Formel 1: Die besten Bilder aus Österreich

Formel 1: Der deutsche Österreicher

Rindt ist immer noch da

In seiner neuen Kolumne nimmt unser F1-Reporter Ralf Bach Sie mit ins Fahrerlager: Das erlebt er im Vorfeld des Österreich GP in Spielberg.
Wenn Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz am Wochenende zu seiner eigenen Rennstrecke kommt, um seine beiden Teams bei seinem eigenen Formel-1-Rennen zu beobachten, ist auch Jochen Rindt ihm nahe. "Er war mein Idol, mein Held. Ich halte heute noch ein Autogramm in Ehren, das er mir mal gab. Er inspirierte mich zu vielem, was ich später getan habe."
Selbst Sebastian Vettel hält kurz inne und vermeidet sein sonst so spitzbübisches Grinsen, wenn man ihn fragt, welcher Rennfahrer für ihn der beste war. "Jochen Rindt! Ich habe viel über ihn gelesen, vieles über ihn gehört, Filme über ihn gesehen. Er muss jemand ganz besonderer gewesen sein."

Jochen Rindt (1942 - 1970)

Rindt, eigentlich Deutscher, weil in Mainz geboren, gilt als erster Weltmeister Österreichs. Er wuchs nach dem Tod seiner Eltern bei der Großmutter in Graz auf. Einer seiner besten Freunde war Helmut Marko, der heutige Motorsportchefberater von Red Bull. Beide wurden gleichzeitig vom Rennvirus infiziert. Der "Deutsche", wie ihn seine Freunde nannten, verunglückte beim Training zum Großen Preis von Italien in Monza tödlich. Ende 1970 wurde Jochen posthum als Weltmeister geehrt. Ehefrau Nina wurde die Trophäe überreicht. Rindt wurde ganz in der Nähe des Red-Bull-Rings in Graz begraben. Noch heute zeugen frische Blumen und brennende Kerzen auf seinem Grab davon, dass sein Charisma immer noch lebt.
Helmut Marko besucht das Grab oft, aber immer alleine und nie an seinem Todestag. Die Erinnerung ist noch zu präsent: "Ich kann mich an den Tag, an dem Jochen Rindt starb, noch erinnern, als wäre es gestern. Ich saß am 5. September 1970 mit den anderen Beiden unserer alten Clique vor dem Radio und verfolgte das Qualifying in Monza. Jochen hatte schon fünf Rennen gewonnen, führte überlegen in der WM. Mit einem Sieg in Italien wäre er in der WM kaum noch einzuholen gewesen."

Rindt in seinem Weltmeister-Lotus in Hockenheim

"Wir fieberten also mit unserem Freund von Graz aus mit. Es war keine Live-Reportage, sondern es gab immer wieder Einblendungen vom Abschlusstraining. Plötzlich redeten sie von einem schweren Unfall von Jochen Rindt in der Parabolica-Kurve. Erst viel später kam die Nachricht von seinem Tod. Wir waren fassungslos, es war irgendwie surreal, wir konnten nicht glauben, dass wir unseren Freund nie mehr sehen würden. Gerade jetzt!"
Der Grund: Rindt hatte die wilden Jahre schon weit hinter sich gelassen. Er hatte schwere Unfälle überlebt, war sich des Risikos des Rennsports längst bewusst und er hatte seine extrem risikobereite Fahrweise reduziert. Rindt spielte sogar ernsthaft mit dem Gedanken, als Weltmeister nach der Saison aufzuhören. Helmut Marko war eine Woche vor dem Unfall bei ihm in der Schweiz gewesen, wo sie genau darüber redeten.

Rindt war der erste Popstar der Formel 1

Marko: "Er hatte mich für das kommende Jahr in seinem Formel-2-Team verpflichtet. Ich sollte zusammen mit Emerson Fittipaldi fahren. Man muss wissen: Die Formel 2 hatte damals fast den Stellenwert der Formel 1 und galt als bestes Sprungbrett für den Grand-Prix-Sport. Jochen hatte sie jahrelang dominiert. Jetzt war das alles egal, er war tot! An diesem Abend flüchteten wir aus der schrecklichen Realität und betranken uns willenlos."
Der Film seiner Jugend läuft noch oft in Markos Gedanken ab. Die irren Fahrten mit einem alten Käfer durch die Weinberge in Graz. Marko: "Wir fuhren immer zu viert. Wir hatten ein System entwickelt, um uns zu verbessern. Einer fuhr, die anderen drei waren die Jury. War die Jury der Meinung, dass der Fahrer die letzte Kurve nicht am Limit fuhr, musste er das Lenkrad an den nächsten abgeben. Bei Jochen bestand nie ein Zweifel. Wenn er an der Reihe war, gab er das Steuer nicht mehr ab. Er war der wildeste Hund von allen, mit einer Fahrzeugbeherrschung, die ich bis heute nicht mehr in dieser Form erlebt habe."

Hulmut Marko mit einem Foto seines Jugendfreundes

Die Beerdigung auf dem Grazer Zentralfriedhof war das größte Event, das Graz je erlebt hat. Die ganze Formel 1 von damals war da. Als ein Trompeter "The End" von Jim Morrison spielte, brach Jochens Ehefrau Nina zusammen. Marko: "An dem gemeinsamen Essen danach konnte ich nicht mehr teilnehmen. Ich musste alleine sein."
Marko erklärt, warum sein Freund so besonders war: "Der Titel war nicht alleine das, was Jochen auszeichnete. Er hatte ein unglaubliches Charisma und die Ausstrahlung eines Popstars. Sein Unfall löste eine Art fassungslose Starre aus, die ich danach nur beim Unfall von Ayrton Senna nochmal erlebt habe. Ohne Jochen hätte es in Österreich nie eine Rennstrecke gegeben, vielleicht auch nie einen Fahrer in der Formel 1. Denn er war die Initialzündung für uns alle."

Autor: Ralf Bach

Fotos: ABMS / Picture Alliance

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