Ford Granada, Opel Kadett, Porsche 911
Helden des Alltags: Old- und Youngtimer als Daily Driver

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- Helge Thomsen
Es geht hier natürlich um klassische Fahrzeuge, so viel vorab. Nur das mit Seltenheitswert und Sammlerzustand, das vergessen Sie jetzt besser. Wenn Sie diese Zeilen lesen, hat Ihre Wetter-App bestimmt schon das Ende der feuchtkalten Jahreszeit propagiert und der letzte Regen das Streusalz von der Straße gespült. Sie haben Ihr Schätzchen in der Normgarage gerade vom Autopyjama befreit und noch schnell die Spinnweben von der Rücksitzbank gesaugt? Mit solchen selbst auferlegten Spießigkeiten haben diese drei Querulanten wenig an der Hutablage. Während der klassische Oldtimer-Liebhaber hier Grabschändung diagnostiziert, tanzen wir fröhlich im Regen über den imaginären Autofriedhof und klemmen uns bei drei Grad und Nieselregen hinters feuchtkalte Lenkrad.
Blitz für die Masse
Opel Kadett, kurz gesagt: O. K. Diese aus dem letzten Produktionsjahr des Kadett B stammende Limousine gehört dem 23-jährigen Artur K. aus dem Raum Berlin. Der ockerfarbene Zweitürer hatte seit 1973 ein beschauliches Leben bei einer alten Dame, bis er vor vielen Jahren über Umwege bei Arturs Vater in der Garage landete. Dort wurde er erst mal ignoriert, denn ein saftiger Treffer auf der Beifahrerseite sah nach viel Arbeit aus.
Weil Artur aber von seinem Vater schon als Kind mit dem Rüsselsheimer Virus infiziert wurde, fragte er sofort nach bestandener Führerscheinprüfung, was mit dem Auto passieren soll. "Wenn du ihn dir selbst fertig machst, schenke ich ihn dir", sagte sein Vater. Als überzeugter Opelaner fuhr der neben einem Diplomat auch einen Kadett B Caravan als Baustellenfahrzeug und freute sich jetzt, dass sein Sohn die gleiche Leidenschaft entwickelt hatte.

Selbst gebastelte Teppiche fürs Wohnzimmer-Feeling und ein nachgerüsteter Recarositz fürs Sportprogramm.
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Für die nötigen Ersatzteile genügte ein Griff in Papas Ersatzteilregal, handwerkliche Spezialtricks übte Artur direkt am Objekt. Neue Beifahrertür vom "L" eingebaut, erste Spachtel- und Lackierversuche am Kotflügel, neue Reifen, Batterie und ein Schluck Bleifrei in den Solex-Vergaser: Das reichte für die Reanimation des gestrandeten Unfallwagens. Nach einem Monat wurde Arturs Fahrt zum TÜV mit der begehrten Plakette belohnt, seitdem fährt er seinen Kadett im Alltag.
Benutzt wird er für alles, was man mit einem Auto macht: zum Supermarkt, zu Punk- und Metal- Konzerten, zur Berufsschule oder mit der Enduro auf dem Anhänger zum Training. Opel, der Zuverlässige? Ja, liegen geblieben ist Artur noch nie.
Platzwunder aus den 80ern
Eine ähnliche automobile Kindheit diagnostiziere ich bei Marcus V. Der Immobilienkaufmann aus der Nähe von Lüneburg lernte bereits bei seiner Einschulung die Qualitäten eines Ford Granada Kombi kennen. Sein Vater fuhr als Elektriker aus Überzeugung die Kölner Dickschiffe, später übernahm Marcus den Firmenwagen. Trotz eines kurzen Ausflugs in die VW-Abteilung saß die Kindheitserfahrung zu tief, irgendwann tummelten sich bis zu sieben Granada auf dem elterlichen Grundstück.

Verwitterter Erstlack und vermooste Embleme zeugen vom Dauereinsatz.
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Dieser weiße Turnier der dritten Serie lief ursprünglich als Kurierfahrzeug in Köln, bevor Marcus ihn für 250 Euro rettete. Das war 2001, und in den letzten 20 Jahren spulte er über 600.000 Kilometer auf den Wagen, und das ohne Reisen an den Bosporus.
Dafür war der Granada nämlich berühmt, was nicht nur am sensationellen Raumangebot, sondern auch an der zuverlässigen Technik lag. Der ehemalige Kurierwagen dient seitdem als Transporter auf Flohmärkten, im Urlaub als Wohnmobil und ist auf Granada-Treffen zu bewundern. Die weiteste Tour absolvierte er ohne Probleme bis in die Schweiz.
Auch wenn jetzt alle "V6" rufen, dieser 1984er begnügt sich mit dem Zweiliter-Reihenvierzylinder und Automatikgetriebe. "Die beste Kombination in dem Auto", stellt Marcus fest und meint das ernst. Er kümmert sich selbst um alle technischen Notwendigkeiten, eine Kfz-Werkstatt hat sein Granada seit 2001 nicht gesehen. Optisch nimmt er es nicht so ernst, gelackte Autos sind nicht sein Ding. Zwischen vermooster Gebrauchtwagenoptik und patinierter Einzigartigkeit steht das H-Kennzeichen, was bei den meisten Chrompolierern Kopfschütteln hervorrufen dürfte, für Marcus aber zur Geschichte des Autos gehört. Und die wird täglich weitergeschrieben.
Jetzt wird es schon fast modern. Obwohl der schwarze Carrera 2 auch über 30 Jahre auf dem Tacho hat, wirkt er im Vergleich zu Kadett und Granada wie ein Luxussportwagen neuerer Generation. Als Nachfolger des G-Modells steckt der 964 zwar in der nahezu identischen Karosse, hat aber technisch einen Quantensprung hingelegt. Statt des 3,2-Liter-Boxers vom Vorgängers liegen jetzt 3,6 Liter Hubraum im Heck! Zum ersten Mal in der Erfolgsgeschichte des 911 interessierte sich auch eine Kundschaft für den ikonischen Sportwagen, die sonst auf Reisewagen und Komfort abfuhr.
Carrera für die Hansestadt
So wie Felix S. aus Hamburg. Der leidenschaftliche W-126-Experte fährt diesen Elfer als Alternative zu seinem Benz-Fetisch. Der "Winter-Porsche", wie er sagt, verbrachte sein gesamtes Autoleben in Familienbesitz, bis Felix ihn 1999 übernahm, um die Familienchronik weiterzuführen. Seitdem kümmert sich der nebenberufliche Berater und Fuhrpark-Koordinator akribisch um seinen Reise-Sportwagen, allerdings mehr technisch als optisch. Dazu bekommt er von unten alle zwei Monate eine neue Wachsbehandlung im hauseigenen Kosmetikstudio. Angebote diverser Autoaufbereiter, sie würden seinen Wagen zum Nulltarif auf Hochglanz bringen, lehnt Felix prinzipiell ab.

Seinem Alltags-Sportwagen verpasste Felix dreiteilige 964-Turbo-Felgen, KW-Sportfahrwerk und einen Ruf-Auspuff.
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In der exklusiven Porsche-Hochglanzwelt bietet der Hamburger 964 mit dem DIN-Kennzeichen einen schönen Kontrast im Straßenverkehr und zeigt uns, dass man einen Klassiker auch bei Schietwetter artgerecht bewegen kann.
Fazit
Youngtimer und Oldtimer beleben das leasingsilberne Straßenbild, und das darf bitte ganzjährig so sein! Die ewige Frage, ob Oldtimer alltagstauglich sind, ist für mich einfach zu beantworten: "Na klar, dafür wurden sie schließlich gebaut!" Okay, der Wartungsaufwand steigt proportional zum Alter, aber wer sich artgerecht kümmert, kann das ganze Jahr Fahrspaß erleben. Und spätestens seit Klassiker mit Geschichte und Patina en vogue sind, kann sich jeder mal überlegen, wo denn diese Qualitäten herkommen sollen, wenn der Wagen überrestauriert in dunklen Tiefgaragen vor sich hindämmern muss.
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