Max Verstappen (24) hat Lewis Hamilton in der letzten Runde des GP Abu Dhabi entthront. Doch während Mercedes Protest gegen die Safetycar-Phase eingelegt hat, verrät der Holländer in der Pressekonferenz: Während des finalen Duells mit Lewis Hamilton hatte er einen Krampf!
Verstappen: „Es passt zu dieser Saison, dass ich in der letzten Runde auch noch einen Krampf im Bein hatte. Ich lag dicht hinter Lewis und wusste, dass ist meine Chance. Aber ich hatte kaum noch die Kraft, aufs Gas zu treten. Ich war froh, Kurve fünf zu sehen, weil ich wusste, dass sich da mein Bein für drei Sekunden erholen kann. Auf den zwei folgenden Geraden musste ich auf die Zähne beißen.“
Max Verstappen ist der neue Formel-1-Weltmeister.
Verstappen sitzt allein in der WM-Pressekonferenz. Mercedes hat Hamilton verboten zu sprechen, während der Protest gegen Verstappens Sieg läuft. Dennoch hat der Red Bull-Star warme Worte für seinen Rivalen übrig: „Lewis war ein großer Gegner, ein großartiger Konkurrent. Die beiden Teams haben es sich gegenseitig schwer gemacht, das gehört aber zum Sport dazu.“
Für den Niederländer ist es die Erfüllung eines Kindheitstraumes. „Schon als kleiner Junge wollte ich immer hier stehen, Weltmeister sein und meine Hymne hören. Auf der Ehrenrunde wurde ich denn auch emotional. Zum Glück konntet Ihr nicht unter meinen Helm schauen! Ich habe meinem Vater und meinem Team so viel zu verdanken.“
Die TV-Kameras zeigen später auch eine Szene, in der Jos Verstappen Kopf an Kopf mit seinem Sohn den Augenblick des großen Erfolg genießt. „Das Gefühl, das dann rauskommt, waren vor allem die vielen Jahre, die ich mit ihm unterwegs war, als er klein war“, sagt Verstappen senior. „Max ist der Weltmeister, aber so fühle ich mich jetzt auch. Ich denke auch es, dass es verdient war. Max war dieses Jahr der schnellste Fahrer. Vielleicht hatte er nicht immer das schnellste Auto, aber mit seiner Art hat er es geschafft.“
Ganz einfach war das aber nicht. Nach einem vermasselten Start sieht lange Hamilton wie der sichere Sieger aus. „Da war Max übereifrig, hatte im ersten und zweiten Gang durchdrehende Räder, dadurch ist Hamilton vorgekommen“, erklärt Red Bull-Sportchef Helmut Marko. „Danach haben wir sehen können, dass wir das Tempo von Mercedes in unserer Reifenkonstellation nicht mitgehen können.“
Und das, obwohl Red Bull-Flügelmann Sergio Perez sich zwischenzeitlich geopfert und Hamilton bravourös eingebremst hat. „Das war phänomenal“, sagt Marko, „es war dann aber auch klar, dass wir ein Safety-Car brauchen und dank Williams (Nicholas Latifi; d. Red.) ist das auch gekommen.“
Sergio Perez verteidigt sich gegen Lewis Hamiltons Überholversuche.
Doch noch immer ist das Zittern nicht vorbei. Der Grazer: „Dann gab es wieder mal so eine Aktion der Rennleitung, dass man die Überrundeten nicht vorbeiwinkt, obwohl es ganz klar im Reglement steht.“ Erst als Red Bull Rennleiter Michael Masi darauf aufmerksam macht, lässt der die Überrundeten passieren – und es kommt zum finalen Showdown und Überholmanöver.
Doch wie Marko verrät, hat Red Bull in der Phase bewusst auf die Chance auf die Konstrukteurs-WM verzichtet. „Checo (Perez; d. Red.) hat Öldruck-Probleme gehabt. Deswegen haben wir ihn reingeholt und die Konstrukteurswertung vergessen.“ Grund, so der Österreicher: „Wenn das Auto stehen bleibt, bleibt das SafetyCar weiter draußen.“
Am Ende kann Mercedes zumindest über die achte Konstrukteursmeisterschaft in Folge jubeln. Mit 613,5 Punkten schlagen die Titelverteidiger Red Bull (585,5 Punkte). Marko: „Das ist uns egal, wie sind kein Autohersteller.“

Von

Frederik Hackbarth
Bianca Garloff