Ford Mustang Mach-E: Gebrauchtwagen-Test
Taugt der Mach-E als echte Mainstream-Alternative?

Bild: AUTO BILD/Olaf Itrich
Polarisierend war sein erster Auftritt. Der Mustang Mach-E von Ford sollte als erstes vollelektrisches Großserienmodell die Tesla-Phalanx durchbrechen. Gebraucht ist er aktuell vor allem ein Typ mit Preisbrecher-Potenzial. Auch wenn der Name "Mustang" starke Coupé-Assoziationen weckt, ist das Wesen des E-SUV relativ diskret und alltagstauglich.
Und gut vier Jahre nach der Markteinführung findet man junge Gebrauchte trotz guter Ausstattung und moderater Laufleistungen bereits ab rund 25.000 Euro. Was sehr verlockend ist – angesichts einst recht selbstbewusst kalkulierter Neupreise.
Der gewaltige Radstand beschert den Passagieren viel Platz
Das ist er: Auf der von Ford selbst entwickelten GE1-Plattform aufbauend, galt der Mustang Mach-E als globaler Hoffnungsträger in der Mittelklasse. Die voll familientauglich geschnittene, fünftürige und gut 4,70 Meter lange SUV-Limousine wagt eine Coupé-Note. Der Stil wirkt eigenständig, der cw-Wert mit 0,29 dagegen bestenfalls durchschnittlich. Der Radstand misst gewaltige 2,98 Meter, was dem Platzangebot in beiden Sitzreihen zuträglich ist.

In Kalifornien entwickelt und in Mexiko gebaut, gilt der 2021 eingeführte Mustang Mach-E als strategisch wichtig für die Marke.
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Doch auch das Leergewicht ist üppig, es liegt zwischen 2040 und knapp 2350 Kilogramm. Besonders die Zuladung der Topversionen ist mit weniger als 400 Kilogramm knapp. Die teils in Europa von LG gefertigten Akkus in NMC- oder ab Ende 2023 auch in langlebigerer LFP-Ausführung haben nutzbare Netto-Kapazitäten von etwa 72,6 bis 98,7 kWh. Das Lade-Maximum liegt am Schnelllader je nach Variante im Idealfall bei wenig begeisternden 115 bis 150 Kilowatt.
Technische Daten
Standard Range | Extended Range AWD | Extended Range AWD GT | |
|---|---|---|---|
Motor | PSM-Motor/hinten | PSM-Motoren/vorn + hinten | PSM-Motoren/vorn + hinten |
Batterieart | Lithium-Ionen-Akku | Lithium-Ionen-Akku | Lithium-Ionen-Akku |
Dauerleistung | 100 kW (136 PS) | 124 kW (169 PS) | 200 kW (272 PS) |
Spitzenleistung | 197 kW (269 PS) | 258 kW (351 PS) | 358 kW (487 PS) |
Drehmoment | 430 Nm | 580 Nm | 860 Nm |
Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h | 180 km/h | 200 km/h |
0–100 km/h | 6,9 s | 5,8 s | 4,4 s |
Akkugröße/Kraftstoff | 70,0 kWh (netto)/Strom | 91,0 kWh (netto)/Strom | 91,0 kWh (netto)/Strom |
Getriebe/Antrieb | Einstufen-Reduktionsgetriebe/Hinterrad | Einstufen-Reduktionsgetriebe/Allrad | Einstufen-Reduktionsgetriebe/Allrad |
Länge/Breite/Höhe | 4713/1881/1624 mm | 4713/1881/1624 mm | 4713/1881/1613 mm |
Kofferraumvolumen | 100 l (v.) + 402-1420 l (h.) | 100 l (v.) + 402-1420 l (h.) | 100 l (v.) + 402-1420 l (h.) |
Leergewicht/Zuladung | 2044/511 kg | 2257/443 kg | 2348/369 kg |
Anhängelast (gebr./ungebr.) | 750/750 kg | 1000/750 kg | 750/750 kg |
Zahlreiche Goodies, nicht optimale Materialien
Das hat er: Eine moderne Note. Der cleane Innenraumlook und viele Komfortdetails sind, wie bei der Mehrheit der hiesigen E-Konkurrenz, Programm. Ein 15,5 Zoll großer Vertikal-Touchscreen dominiert die Mittelkonsole. Er unterstützt diverse Fahrzeugfunktionen und bietet DAB+-Radio, Navigationssystem, Bluetooth-Freisprecheinrichtung und Rückfahrkamera.
Hinter dem Lenkrad gibt es ein zusätzliches 10,1-Zoll-Display. Die Lautstärkeregelung erfolgt über einen kleinen Drehregler – was wie eine Hybridlösung zwischen Minimalismus und traditioneller Benutzerfreundlichkeit wirkt.

Cockpit im moderat reduzierten Stil mit recht durchschnittlichen Materialien. Um die Bedienung zu erleichtern, gibt es am unteren Ende des XL-Touchdisplays einen integrierten Drehregler.
Bild: AUTO BILD/Olaf Itrich
Wie lebt es sich sonst an Bord? Bereits in der Basis "Mach-E" wurden 18-Zoll-Aluräder, Zweizonen-Klimaautomatik und induktive Ladezone für Smartphones verbaut. Die AWD-Modelle bieten neben Allrad verschiedene Goodies wie 19-Zoll-Alufelgen, Carbon-Dekor im Innenraum, Matrix-LED-Licht, Sensico-Kunstledersitze und eine Alarmanlage.
Sportlich-luxuriös ist die Note der Topvariante GT mit 360-Grad-Kamera, Sportsitzen, B&O-Soundsystem, Brembo-Bremsen, 20-Zoll-Alufelgen, MagneRide-Adaptivfahrwerk und umfangreichen Fahrassistenzsystemen. Ordentlich, jedoch nicht wirklich premium ist die Anmutung der verbauten Materialien. Goodies wie das große Panoramadach und elektrische Sitzverstellung mit Memory-Funktion finden sich nur in gehobenen Konfigurationen, was aber beim Gebrauchtkauf kein Beinbruch sein sollte.
Im Vergleich zur Konkurrenz straff abgestimmtes Fahrwerk
So fährt er: Recht potent. Knapp bemessene Spar-Maschinen gibt es nicht. Als Antriebe dienen permanentmagneterregte E-Motoren mit Leistungen von ausreichenden 269 bis zu üppigen 487 PS, die Reichweiten scheinen gemäß WLTP-Messzyklus mit etwa 400 bis 610 Kilometern respektabel, liegen im harten Alltag jedoch durch den recht hohen Verbrauch realistisch eher bei 300 bis 480 Kilometern. Als dynamischer Gleiter möchte es der Mustang-E einem breiten Publikum recht machen. Es gibt je nach Variante Hinterrad- und Allradantrieb, synthetischer V8-Sound müht sich um Emotionen.

Im Modus "Zahm" gleitet der Mach-E entspannt, in "Temperamentvoll" zeigt er sich deutlich impulsiver.
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Im "Zahm"-Modus lädt der Mach-E zu entspanntem Rollen ein, in "Temperamentvoll" wirkt die Leistungsabgabe des von BorgWarner zugelieferten Antriebssystems recht impulsiv. Der Schub setzt ruckfrei und sehr direkt ein. Der mögliche Antritt der GT-Version ist beeindruckend: Von 0 auf 100 km/h geht es in nur 4,4 Sekunden (GT AWD). Gewöhnungsbedürftig ist die Pedal-Kennlinie, sie wirkt unnatürlich und sprunghaft – besonders bei den GT-Versionen mit MagneRide-Fahrwerk.
Das gesamte Fahrwerk ist insgesamt straffer abgestimmt als bei vielen Mitbewerbern, lange Autobahnstrecken können dadurch ermüdender wirken. Ohne Kamera-Assistenz ist die Übersichtlichkeit zudem eingeschränkt. Gemessen am Format eher mäßig sind die Anhängelasten.
Es gibt einige neuralgische Stellen zu checken
Das macht Ärger: Ford bietet beim Mustang Mach-E mindestens zwei Jahre Neuwagengarantie und zwölf Jahre Durchrostungsschutzgarantie. Auf die Hochvoltkomponenten garantiert der Hersteller acht Jahre oder maximal 160.000 Kilometer. Besonders frühe Modelle zeigten eine schwankende Verarbeitung, Knistergeräusche, schlechte Passungen, und früh nicht mehr perfekt in Form befindliche Sitze wurden moniert. Die Lackqualität ist nicht immer optimal, was Kratzer und erste Rostherde begünstigt. Teils klagen Nutzer über Startprobleme aufgrund entladener 12-Volt-Batterien. In den meisten Fällen sorgten Software-Updates für Abhilfe. Teils nervt der Ladeport mit Ausfällen, Firmware-Updates helfen nicht immer.
Stärken
- Günstiges Gebrauchtpreisniveau
- Ansprechende Fahrleistungen
- Eigenständiger Auftritt
Schwächen
- Je nach Update-Stand teils problematische Software
- Durchwachsener Qualitätseindruck
- Teure Vollkaskoversicherung
Software-Fehler im Türverriegelungssystem können bei Tiefentladung die wenig ergonomische Türentriegelung blockieren, hierzu gab es einen Rückruf und 2025 sogar einen Auslieferungsstopp. Das Sync-4-Infotainment ist grundsätzlich ohne Werkstattbesuch updatefähig, arbeitet aber auch mit aktuellem Softwarestand nicht so geschmeidig wie manche Lösung der Konkurrenz. Drei beim KBA hinterlegte Rückrufe.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 21,8 kWh/100 km |
|---|---|
CO2 | 0 g/km |
Inspektion | 280-500 Euro |
Haftpflicht (15)* | 650 Euro |
Teilkasko (25)* | 939 Euro |
Vollkasko (24)* | 1637 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6)** | 0 Euro |
Ersatzteilpreise*
Hochvoltbatterie (komplett) | 31.528 Euro |
|---|---|
Radlager hinten links | 291 Euro |
E-Motor | 5414 Euro |
Antriebswelle hinten | 857 Euro |
Wasserpumpe | 332 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1982 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 726 Euro |
Infotainmentbildschirm | 2041 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 225/60 R 18 104V) | 750 Euro |
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