Formel 1: Boom durch "Drive to Survive"
Ex-Weltmeister Rosberg über Netflix-Doku: "Für mich ein Desaster"

Nico Rosberg ist heilfroh, dass es die beliebte Formel-1-Doku "Drive to Survive" von Netflix zu seiner aktiven Zeit noch nicht gab.
Bild: drivetosurvivenetflix/instagram
- Frederik Hackbarth
Schöne neue Welt in der Formel 1: Die Königsklasse boomt und erschließt neue Märkte, allen voran in den USA, wo die Besitzer von Liberty Media ihr Produkt nach vielen Jahren harten Ringens endlich im großen Stil auf die Motorsport-Landkarte gebracht haben - mit mittlerweile gleich drei Grand-Prix-Rennen in Las Vegas, Miami und Austin.
Größte Triebfeder dahinter ist vor allem der Netflix-Hit "Drive to Survive": Fünf Staffeln gibt es mittlerweile, weitere werden folgen. Während die Doku bei Fans sehr beliebt ist und immer neues Publikum anzieht, gibt es gerade innerhalb des Fahrerlagers auch viele kritische Töne zum Format - solche stimmt nun auch Ex-Weltmeister Nico Rosberg an:
"Nein, nein, nein, das wäre schrecklich gewesen. Drive to Survive wäre für mich ein Desaster gewesen. Zum Glück gab es diese Sendung zu meiner Zeit noch nicht", findet Rosberg bei 'City A.M.' klare Worte. Der Deutsche ist überzeugt: "Der ganze Rummel hätte meine Konzentration vom WM-Kampf abgelenkt." Von 2014 bis 2016 lieferte sich Rosberg bei Mercedes ein knallhartes Stallduell um den Titel mit Teamkollege Lewis Hamilton. Nach zwei Niederlagen konnte er den Briten 2016 schließlich besiegen und trat danach zurück.

Nico Rosberg genießt mit Frau Vivian sein Leben als F1-Rentner
Bild: nicorosberg/instagram
Die Vorstellung, dabei auch hinter den Kulissen ständig von Kameras verfolgt zu werden, noch mehr als ohnehin schon im öffentlichen F1-Kosmos, schreckt Rosberg extrem ab. Aus dem gleichen Grund hatten in der Vergangenheit auch schon aktuelle Top-Stars der Serie, wie Max Verstappen und Lewis Hamilton, die Dreharbeiten boykottiert oder versucht ihren Anteil an der Show möglichst gering zu halten.
Netflix-Doku: Steiner als Showman
Insgesamt stellt Rosberg dem Konzept aber keine schlechten Noten aus, erfülle es doch seinen Zweck - wenngleich der Deutsche einordnet: "Was die Formel 1 so gut gemacht hat: Im Grunde handelt es sich ja um eine Reality-TV-Show, die in der F1 angesiedelt ist. Sie hatten das Glück, dass einige der Charaktere, wie etwa Günther Steiner (Haas-Teamchef; d. Red.) und manch andere Teamchefs ganz sie selbst sind. Auch, wenn sie die damit verbundenen Risiken eingehen."
Mick Schumachers Ex-Boss Steiner genießt auf Grund seiner rauen Art und oftmals forschen Ausdrucksweise längst Kultstatus unter den Formel-1- und Netflix-Fans. Der Südtiroler hat deshalb zu Saisonbeginn sogar erfolgreich ein eigenes Buch herausgebracht und nutzt seine Popularität entsprechend, obwohl Haas' Ergebnisse eigentlich schon länger keine gute Sprache sprechen.

Fünf Staffeln gibt es bisher vom Netflix-F1-Hit "Drive to Survive"
Bild: Netflix
Für die Königsklasse sind solche Nebengeschichten dennoch ein Glücksfall, findet Rosberg, der als TV-Experte für Sky im Fahrerlager nach wie vor selbst vor der Kamera steht: "Die Formel 1 hat einen unglaublichen Anstieg bei den Zuschauerzahlen verzeichnet, dank der Sozialen Medien und Netflix, das ist phänomenal. Aber der Boom entsteht auch durch eine frische Generation von Fans, die den Sport anders sieht und genießt."
Trotz einer selten zuvor dagewesenen Dominanz: Bei 19 Siegen aus 22 Rennen durch Max Verstappen, ist schließlich im Prinzip schon vor dem Start klar, wer gewinnt. Doch diesbezüglich hat Rosberg mit Blick auf die nächste Saison zumindest leise Hoffnungen: "Ich hoffe schon, dass andere Teams und Fahrer Verstappen einen harten Wettkampf bieten können. Lewis (Hamilton; d. Red.) und George (Russell; d. Red.) sehe ich da am ehesten als Kandidaten", schreibt Rosberg sein Ex-Team Mercedes auch nach zwei schwierigen Jahren noch nicht ab.
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