Die Formel 1 boomt. Max Verstappen und Red Bull haben die Mercedes-Dominanz gebrochen. Die Königsklasse eröffnet neue Märkte und feiert Zuschauerrekorde. Nur nicht in Deutschland.
Zuletzt fuhren Vettel und Co. 2020 einen deutschen Grand Prix aus. Schon damals sprang der Nürburgring nur aufgrund der Corona-Pandemie ein und musste keine Antrittsgebühren zahlen. Regulär fand der GP Deutschland zuletzt 2019 in Hockenheim statt.
Das soll sich nun wieder ändern, wenn es nach Formel-1-Boss Stefano Domenicali geht.
„Wir müssen sicherstellen, dass die traditionellen Grand Prix ihren Platz behalten“, sagt der Italiener zu AUTO BILD. „Und glauben sie mir: Ich bin enttäuscht und auch traurig, dass wir derzeit keinen deutschen Grand Prix haben. Allerdings sehe ich leider auch kein wirkliches Interesse aus Deutschland, wieder Teil des Formel-1-Kalenders zu werden. Das ist schade und eigentlich kaum zu glauben. Ich hoffe, dass sich das in Zukunft wieder ändert. Wir haben so viele Anfragen von überall auf der Welt. Wir könnten locker auf 30 verschiedenen Rennstrecken fahren. Und zu sehen, dass aus Deutschland niemand anklingelt, ist bedauerlich.“
Formel-1-Boss Stefano Domenicali
In Hockenheim und am Nürburgring erklärt man die Zurückhaltung mit einem fehlenden Business-Konzept. Millionenschwere Antrittsgelder kann und will man sich dort nicht leisten. Mit 70000 verkauften Tickets könnte man bis zu 14 Millionen Euro erwirtschaften, doch keine 20 bis 30 Millionen, die die Formel 1 zuletzt verlangt hat. Und ins Minus gehen wollen die mittelständischen Unternehmen für die Formel 1 nicht.
Domenicali ist aus Deutschland noch andere Geschäftsmodelle gewohnt. Als Ferrari-Teammanager hat er den Schumi-Boom und damit andere Zeiten erlebt – mit teils mehr als 120 000 Zuschauern und etlichen Zusatztribünen. „Ich werde diese guten alten Tage nie vergessen“, sagt er. „Die Deutschen sind leidenschaftliche Motorsport-Fans, die Stimmung am Nürburgring und in Hockenheim war immer fantastisch. In Anbetracht dieses Interesses glaube ich, dass darauf im Moment nicht die richtige Antwort gegeben wird.“
Doch der Italiener will nicht tatenlos zuschauen. „Ich möchte Anfang 2022 das Gespräch mit den Promotern aber auch anderen interessierten Parteien in Deutschland suchen“, verrät er. „Es soll eine offene Diskussion werden, um auszuloten, wie die Formel 1 nach Deutschland zurückkehren kann. Und ich werde dabei eine aktive Rolle einnehmen.“
Formel-1-Weltmeister Max Verstappen mit Stefano Domenicali
Domenicali glaubt, dass es auch ohne staatliche Subventionen gehen muss. „Nicht allzu weit von Deutschland entfernt liegt Zandvoort“, betont er. „Dort gibt es einen privaten Organisator, der auf drei Jahre im Voraus Tickets verkauft hat – natürlich dank Max Verstappen.“
Allein: Einen amtierenden Weltmeister hat Deutschland gerade nicht zu bieten. Doch der ehemalige Lamborghini-Chef sieht auch darin kein unlösbares Problem: „Wenn ich in Deutschland etwas zu sagen hätte, würde ich in junge Fahrer investieren. Wobei Ihr auch da schon jetzt gut aufgestellt seid. Mit Seb (Vettel; d. Red.) habt Ihr einen viermaligen Weltmeister und unglaublich talentierten Piloten im Feld. Ihr habt Mick Schumacher, der am Anfang einer hoffnungsvollen Karriere steht. Und es geht auch nicht ums Geld. Die Liquidität ist da. Es geht darum, das Interesse zurückzubringen, das Deutschland an der Formel 1 haben sollte. Für mich ist das eine Priorität.“
Starke Worte für die deutschen Fans, die sich über ein GP-Comeback sicher freuen würden.

Von

Bianca Garloff