AlphaTauri-Teamchef Franz Tost (66) gilt als der Meister-Macher der Formel 1. Durch seine Schule gingen bei Toro Rosso schon Sebastian Vettel und Max Verstappen. Sein aktuelles Projekt heißt Yuki Tsunoda (22). Dabei ist der Japaner nicht immer der einfachste Schüler. Deshalb kritisierte ihn Red Bull-Chefberater Helmut Marko zuletzt als „Problemkind“.
Allein: Wie ein guter Lehrer stellt sich Teamchef Tost vor seinen Fahrer. „Ich mag Problemkinder, weil das die wirklich guten Kinder sind, die etwas aus ihren Fähigkeiten machen können“, nimmt Tost Tsunoda in Schutz. „Yuki hat (in Silverstone; d. Red. )einen Fehler gemacht, das weiß er und daran wird er arbeiten. Er ist noch in der Entwicklung. Er ist schnell. Aber er braucht noch ein bisschen Zeit.“
Der Stein des Anstoßes liegt nun schon zwei Rennen zurück. Beim GP Großbritannien hatte Tsunoda mit seiner zu aggressiven Fahrweise dafür gesorgt, dass beide AlphaTauri von der Strecke kreiselten. Die Plätze sieben für Pierre Gasly und acht für den Japaner waren futsch.
Yuki Tsunoda ist vor allem am Funk kein Kind von Traurigkeit.

Das brachte Marko auf die Palme. Vor allem Tsunodas Wut-Funksprüche hatte der Grazer dabei im Visier. Denn die würden den Japaner beim Fahren unnötig ablenken. „Unser Problemkind ist der Tsunoda“, so der Red Bull-Doktor bei Servus-TV. „Der explodiert am Funk, da glaubst du, das gibt es gar nicht.“ Deshalb habe man ihm eine „Art Psychologen“ an die Seite gestellt, um die verbalen Ausraster im Auto in Griff zu bekommen.
Doch auch Tost hat trotz seiner Vorliebe für die schwierigen Fälle nicht nur Streicheleinheiten für Tsunoda übrig. „Unmittelbar nach dem Rennen habe ich Yuki in mein Büro gerufen und ihm gesagt, dass das absolut nicht geht und dass er disziplinierter und geduldiger sein muss“, verrät der Österreicher. „Das war nicht die erste Kollision zwischen zwei Teamkollegen und wird auch nicht die letzte sein. Aber trotzdem muss das auf jeden Fall vermieden werden.“
Immerhin: Der WM-16. gibt sich einsichtig. „Dieser Crash in Silverstone war ein kompletter Fehler von mir. Ich denke, dass die Gespräche mit meinem Psychologen mir helfen werden und ich die Grenzen besser einschätzen kann. Es ist super leicht, frustriert zu werden, besonders im Auto. Also werde ich versuchen, an diesen Dingen zu arbeiten.“
Das muss er auch. Denn nur, wenn Tsunoda seine Emotionen im Griff hat, bekommt er die Chance auf eine Zukunft in der Formel 1. Tost: „Wenn er so weitermacht wie in der bisherigen Saison, abgesehen von den Unfällen, hat er eine gute Chance, bei uns zu bleiben. Es hängt von ihm ab. Wenn er keine gute Performance zeigt, ist er raus. Ganz einfach.“

Von

Bianca Garloff