Ferrari Roma Spider: Fahrbericht
Traumsportler mit Stoffverdeck: Ferrari Roma Spider
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Erstmals seit 54 Jahren präsentiert Ferrari einen Frontmotorsportler mit Stoffverdeck. Wir fahren den Roma Spider.
Bild: AUTO BILD
Klar geht vom rot hervorgehobenen Triebwerk eine ganz eigene Faszination aus, klar frohlockt jeder Autofan ob dessen melodischem Singsang, aber der neue Roma Spider will so viel mehr sein als nur ein Triebwerk mit Rädern dran: Er ist eine Lebensphilosophie – ein Statement für die wenigen, die es sich leisten können.
Zu penetrant spricht man auf der Präsentation des neuen Modells die Verbundenheit mit dem Lebensgefühl der 1960er-Jahre an. Zu gewollt wirkt die Brücke zwischen Roma Spider und 365 GTS/4, dem letzten Frontmotor-Ferrari mit Stoffhäubchen.

Neben vier Standardfarben gibt es das Verdeck auch in Dunkelgrau mit eingewobenen roten Fäden.
Bild: Hersteller
Aber sitzt man erst einmal in ihm, packt er einen doch kompromisslos, auch wenn Ferrari einen klaren Kontrast zu seinen Performance-Modellen setzen will. Nicht dass der Roma nicht auch schnell könnte, immerhin mobilisiert der 3,9-Liter-V8 stramme 620 PS, aber er will vielmehr der souveräne Gleiter sein. Dach runter, die Spätsommer-Sonne reinlassen, eine einsame Küstenstraße entlanggondeln. Und dabei dennoch dieses motorsportige Timbre im Ohr, das zu einem Sportler aus Maranello einfach dazugehört.
Das neue Stoffdach ist hervorragend akustikgedämmt
Dach runter klappt in 13,5 Sekunden und gern auch repräsentativ bis 60 km/h auf der Flaniermeile. Dann sollte man aber mit leichtem Gepäck reisen, denn während der Spider geschlossen wochenendtaugliche 255 Liter schluckt, reduziert sich das Ganze offen auf deren 170. Die Schutzabdeckung für das Gepäck ist aber so ausgeformt, dass exakt zwei Kabinentrolleys hineinpassen. Da haben die Entwickler mitgedacht. Genau wie bei der extrem niedrigen Ladekante – kaum zu glauben, über welche Feinheiten wir bei einem Ferrari philosophieren …

Der Wind weht durch das Haar, die Straße windet sich einsam vor dem Roma Spider – besser wird's nicht.
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Ein Detail wollen wir darüber hinaus nicht verschweigen: Ein innovatives Aero-Windschott, das eingeklappt als Fond-Rücklehne fungiert, reduziert Turbulenzen in der Kabine. Es kann bis Tempo 180 vom Fahrersitz aus aktiviert werden und reduziert merklich die Turbulenzen im zentralen Bereich der Kabine.
Ein neuartiges Aero-Windschott reduziert Turbulenzen in der Kabine
Turbulenzen der anderen Art verursacht der Antriebsstrang aus dem bereits erwähnten Achtzylinder samt Achtgang-Doppelkuppler. Genau wie der Innenraum, den die längliche Mittelkonsole in einen Fahrer- und einen Beifahrerbereich aufteilt, stammt er vom Coupé ab. Der Biturbo gefällt mit seiner fast saugerähnlichen Charakteristik und der zunächst verhältnismäßig dezenten Leistungsentfaltung.

Hinter der Vorderachse eingebauter Biturbo-V8 mit 620 PS.
Bild: Hersteller
Untypisch für einen doppelt aufgeladenen Motor brilliert er mit seiner fast schon fanatischen Drehfreude, prustet die vollen 620 PS bis 7500 Touren in Richtung Hinterachse. An die Mitteilungsfreude der Lenkung kommt industrieweit eigentlich nur das elektrohydraulische McLaren-Zielwerk heran, konzeptionell gefällt der Roma mit seiner Philosophie, die Hände des Fahrers möglichst am Volant belassen zu wollen.
Ferrari konzipiert die Bedienung konsequent um den Fahrer herum
Die schrullige Bedienung mit den beiden Blinkertasten hat man nach ein paar Tagen Übung drauf, sie stört also nur Ferrari-Neulinge – und für den größten Teil der Kundschaft dürfte dies nicht der erste Sportler mit Cavallino rampante auf der Flanke sein. Das muss übrigens explizit geordert werden. In der Basis verzichten die Designer bewusst auf das so typische Emblem.

Automatik-Wählhebel optisch nah an der offenen Handschaltkulisse angelehnt.
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Apropos Design: Das ist natürlich immer subjektiv, aber der Roma Spider ist eines der wenigen Autos, die geschlossen stimmiger wirken als offen. Liegt daran, dass Ferrari besonderen Wert darauf gelegt hat, die Dachlinie des Coupés möglichst exakt zu erhalten. Dafür trägt der Spider offen einen kleinen Buckel mit sich herum. Das dürfte die Kunden jedoch kaum stören.

Die Ferrari-typisch verschrobene Bedienung hat man schnell raus – danach gilt es nur noch zu genießen.
Bild: Hersteller
Preislich ruft Ferrari für den deutschen Markt mindestens 242.000 Euro auf, die Bestell-Listen sind bereits jetzt gut belegt.
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