Ferrari Mondial: Gebrauchtwagen-Test
Wie gut ist ein gebrauchter Ferrari?

Der Mondial ist der preisgünstigste Ferrari, mit zwei Kofferräumen und Rücksitzen zudem einer der praktischsten. Sollte man sich jetzt noch einen wegstellen – oder ist das der erste Schritt in die Privatinsolvenz?
Wir haben den günstigsten Ferrari, den Mondial, einem Gebrauchtwagen-Check unterzogen. Laut Classic Data kosten frühe Exemplare des von 1980 bis 1993 gebauten 2+2-Sitzers im Zustand drei weniger als 25.000 Euro – nur: Diese Autos gibt es nicht. Nicht dass keine Mondial im Zustand drei (oder schlechter) auf dem Markt wäre, nein, daran mangelt es nicht. Leider aber entsprechen die dafür aufgerufenen Preise eher der Zustandsnote zwei, also rund 35.000 Euro. Hier startet faktisch das Angebot in den einschlägigen Internetbörsen, ab etwa 40.000 Euro bekommt man gepflegte Modelle jüngeren Baujahrs. Wie etwa den von uns bei Scuderia Auto-Neuser in Nürnberg unter die Lupe genommenen Mondial T von 1990. Ihm widerfuhr die Gnade der späten Geburt: längs montierter 3,4-Liter mit immerhin 300 PS statt der schwächeren, quer hinter der Rückbank sitzenden 2,9-Liter- (214 /240 PS) oder 3,2-Liter-Triebwerke (270 PS) der früheren Jahrgänge, dazu gibt's die frischere Optik der Modelle ab 1989. Ein großer Kundendienst inklusive Zahnriemen- und Spannrollenwechsel wurde erledigt, der Kilometerzähler zeigt zarte 47.000 Kilometer – optisch wie technisch taxieren wir das seltene Schiebedachmodell auf den Zustand zwei plus. Neuser ruft dafür 55.000 Euro auf, in seiner sehenswerten Halle tummeln sich aber noch sechs weitere Mondial zu Preisen ab 46.000 Euro, darunter auch ein Cabrio.
Wert-Verdoppelung in den nächsten fünf Jahren?

Klappe, die zweite: Hinter dem Motor gibt es einen weiteren passablen Gepäckraum.
Bild: Tobias Kempe / AUTO BILD
Überblick: Alles zum Ferrari Mondial
Auf V8-Sound muss der Mondial-Fahrer verzichten
Die Probefahrt verläuft erfreulich; abgesehen von der sehr schwergängigen Schaltung fühlt sich der Mondial T überhaupt nicht nach einem Youngtimer an der Schwelle zum H-Kennzeichen an. Die hydraulische Servolenkung arbeitet – im Gegensatz zu den E-Lenkungen vieler aktueller Autos – wunderbar linear und gefühlsecht, der Motor läuft seidenweich und zieht ordentlich durch. V8-Sound? Da muss der 3,4er passen. Im Vergleich zu heutigen Ferrari pufft er zahm und leise aus, klingt dabei aber unspezifisch – man könnte ihn auch für einen Sechszylinder halten.
Standschäden sind oft ein größeres Problem als Verschleiß

Edle Technik anno 1990: hochwertige Gewindefederbeine ab Werk, innenbelüftete Scheibenbremsen rundum.
Bild: Tobias Kempe / AUTO BILD
Fazit
Der Mondial sieht nicht so rassig aus wie seine Brüder 328 oder 348, und seine 214 bis 300 PS reißen auch nicht den Asphalt auf. Aber bei Handling und Fahrspaß fährt er immer noch weit vorn, zudem ist er recht komfortabel. Die Wartungs- und Ersatzteilkosten sind Ferrari-typisch exorbitant, ganz wichtig ist daher liebevoller Vorbesitz. Jetzt gewinnbringend einsteigen? Nur bei Autos ohne Wartungsstau kann diese Rechnung aufgehen. Im Zweifel lieber 911 kaufen.
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