gerade. Spitzkehre, Gerade. Das hat der Engländer gern. Und sein Fahrer ebenso!
Ferrari 458 Speciale
Mclaren: Leitbleche an den Stoßfängerecken und aerodymanische Finnen vor den Hinterrädern arbeiten im Sinne des Abtriebs.
Bild: Ronald Sassen
Ferrari 458 Speciale Gegen die dicken Backen des Biturbos stemmen sich 4,5 Liter Hubraum, prall gefüllt mit italienischer Leidenschaft. War bereits der normale 458 Italia mit 127 PS Literleistung kein Kind von Traurigkeit, treibt es die im Verhältnis von 14:1 verdichtende Leichtbauvariante auf die Spitze. Strömungsoptimierte Brennkammern, neue Kolben samt modifizierter Geometrie, dazu geänderte Pleuellagerbuchsen sowie eine Neugestaltung von Kurbelwelle und Ansaugsystem – nebenbei das Triebwerk um acht Kilo erleichternd – kitzeln die Gesamtleistung des Mittelmotors auf 605 PS hoch.

Fazit

von

Frank Wiesmann
Beide Supersportler sind perfekt positioniert und einzigartig – bieten sie doch jeweils das, was der andere nicht hat. Der 650 S ist eine überaus konsequente Weiterentwicklung des McLaren 12 C. Die Fahrleistungen sind noch imponierender, das Handling ist noch schärfer, der Fahrkomfort bleibt für Sportwagenverhältnisse mustergültig – und als besonders reizvolle Spider-Variante gibt es ihn zudem. Der radikalisierte Ferrari 458 Speciale ist hingegen nur als Coupé zu haben, zielt er doch eindeutig auf die Rennstrecke ab – wenngleich seine Manieren im Alltag verblüffen. Wenn sein Saugmotor bei 9000 Umdrehungen schreit, während Fahrwerk, Reifen und Aerodynamik den Weg zu Bestzeit ebnen, sprudeln die Glückshormone. Wer die Qual der Wahl zwischen beiden hat, ist also nicht zu beneiden – wer sie nicht hat, noch viel weniger.