Das Fahrerkarussell dreht sich bereits. Auch die älteren Herren der Szene planen weiter zu machen oder wieder einzusteigen. Beste Beispiele sind Rubens Barrichello und Jacques Villeneuve.
Selbst mit dem Weltmeisterschafts-Titel im Gepäck will der Brawn GP-Pilot und Teamkollege von Jenson Button (29), Rubens Barrichello, seine Formel-1-Karriere noch nicht beenden. „Ich will auf jeden Fall weiter machen“, sagte der 37-Jährige Brasilianer im Interview mit AUTO BILD MOTORSPORT. „Auch, wenn ich Champion werden sollte, bleibe ich der Formel 1 weiterhin treu. Das Team Brawn GP schlägt sich ausgezeichnet. Außerdem verhandeln wir gerade über eine Vertragsverlängerung. Allerdings bin ich natürlich auch noch mit anderen Mannschaften im Gespräch.“
Der Brasilianer hat noch nicht genug
Rubens Barrichello will in der Königsklasse bleiben.
Bild: DPPI
Auch nach 283 gefahrenen Rennen (Rekord!) hat der Brasilianer also noch lange nicht genug von der Königsklasse. ABMS verriet er den Grund: „Nach Hondas Ausstieg hatte ich dreieinhalb Monate Zwangsurlaub. Nach zwei Wochen fühlte sich etwas falsch an. Wenn du etwas verlierst, was du geliebt hast, tust du dir selbst leid, weil du der Meinung bist, du hast es nicht genug genossen. Ich habe mir damals gesagt: Sollte ich noch einmal fahren dürfen, werde ich es vielmehr auskosten. Deshalb bleibe ich.“ Am liebsten im Team von Ross Brawn: „Ich bin optimistisch. Als das Auto im vergangenen Jahr für 13. und 14. Plätze gut war, hat Ross mein Potential ja auch gesehen. Nun siege ich wieder und kämpfe um die WM. Deshalb denke ich, meine Chancen hier zu bleiben sind größer denn je.“ Klappt das nicht, ist Barrichello heißer Favorit auf das Williams-Cockpit neben dem deutschen GP2-Meister Nico Hülkenberg (21).
Hauptargument: Erfahrung
Rechnet sich Chancen in der F1 aus: Jacques Villeneuve.
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Noch ein Oldie warb im Formel-1-Fahrerlager von Singapur für sein Comeback: Der Ex-F1-Weltmeister von 1997, Jacques Villeneuve. „Ich trainiere hart, fahre Motocross und Go-Karts. Ich spreche mit jedem Team, weil ich sie alle noch von früher kenne. Auch mit den Verantwortlichen der Neuzugänge“, sagt der 38-Jährige zu AUTO BILD MOTORSPORT. Hauptargument für seine Verpflichtung sei seine Erfahrung. „Wie man in diesem Jahr gesehen hat, sind die jungen, unerfahrenen Fahrer nicht konstant genug. Sie fahren ein oder zwei gute Rennen, kollabieren dann aber. Außerdem haben sie keine Ahnung, wie man das Auto weiterentwickelt. Gerade in diesem Jahr ist dafür aber die Zusammenarbeit zwischen Fahrer und Ingenieur gefragt. Das macht nicht mehr nur der Computer.“
Villeneuve: "Ich bin wirklich hungrig"
Doch der Sohn von F1-Legende Gilles Villeneuve spürt auch Vorbehalte gegenüber seiner Person: „Viele Teams fragen sich: Warum will ich zurückkommen? Einige glauben, ich will einen netten, bezahlten Urlaub in der F1 erleben. Dem ist nicht so. Ich bin wirklich hungrig.“ Er konkretisiert: „Den meisten Leuten gefällt die Idee mich zu verpflichten. Sie haben aber Angst davor. Denn ich habe den Ruf, dass es schwierig sei mit mir zu arbeiten. Dem ist aber gar nicht so.“ Eine Unterschrift bei einem der neuen Teams schließt Villeneuve zwar nicht aus. Er weiß aber auch: „Nicht alle vier Teams werden tatsächlich starten. USF1 wahrscheinlich nicht. Obwohl das traurig wäre, denn die haben tatsächlich das Geld. Aber die Zeit ist zu knapp. Und die neuen Teams, die es schaffen dabei zu sein, werden 2010 nur ums Überleben kämpfen.“
Schumacher braucht bedingungslose Unterstützung für Comeback
Villeneuves letzter Arbeitgeber in der Formel 1 war BMW Sauber.
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Ein F1-Wiedersehen mit seinem ehemaligen Erzfeind Michael Schumacher (40) hält der Kanadier durchaus für möglich. Dass der siebenmalige Weltmeister sein Comeback zunächst verschoben hat, kann er sogar verstehen: „Physisch war er nach seinem Motorradunfall nicht so gut drauf, wie er es hätte sein sollen. Dann durfte er den neuen Ferrari F60 nicht testen. Er hat also die Erfahrung gemacht, dass die Formel 1 ihm nicht mehr wirklich helfen will. Und dann beginnst du nachzudenken: Soll ich zurückkommen, 15. werden und aussehen wie ein Idiot? Nein. Also wartet er lieber noch ein bisschen. Ich bin sicher, seine Verletzung ist nächstes Jahr komplett ausgeheilt.“ Doch laut Villeneuve kommt Schumacher nur unter einer Bedingung zurück in die Formel 1: „Wenn das Team nicht hundertprozentig auf seiner Seite steht, wird er das Risiko nicht eingehen. Wenn er nicht überzeugt ist, dass Ferrari ihn bedingungslos unterstützt, bleibt er auf seiner Couch.“