Die Corvette hämmert seit 1955 mit dem Heart of Rock and Roll namens Small-Block-V8. In der 427 Convertible misst sein Hubraum satte sieben Liter, weil die Chevy-Jungs zur Ruhestandsparty der sechsten Generation schlussendlich doch aufgelegt haben, was sie vor wenigen Jahren noch aus Steifigkeitsgründen kategorisch ausschlossen – eine Art Z06 Cabrio. Ferraris F1-Erzrivale McLaren stürmt derweil mit dem MP4-12C Spider auf die Bühne. Bereits auf dem Papier profitieren die Briten von der Gunst der späten Geburt, konnten den ärgsten Konkurrenten genauestens durchleuchten. Entsprechend gerüstet treten sie an, markieren mit 625 PS die Leistungsspitze im Trio.
Chevrolet Corvette 427 Convertible
Obwohl Abmessungen und Gewicht der Konkurrenz ähneln, wirkt die Vette am massigsten.
Bild: Ronald Sassen
Chevrolet Die Corvette gibt sich beim Komfort wenig schmeichelhaft. Bereits im weicheren Tour-Modus federt das Fahrwerk hart. Dreht man den Regler auf Sport, reagiert es auf Unebenheiten noch steifer und unnachgiebiger. In Spurrillen torkelt der Chevy bereitwillig, krebst darin unbeholfen herum. Dazu rubbeln die Reifen bei vollem Lenkeinschlag über den Asphalt. Und obwohl die Corvette-Ingenieure zugunsten der Festigkeit auf den Alurahmen des Z06 Coupés verzichteten und stattdessen Stahl verwenden, zittert und windet sich die 427 Convertible spürbar. Kein Vergleich zu den unerschütterlich wirkenden Europäern. Dass der Chevy dennoch das Cruisen bestens beherrscht, verdankt er seinem Mordsmotor.
McLaren MP4-12C Spider
Der MP4-12C Spider wiegt aufgrund des Carbon-Monocoque nur 59 Kilogramm mehr als das Coupé.
Bild: Sassen
McLaren Schon im Leerlauf imponiert der McLaren, bollert mit optionalem Sportauspuff sogar die amerikanische Ikone in Grund und Boden. Sucht der Engländer höhere Drehzahlen auf, mutiert der Klang zum heiseren Hochtouren-Konzert. Im Gegensatz zu früheren Exemplaren ist dieser dank neuem Soundgenerator auch im Cockpit gut hörbar – erst recht, wenn wie am Testwagen der leichtere und lautere Sportauspuff montiert ist. Unter 3000/min legt das Biturbo-Aggregat allerdings relativ zahm los. Zusammen mit den etwas verzögerten Antworten auf Kickdown-Kommandos kommt zunächst ein gewisses Trägheitsgefühl auf. Alles vergessen, wenn man per Schaltwippe vier Gänge zurück feuert und den 3,8-Liter-V8 befreit drehen lässt.
Ferrari 458 Spider
Der 458 Spider belastet die Waage mit 1.552 Kilo – das Coupé wiegt gemessene 1505.
Bild: Ronald Sassen
Ferrari Die serienmäßigen Keramikbremsen des Ferrari dürsten nach Hitze, ebenso die Reifen – er mimt zunächst die Diva, zuckt oft mit dem Heck. Mit steigender Temperatur aber kommt der Italiener in Fahrt. Seine optionalen Leichtbauschalen stützen den Fahrer gut ab – ein krasser Gegensatz zu den wabbeligen Sitzen der Corvette. Der 458 lenkt ebenso spitz wie spontan ein, untersteuert aufgrund der relativ schmalen Reifen am Kurveneingang mild, hechtet dann aber traktionsstark aus den Ecken. Bei abgeschalteter Traktionskontrolle im Modus CT-Off ist dennoch Wachsamkeit geboten, denn der schicke Hintern driftet im Ernstfall äußerst zügig weg. Das ruft das restaktive ESP auf den Plan, welches die Leistung dann zu lange kastriert. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten erhalten Sie als pdf-Download im Heftarchiv.

Fazit

von Frank Wiesmann
Leichtfüßiges Handling, phänomenaler Klang sowie die athletische Kombination von Motor und Getriebe finden im hochemotionalen 458 Spider zueinander, der sich nicht mal im Komfort- oder Kostenkapitel eine Blöße gibt. Spielt Geld keine Rolle, die Performance aber umso mehr, ist der pfeilschnelle, ebenfalls alltagstaugliche, aber auch steriler wirkende McLaren erste Wahl. Die preiswerte Corvette verlangt deutlich mehr Kompromisse, ist aber aufgrund ihres hemdsärmelig-ehrlichen Charakters ungemein liebenswert – und konkurrenzfähig.