Fiat 500: Gebrauchtwagen-Test
Der Fiat 500 beschert Dolce Vita mit Risiken

Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Das Retro-Geschäft kam bei Fiat ab 2007 in Schwung. Die Neuauflage des Fiat 500 verzauberte Europa wie ein perfekter Cappuccino im Sommerurlaub. Bis vor wenigen Monaten lief er im polnischen Werk Tychy vom Band. Inspiriert vom Kult-Kleinwagen der 50er, brachte der von Roberto Giolito gezeichnete Knirps die Rundungen zurück – wofür ihn nicht nur Italiener bis heute lieben. Der dreitürige Kleinwagen passt in (fast) jede Parklücke und zieht je nach Konfiguration anerkennende Blicke auf sich.
Die Optik ist besser als die messbare Qualität
Das ist er: Der 3,57 Meter kurze 500er ist eine Kreuzung aus Kleinwagen und Fashion-Statement. Er folgt der Logik vieler Handtaschen, wurde beinahe im Jahrestakt durch Sondermodelle sowie neue Farbtöne und Ausstattungsnuancen über seine enorm lange Bauzeit attraktiv gehalten. 2015 gab es ein Facelift mit neuen Leuchtgrafiken und Uconnect-Infotainmentsystemen. Generell gefallen Chromakzente und zahlreiche Designdetails.

Retro-Cockpitlandschaft mit Rundtacho und logischer Bedienung. Die Farbakzente variieren stark.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Das Interieur ist charmant bis verspielt, die Optik jedoch besser als die messbare Qualität. Das Bedienkonzept folgt mit klassischen Schaltern noch einem traditionellen Nutzungsverständnis. Das Raumangebot ist abmessungsbedingt überschaubar. Vorn reicht der Raum bis etwa 1,90 Meter Körpergröße, im Fond sind nur kleine Kinder oder Einkaufstüten länger gut aufgehoben.
Motoren-Tipp ist der 1,2-Liter-Benziner
Das hat er: Die Vielfalt am Markt ist riesig. Neben der normalen Blechdachvariante gibt es Modelle mit Schiebedach und den 500C mit großem Stoff-Faltdach. Ob 500 "Diesel", "Dolce Vita", "Gucci" für Modebewusste oder der "Riva" mit edlem Poltrona-Frau-Leder und prestigeträchtigem Jachtambiente – Fiat bediente nahezu alle italophilen Geschmäcker.
Technische Daten
1.2 | 0.9 TwinAir Turbo | 1.0 GSE Hybrid | |
|---|---|---|---|
Motor | Vierzylinder/vorn quer | Zweizylinder/vorn quer | Dreizylinder/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 2 pro Zylinder/1 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1242 cm³ | 875 cm³ | 999 cm³ |
Leistung | 51 kW (69 PS) bei 5500/min | 77 kW (105 PS) bei 3750/min | 51 kW (70 PS) bei 6000/min |
Drehmoment | 102 Nm bei 3000/min | 145 Nm bei 2000/min | 92 Nm bei 3500/min |
Höchstgeschwindigkeit | 160 km/h | 188 km/h | 163 km/h |
0–100 km/h | 12,9 s | 10,0 s | 14,7 s |
Tank/Kraftstoff | 35 l/Super | 35 l/Super | 35 l/Super |
Getriebe/Antrieb | Fünfgang man./Vorderrad | Sechsgang man./Vorderrad | Sechsgang man./Vorderrad |
Länge/Breite/Höhe | 3571/1627/1488 mm | 3571/1627/1488 mm | 3571/1627/1488 mm |
Kofferraumvolumen | 185-610 l | 185-610 l | 185-550 l |
Leergewicht/Zuladung | 960/385 kg | 1015/365 kg | 1077/261 kg |
Motorisch ist der robuste 1,2-Liter-Benziner mit 69 PS der empfehlenswerte, langlebige Klassiker. Der 0,9-Liter-TwinAir-Zweizylinder mit 86 oder 105 PS zeigt sich drehwillig, aber unter Last durstig. 2020 folgte das 70 PS starke Mildhybrid-Modell "Hybrid" mit Riemenstartergenerator. Exotisch und nicht in jeder Werkstatt willkommen sind die Autogas-, die Erdgas- und die für die USA bestimmte Elektrovariante. Kräftige Dieselmotoren gab es auch – sie sind jedoch selten und nur für Fernpendler interessant.

Als niedliches Stadtauto hat der 500 in Deutschland viele Fans. Frühe Exemplare werden bald 18!
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Ein Marathonläufer ist der Fiat 500 nicht
So fährt er: Mit der City-Taste gibt sich der kurze 500 extrem leicht beim Lenken und wendig. Jedoch schlägt das straffe Fahrwerk an wie ein doppelter Espresso. Die Lenkung ist direkt, die Motoren durch die Bank recht quirlig. Laut wird es auf Autobahnetappen. Dort kann ein 500er als sensationell sparsamer Multijet-Diesel glänzen. Einen 500 sollte man jedoch besser als Stadtflitzer und nicht als Marathonläufer einplanen!

Enge Kurven umrundet der 500 erstaunlich flink.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Stärken
- Sehr gute Handlichkeit
- Hohe Variantenvielfalt
- Fixkosten gering
Schwächen
- Diverse Qualitätsdefizite im Detail
- Aus heutiger Sicht mäßiges Sicherheitsniveau
- Für gefragte Sondermodelle sind Liebhaberpreise fällig
Leider ist der 500 recht defektanfällig
Das macht Ärger: Fiat bot serienmäßig zwei Jahre Neuwagengarantie (um zwei Jahre bis 40.000 km verlängerbar), drei Jahre Lackgarantie und acht Jahre Durchrostungsschutzgarantie. Die Qualität ist arg durchwachsen. Sie leidet mit steigendem Fahrzeugalter zusätzlich unter oft nachlässigen Besitzern.
Ölverlust und schadhafte Auspuffanlagen sind kostspielige Dauerbrenner. Die TwinAir-Motoren neigen sportlich gefahren zu Ölverbrauch. Oft frühzeitig verschlissen sind Radlager und Bremsen. Ungepflegte und im Salz gefahrene Exemplare zeigen frühzeitig Kantenrost. Beim Kraftfahrt-Bundesamt sind 43 Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 6,1 l S/100 km |
|---|---|
CO2 | 129 g/km |
Inspektion | 200-500 Euro |
Haftpflicht (13)* | 429 Euro |
Teilkasko (16)* | 486 Euro |
Vollkasko (12)* | 650 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 94 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine | 664 Euro |
|---|---|
Anlasser (AT) | 433 Euro |
Wasserpumpe | 679 Euro |
Zahnriemen | 530 Euro |
Nachschalldämpfer | 397 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1526 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 576 Euro |
Infotainmenteinheit | 1117 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 175/65 R 14 82 T) | 400 Euro |
Service-Links































