Formel 1: Eddie Jordans Saisonvorschau
Ecclestone ist angeschlagen

Ex-Teamchef und Experte Eddie Jordan analysiert vor dem Saisonstart die Formel 1: Er hält Mercedes und Ferrari für mächtiger als Bernie Ecclestone.
Bild: Picture-Alliance
- Ralf Bach
- Bianca Garloff
Herr Jordan, was kann man in dieser Saison vom internen Zweikampf bei Mercedes zwischen den Erzrivalen Lewis Hamilton und Nico Rosberg erwarten?

Ex-Teamchef Eddie Jordan analysiert die Formel 1
Was spielt denn die größere Rolle in dieser Saison? Die Tatsache, dass Lewis Hamilton schon das zweite Mal in Folge Weltmeister geworden ist oder der Fakt, dass Nico Rosberg Sieger der letzten drei Grand Prix-Rennen wurde?
Genau das ist so prickelnd zu sehen. Ich kann es ehrlich gesagt nicht sagen. Ich denke, wer aus dem Auto im Qualifying am meisten herausquetscht, der wird am Ende die Nase vorne haben. Denn beide sind mittlerweile auf einem Level, dass sie ein Rennen von vorne fahren können und zu verhindern wissen, dass der andere vorbeikommt. Also: Wer die meisten Qualifyings für sich entscheidet, wird das Teamduell gewinnen. Fest steht: Die Formel 1 braucht in diesem Jahr dringend ein packendes Stallduell zwischen den beiden, das am besten erst beim letzten Rennen entschieden wird.
Es gibt aber noch Sebastian Vettel und Ferrari. Viele Experten, auch Mercedes selbst, trauen ihnen zu, ein ernsthafter Titelkandidat zu sein...

Sebastian Vettel will mit Ferrari wieder nach oben
Dann haben die meisten Experten also keine Ahnung, was Ferraris Leistungsstärke 2016 betrifft?
Ferrari wird sich verbessern, weil Sebastian Vettel dafür sorgen wird. Er hat einen immensen Einfluss auf die Arbeit des Teams. Er hat mich mal wieder überrascht, weil ich immer dachte, dass Fernando Alonso in seinen fünf Jahren bei Ferrari das Maximum aus dem Team herausgeholt hat. Sebastian aber hat schon in seiner ersten Saison mit der Scuderia gezeigt, dass dem nicht so war und man noch mehr herausholen kann. Trotzdem: Die Frage wird nicht sein, wie nahe Ferrari an Mercedes herankommen wird. Sondern: Wie nahe lässt Mercedes sie herankommen, damit die Dominanz des Sterns nicht zu offensichtlich wird. Ohne drastische Änderungen der Regeln werden auf Jahre alle nur die Rücklichter der Silberpfeile sehen. Weil sie das technische Knowhow eines Weltkonzerns mit all seinen Ressourcen haben.
Aber Mercedes selbst fürchtet doch die Stärke Ferraris in dieser Saison...

Für Jordan ist Mercedes die neue Supermacht der F1
Das hört sich so an, als würde die Formel 1 dringend Veränderungen gebrauchen?
Ja! Ja, eine Menge. Das fängt schon mal mit der Geldverteilung an. Es kann doch nicht sein, dass die großen Teams fast alles von den Fernsehgeldern bekommen und die kleineren Teams so gut wie gar nichts. Die tragen auch einen wichtigen Teil zur Show bei. Sollen die großen Teams plötzlich mit vier Autos fahren, weil es die kleinen nicht mehr gibt? Das kann nicht der Sinn der Sache sein. Irgendwie muss Bernie Ecclestone es schaffen, den Einfluss der Teams wieder zu begrenzen, besonders den von Mercedes und Ferrari. Die beiden können derzeit im Prinzip Regeln nach ihrem Geschmack machen oder verhindern. Das muss aufhören! Denn kein anderes Team hat unter diesen Voraussetzungen auch nur den Hauch einer Chance. Ecclestone muss dringend die Kontrolle über seine Formel zurückgewinnen!
Aber hat Ecclestone überhaupt noch genug Macht? Sind es nicht die jungen Manager wie Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, welche die Formel 1 längst im Hintergrund führen?

Weggefährten: Jordan mit Zampano Bernie Ecclestone
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