Sicherheit geht vor: Nach der Leidensfahrt von Mercedes-Star Lewis Hamilton in Baku will der Automobilweltverband FIA das für die Fahrer schmerzhafte Hoppeln der Autos auf den Geraden in Zukunft unterbinden.
„In einem Sport, in dem die Teilnehmer mit Geschwindigkeiten von mehr als 300 km/h fahren, sind wir der Ansicht, dass die gesamte Konzentration eines Fahrers auf das Fahren fokussiert sein sollte und dass exzessive Ermüdung oder Schmerzen, die ein Fahrer erleidet, zu einem Konzentrationsverlust führen und signifikante Konsequenzen haben könnten", heißt es in einem Statement der FIA.
Damit reagieren die Regelhüter vor allem auf die Klagen von Mercedes, deren Silberpfeil am stärksten von dem Phänomen betroffen ist. Aber hat sich das Team damit am Ende selbst bestraft?
Im Lager von Gegner Red Bull interpretierte man die Rufe nach weniger stark springenden Autos als politisches Instrument, um beispielsweise die Bodenfreiheit ALLER Teams zu erhöhen. Das hätte das sogenannte Porpoising reduziert – und dem W13 einen entscheidenden Leistungssprung verpasst.
Hamilton hatte nach dem Rennen in Baku Schmerzen. Nun greift die FIA ein.

Die FIA reagiert nun – aber anders als erhofft!
Bereits vor dem GP von Kanada an diesem Wochenende wurde eine technische Richtlinie mit zwei Sofortmaßnahmen erlassen. Punkt eins: Die Abnutzung der Unterbodenplanken wird genauer überprüft als bisher. Punkt zwei: Die FIA will ein Rechenmodell entwickeln, wie stark die Autos schwingen dürfen – und welches Maß an Oszillation nicht mehr akzeptabel ist. Das dürfte dann ab dem nächsten Rennen in Silverstone zum Tragen kommen.
Und das geht so: In Zukunft soll den Teams ein Grenzwert mitgeteilt werden, den sie in Qualifying und Rennen einhalten müssen. Tun sie das nicht, drohen Strafen. Alternativ kann auch die Bodenhöhe zwangsweise um zehn Millimeter angehoben werden.
Das Problem für Mercedes: Die Dominatoren der letzten Jahre könnten sich so in eine noch schwierigere Situation gebracht haben. Denn gerade der Silberpfeil leidet extrem unter dem durch den Groundeffect der Autos ausgelösten Bouncing. Alle Gegenmaßnahmen, die die Mannschaft aus Brackley künftig ergreifen muss, dürften den Silberpfeil langsamer machen.
Ein Vorteil ist die neue Regelung dagegen für Red Bull. Der Rennwagen von Max Verstappen und Sergio Perez hüpft auch im Vergleich mit WM-Rivale Ferrari kaum. Red Bull wird das Set-up des RB18 in Zukunft kaum oder gar nicht anpassen müssen.
Erst für 2023 sollen dann Regeln entwickelt werden, die das gefürchtete Springen verhindern. Die FIA kündigte bereits ein technisches Meeting mit allen Formel-1-Teams an, "um die Maßnahmen zu definieren, die die Neigung der Autos, solchen Phänomenen ausgesetzt zu sein, mittelfristig reduziert."

Von

Bianca Garloff