Der Formel-1-Boom trägt Früchte: Erstmals seit 2014 könnte es bald wieder einen elften Formel-1-Rennstall geben. Andretti Global hat beim Automobilweltverband FIA eine Bewerbung für einen Startplatz 2024 eingereicht.
Die Nachricht verkündete Mario Andretti via Twitter. Der 81-Jährige war 1978 Formel-1-Weltmeister, ist in der USA eine Rennlegende und Vater von Michael Andretti – dem Besitzer von Andretti Global. Andretti senior schrieb: „Michael hat bei der FIA eine Bewerbung eingereicht, ab 2024 mit einem neuen Formel-1-Team an den Start zu gehen. Sein Unternehmen, Andretti Global, hat die Ressourcen und erfüllt sämtliche Voraussetzungen.“
Nun ist die FIA am Zug. Sie muss grünes Licht geben. Doch die Hürden sind hoch. In den letzten 30 Jahren sind gerade mal zwölf Formel-1-Teams eingestiegen, so viel wie alleine zwischen 1986 und 1991. Zuletzt ist vor sechs Jahren mit Haas ein von Grund auf neu aufgebauter Rennstall in die Königsklasse gekommen.

Hohe finanzielle Hürden für Andretti

Das Andretti-Team hat eine Bewerbung als elfter Rennstall für die Saison 2024 eingereicht.

Allein für den Formel-1-Slot muss Andretti 200 Millionen Euro zahlen. Eine riesige Summe, um überhaupt nur dabei sein zu dürfen. Dazu kommen 135 Millionen Euro Budget – so viel dürfen Teams maximal ausgeben. Weil Michael Andretti das Team erst von Grund auf neu aufbauen muss, wird noch einmal eine dreistellige Millionensumme fällig.
Doch das alles rechnet sich. Michael Andretti scheint finanzkräftige Partner im Hintergrund zu haben. Im Oktober wollte er für 350 Millionen Euro schon das Sauber-Team (Alfa Romeo) kaufen. Als der schwedische Besitzer Finn Rausing aber weitere 250 Millionen Euro als Garantien verlangt hat, scheiterte die Übernahme.
Dank der Budgetgrenze schreiben erste Teams schon schwarze Zahlen, machen also sogar Gewinn. 2022 dürfen die Mannschaften nur noch 140 Millionen Euro pro Jahr ausgeben, 2023 sinkt diese Grenze sogar auf 135 Millionen Euro. Dazu kommen zwar einige Ausnahmen wie zum Beispiel die Fahrergehälter. Doch weil die Formel 1 inzwischen zwei Milliarden Dollar pro Jahr einnimmt, bekommen die besten Teams über 100 Millionen Euro aus dem Einnahmetopf. Und Sponsoren gibt es ja auch noch.

US-Boom der Formel 1

Vor allem in den USA boomt die Formel 1.

Vor allem in der USA boomt die Formel 1. Das liegt auch an den Besitzern Liberty Media, die aus Amerika stammen. Netflix-Serien wie Drive to Survive haben die Königsklasse ebenso beliebt gemacht wie eine Modernisierungs-Offensive in den sozialen Netzwerken. Das hat die Formel 1 jahrelang verschlafen, ist jetzt aber im 21. Jahrhundert angekommen.
2022 kommt mit Miami ein zweiter US-GP dazu. Der Vertrag mit den Streckenbetreibern in Austin wurde in dieser Woche ebenfalls bis 2026 verlängert. Ein dritter US-GP könnte bald in Las Vegas steigen.
Andretti liebäugelt damit, Colton Herta in die Formel 1 zu bringen. Der 21-Jährige US-Star hat für den Andretti-Rennstall schon vier IndyCar-Rennen gewonnen (ist der jüngste Sieger der IndyCar aller Zeiten) und könnte die Formel 1 in Amerika noch populärer machen. Ein weiteres US-Talent ist Testfahrer bei Williams – Logan Sargeant.

Weiteres neues Team aus Asien?

Andretti ist seit 2001 in der IndyCar als Rennstall im Einsatz. Das Team hat 75 IndyCar-Rennen gewonnen, darunter fünf Mal das Indy 500 – zuletzt 2017 mit dem früheren Formel-1-Fahrer Takuma Sato. 2022 geht unter anderem Ex-GP-Pilot Romain Grosjean für die legendäre US-Mannschaft an den Start.
In der Formel E ist Andretti ebenfalls aktiv, war zuletzt Einsatzteam von BMW. Und auch in der Extreme E mischen die Amis mit.
Michael Andretti selbst fuhr 1993 für McLaren 13 Rennen in der Formel 1, konnte an die alten Erfolge von Vater Mario aber nicht anknüpfen. In der IndyCar fuhr Michael sowohl gegen seinen Vater Mario, als auch gegen seinen Sohn Marco Rennen. Bei seinem Sieg in Milwaukee 1991 standen auch sein Cousin John und sein Vater Mario mit auf dem Podest.
Mit Panthera Asia meldet ein weiteres Team Interesse an einem Formel-1-Einstieg an. Geldgeber sollen aus Asien kommen, Projektleiter ist der frühere Sportwagen-WM-Teamchef Benjamin Durand.

Die zehn US-Teams mit den meisten Rennen

1. Haas 122
2. Shadow 112
3. Penske 31 
4. Eagle 27
5. BS Fabrications 27
6. Team Haas 20
7. Parnelli 16
8. Peter Schmidt 10
9. Bob Estes 10
10. Pete Lovely 9

Von

Michael Zeitler