Ford C-Max/Grand C-Max II: Gebrauchtwagen-Test
Ist der gebrauchte C-Max ein Tipp für Familien?

Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Bezahlbare Raumwunder – um dieses Thema soll es heute gehen. Die zweite Generation des kompakten Ford C-Max wurde von Ende 2010 bis Sommer 2019 gebaut. Anfangs liefen die Fahrzeuge in Almussafes bei Valencia vom Band, ab Ende 2014 wurde das gesamte Produktionsvolumen in das deutsche Werk in Saarlouis verlagert. Der 4,38 Meter lange C-Max und sein 14 Zentimeter längerer Ableger Grand C-Max waren ein zentraler Bestandteil der noch vor einigen Jahren von Ford intensiv verfolgten Van-Strategie.
Kaufargument Nummer 1 beim C-Max: großzügiges Platzangebot
Das ist er: Der besonders geräumige Bruder des technisch eng verwandten Kompaktklasse-Modells Focus. Optisch erlaubt sich der Kompaktvan bis auf seinen markanten Haifischgrill keinerlei Extravaganzen. Ihrem vielseitig begabten Duo C-Max/Grand C-Max spendierten die Kölner nicht nur ein großzügiges Innenraumkonzept mit je nach Ausführung fünf bis sieben Sitzplätzen, sondern außerdem zwei in dieser Klasse ungewöhnliche Schiebetüren im Fond des Grand C-Max.

Das großzügige Platzangebot dürfte Kaufargument Nummer 1 sein. Stoff-Peeling ist angesichts der Laufleistung kein Drama.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Leicht erhöht sitzend genießen Fahrer und Beifahrer das Raumangebot und angenehme Polster. Doch auch in der zweiten Reihe geht es geräumiger zu als in manch Mittelklassemodell. 1,90 Meter große Passagiere sitzen auf der dreifach geteilten Rückbank recht kommod. Nur die dritte Sitzreihe ist beengt, sie taugt lediglich für Kinder. Überdurchschnittlich groß ist der Kofferraum mit je nach Ausführung und Bestuhlung 471 bis 1867 Liter Volumen. Die erlaubte Zuladung ist mit 724 Kilogramm bei unserem Testwagen sogar rekordverdächtig hoch. Ob ihrer Ladeeigenschaften taugen sowohl C-Max als auch Grand C-Max also durchaus als multifunktionale Optionen für Familien, Firma und Freizeit.
Die Ausstattungslinie Trend bringt alles Essenzielle mit
Das hat er: Abhängig vom Budget konnten C-Max-Besteller ihr Fahrzeug neu vielfältig konfigurieren, die enorme Auswahl an Optionen wirkt fast schon unübersichtlich. Arg nackt wirkt die Basisausstattung mit der irreführenden Bezeichnung Ambiente. Ihr fehlten standardmäßig sogar eine Klimaanlage und elektrische Fensterheber hinten. Alles wirklich Essenzielle bietet die nächsthöhere Ausstattungslinie Trend. Cool-&-Connect-Modelle haben stets ein Navi und Einparksensorik an Bord. Um mehr Stil müht sich die in unserem Fotofahrzeug verbaute Titanium-Ausstattung: Sie bietet mehr Komfortdetails und im Detail feinere Oberflächen. Dennoch bleibt der C-Max weit davon entfernt, ein Premium-Konkurrent zu sein.
Technische Daten
C-Max 1.5 TDCi | Grand C-Max 1.5 TDCi | |
|---|---|---|
Motor | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 2 pro Zylinder/1 | 2 pro Zylinder/1 |
Hubraum | 1499 cm³ | 1499 cm³ |
Leistung | 88 kW (120 PS) bei 3600/min | 88 kW (120 PS) bei 3600/min |
Drehmoment | 270 Nm bei 1750/min | 270 Nm bei 1750/min |
Höchstgeschwindigkeit | 184 km/h | 181 km/h |
0–100 km/h | 11,3 s | 12,3 s |
Tank/Kraftstoff | 53 l/Diesel | 53 l/Diesel |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang manuell/Vorderrad | Sechsgang manuell/Vorderrad |
Länge/Breite/Höhe | 4380/1828/1610 mm | 4520/1828/1505 mm |
Kofferraumvolumen | 471-1723 l | 600-1867 l |
Leergewicht/Zuladung | 1394/466 kg | 1501/724 kg |
Optisch dem Zeitgeist angepasst und etwas dynamischer wirkt die 2018 nachgereichte Variante Sport. Sie setzt neben einer gehobenen Serienausstattung äußerlich auf große Räder sowie markante schwarze Exterieur-Akzente. Um die Attraktivität zu erhöhen, schnürte Ford außerdem diverse Ausstattungspakete mit Preisvorteilen.
Im Sommer 2015 spendierte Ford eine gründliche und zugleich empfehlenswerte Modellpflege. Neben neuen Euro- 6-Motoren gab es ein aufgeräumteres Cockpit mit frischerem Infotainmentsystem sowie zahlreiche bislang nicht verfügbare Fahrassistenten. Das Design wurde sportlich leicht geschärft, jedoch bleibt die erfahrbare Dynamik konzeptbedingt überschaubar. Unserem Testwagen gönnte der Neuwagenbesteller 2017 gesuchte Ausstattungsdetails wie eine Standheizung und eine Anhängerkupplung.
Für die Fahrzeugklasse ist der C-Max erstaunlich agil
So fährt er: Die zweite Generation des C-Max bietet ein ausgewogenes Fahrerlebnis. Für einen Kompaktvan ist die Abstimmung des Fahrwerks bemerkenswert gut gelungen. Das Setup wirkt enorm agil, verblüffend präzise ist bei intakten Achslagern das Einlenkverhalten. Solide gepolsterte Sitze und eine gute Geräuschdämmung machen auch Langstrecken gut erträglich. Einen kräftigeren Motor vorausgesetzt, darf man dem C-Max sogar ein Quäntchen Fahrspaß attestieren.

Unser Grand C-Max fährt sich trotz reichlich Kilometern geschmeidig. Sein 120-PS-Turbodiesel (Euro 6) passt gut zum Konzept.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Mit dem 85 PS starken 1.6-Basisbenziner wirkt der C-Max arg schlapp. Etwas kräftiger, aber nicht unproblematisch sind die 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbos mit 100 und 125 PS. Der 1,5-Liter-Turbo mit 150 beziehungsweise 182 PS geht deutlich flotter zur Sache. Als sparsame Langläufer mit gutem Durchzug punkten die gut verfügbaren Turbodiesel (1.5 TDCi/95 bis 120 PS, 2.0 TDCi/ 150 bis 170 PS). Exotisch und im Alter nicht immer frei von Gasanlagen-Problemen sind die LPG-Varianten mit 117/120 PS.
Stärken
- Großzügiges und variables Raumkonzept
- Ökonomische Dieselmotoren
- Zwei verschiedene Fahrzeuglängen
Schwächen
- Basisausstattungen spartanisch
- Qualitätsniveau durchwachsen
- Pflegezustand häufiger mäßig
Ältere Exemplare plagen sich oft mit Reparaturstau
Das macht Ärger: Ford gewährte standardmäßig zwei Jahre Neuwagen- und zwölf Jahre Durchrostungsschutzgarantie sowie zwei Jahre europaweite Mobilitätsgarantie. Grundsätzlich gilt beim C-Max: So viel Auto für vergleichsweise wenig Geld gibt es leider nicht ohne Risiken oder Nebenwirkungen. Der praktische Kölner wurde meist eher genutzt als gehätschelt, was bei älteren Exemplaren Reparaturstau begünstigt. Kilometerfresser fallen beim TÜV mit verschlissenen Vorderachslagern auf. Unser Tipp: Ausgemusterte Dienstwagen sind in der Regel scheckheftgepflegt.

Ausgeschlagene Lager sind ein Dauerthema beim Ford C-Max.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Der Zahnriemenwechsel bei den EcoBoost-Motoren ist teuer, TDCi mit hohen Laufleistungen haben häufiger Injektor- und AGR-Probleme. Teuer kann es ebenfalls werden, wenn Ölleckagen die Umweltbilanz vermasseln. An der Tagesordnung sind außerdem lästige Qualitäts- und Verarbeitungsschwächen. Diverse Hartplastikpartien im Innenraum sehen nach ein paar Jahren oft mitgenommen aus. Abfallende Türdichtungen sind nicht nur lästig, sie wecken auch wenig Vertrauen in den einstigen Qualitätsanspruch der Ford-Ingenieure.
Beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sind für die zweite Generation des Ford C-Max insgesamt elf Rückrufe hinterlegt. Das Fehlerspektrum erweist sich dabei als recht breit: Lehnenverstellung der zweiten Sitzreihe (2010), fehlerhafte Antriebswellenverzahnungen (2013), Kühlwasserverlust und mögliche Zylinderkopfrisse (2018), fehlerhafte Airbag-Gasgeneratoren (2017), Überhitzungsgefahr durch fehlerhaftes Kühlmanagement (2018), Ermüdungsrisse bei bestimmten Alufelgen (2018), Gefahren durch mögliche Brüche der Kupplungsdruckplatte (2019), eingeschränkte Rückhaltefunktion des Sicherheitsgurtes (2020), Ausfall der Parkfunktion durch fehlerhafte Schaltungsteile (2023) sowie erneut eine Überhitzungsgefahr durch ein fehlerhaftes Kühlmanagement (2024).
Unterhaltskosten: Ford Grand C-Max Titanium 1.5 TDCi
Testverbrauch | 5,7 l D/100 km |
|---|---|
CO2 gem. NEFZ-Zyklus | 113 g/km |
Inspektion | 300-500 Euro |
Haftpflicht (19)* | 620 Euro |
Teilkasko (21)* | 688 Euro |
Vollkasko (17)* | 945 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 178 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine | 844 Euro |
|---|---|
Anlasser | 548 Euro |
Wasserpumpe | 722 Euro |
Zahnriemen | 785 Euro |
Nachschalldämpfer | 632 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1267 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 677 Euro |
Infotainmentbildschrim | 715 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 215/55 R 16 V) | 700 Euro |
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