Ford EcoSport: Gebrauchtwagen-Test
Drei Jahre alter Ford EcoSport im Test
Gebrauchter Ford EcoSport im Test
Als Mini-SUV mit viel Platz buhlt der Ford EcoSport gebraucht um Kunden. Er ist kantig, geräumig und relativ günstig. Lohnt sich ein Flirt mit dem Kölner Hochsitz?
Weltautos zu konstruieren, gilt in der Autoindustrie seit je als anspruchsvolle Disziplin. Ford beschritt beim EcoSport einen anderen Weg. Da das Mini-SUV in Schwellenländern zum absoluten Verkaufsschlager avanciert war, fühlten sich die Produktstrategen dazu berufen, es ab 2013 auch mit einer zweiten Karriere im automobil anspruchsvollen Europa zu versuchen.
Ein vergleichbarer Erfolg war dem Modell hierzulande jedoch nicht vergönnt, denn bereits bei seiner Einführung wirkte das auf der siebten Fiesta-Generation basierende Fahrzeug seltsam angestaubt. Kurz nach seiner Einführung monierten Kunden die mäßige Verarbeitungsqualität mit schlecht entgrateten Teilen, mauer Passgenauigkeit und enorm viel Hartplastik, welches europäischen Maßstäben kaum genügte. Zum Glück ließ Ford diese Kritik nicht auf sich sitzen.
Bis 2017 importierte Modelle wurden im indischen Werk Chennai gebaut, mit dem großen Facelift im Herbst 2017 lief die Produktion im rumänischen Craiova an. Tatsächlich besserte Ford recht gründlich nach. Doch auch mit frischem Frontdesign und ohne sperriges Reserverad am Heck war es für den EcoSport nicht wirklich leicht, hierzulande bestehen zu können. Ab Herbst 2019 präsentierte Ford dann den wesentlich dynamischer und moderner anmutenden Puma, eine starke hausinterne Mini-SUV-Konkurrenz.
Ford EcoSport gebraucht: als Dreijähriger für 14.000 Euro
Dabei kann der 4,10 Meter kurze EcoSport durchaus mit einigen modellspezifischen Vorzügen aufwarten. Unter seiner kantigen Hülle mit den steilen Seitenscheiben verbirgt sich ein erstaunlich erwachsenes Raumangebot. Auf den mit robustem Dwell-Stoff bezogenen Vordersitzen sitzt es sich angenehm erhöht, durch die üppige Innenbreite fühlt sich das Ganze eher nach Kompaktklasse an. Im für zwei Erwachsene zumutbaren Fond überrascht insbesondere die enorme Tiefe der Sitzbank.
Unser in seriösem Magneticgraumetallic lackierter Testwagen vom Autohus in Bockel bei Bremen wurde erstmalig im Februar 2020 zugelassen. Neu kostete er laut Schwacke-Datenbank 24.130 Euro, jetzt wäre er für nur noch 14.480 Euro zu haben. Dass er die Erde bereits gut zweimal umrundet hat, merkt man ihm nicht an.
Steinschläge und Schürfwunden sind auf den ersten Blick Mangelware, seine Laufleistung von 85.320 Kilometern wurde offenkundig schonend absolviert. Allerdings belegt das Lackstärkenmessgerät eine handwerklich sorgfältig nachlackierte rechte Fahrzeugflanke.
Dank mehrerer Extras ist der Aufenthalt an Bord halbwegs angenehm
Für unser Trend-Modell hat der Neuwagenbesteller ein vernünftiges Maß an Extras geordert, sodass der Aufenthalt an Bord halbwegs angenehm ist. Ein beledertes Multifunktionslenkrad, eine Klimaanlage mit selbsterklärenden Drehreglern, Park-Distance-Sensorik vorn und hinten sowie abgedunkelte Scheiben im Fond fallen uns positiv ins Auge.
Das Sync3-Infotainmentsystem mit acht Zoll großem Bildschirm thront gut erreichbar oberhalb der Mittelkonsole, Bluetooth und zwei USB-Anschlüsse erleichtern die Anbindung von externen Geräten. Außerdem kann der EcoSport per Tastendruck kräftig einheizen!
Technische Daten
Ford EcoSport 1.0 EB | |
|---|---|
Motor | Dreizylinder/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 998 cm³ |
Leistung | 92 kW (125 PS) bei 6000/min |
Drehmoment | 170 Nm bei 1400/min |
Höchstgeschw. | 180 km/h |
0-100 km/h | 11,0 s |
Tank/Kraftstoff | 52 l/Super |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang man./Vorderrad |
L/B/H | 4096/1765/1653 mm |
Kofferraumvolumen | 321-1145 l |
Leergewicht/Zuladung | 1349/381 kg |
Ford-typisch sind die Front- und Heckscheibe, die Vordersitze und das Lenkrad beheizt. Und wie fährt sich das Mini-SUV? Die Fahrwerksabstimmung wirkt selbst nach dem Facelift nicht überzeugend, erkauft Federungskomfort mit Stuckerneigung und relativ heftigen Aufbaubewegungen. Immerhin war bei unserem Gebrauchten kein erhöhtes Lagerspiel erkennbar.
Der 1.0 EcoBoost-Benziner macht einen relativ quirligen Eindruck
Achtung: Im Laufe seiner Bauzeit reduzierte Ford die Antriebsvielfalt drastisch. Das gebraucht einige Tausender teurere Allradmodell fiel hierzulande ebenso dem Rotstift zum Opfer (2019), wie der nur selten georderte, recht kräftige 1.5 EcoBlue-Diesel (2020).
Zum Glück macht aber auch der von uns gefahrene, aus zahlreichen anderen Ford-Modellen bekannte 1.0 EcoBoost-Benziner in Kombination mit dem Sechsgang-Schaltgetriebe (optional Sechsstufen-Automatik) einen relativ quirligen Eindruck. Der turbogeladene Dreizylinder-Hubraumzwerg verfügt über einen Otto-Partikelfilter, packt die Abgasnorm Euro 6d-Temp und hängt angenehm am Gas. Mit 125 PS ist man ausreichend motorisiert.
Wer glaubt, den EcoSport wie einen echten Geländewagen rannehmen zu können, wird bitter enttäuscht. Die Wattiefe beträgt nur 55, die Bodenfreiheit 16,5 Zentimeter. Möglicher Böschungswinkel vorn sind 21 Grad, hinten 33 Grad. Mäßige 381 Kilogramm Zuladung und 675 (gebremst 900) Kilogramm Anhängelast machen kleine Baumarktbesuche zur maximalen Abenteuerdosis.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 6,8 S/100 km |
|---|---|
CO2 gem. WLTP-Zyklus | 145 g/km |
Inspektion | 280-550 Euro |
Haftpflicht (17)* | 490 Euro |
Teilkasko (20)* | 534 Euro |
Vollkasko (18)* | 779 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 68 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine | 554 Euro |
|---|---|
Anlasser | 371 Euro |
Wasserpumpe | 447 Euro |
Zahnriemen | 1171 Euro |
Nachschalldämpfer | 582 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 845 Euro |
Bremsscheiben und -klötze | 430 Euro |
Infotainmentbildschirm | 815 Euro |
Sommerreifen (205/60 R 16 92 H) | 550 Euro |
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