Es ist das älteste und erfolgreichste Team der Formel 1: Ferrari. Doch in den letzten zwei Jahren fuhr die Scuderia der Spitze nur hinterher. Zwar sprang 2021 ein dritter Platz in der Konstrukteurs-WM raus. Doch das ist zu wenig für die altehrwürdige Formel-1-Dame aus Italien.
„Für Ferrari ist es eine Verantwortung, wieder nach vorne zu kommen“, sagt Teamchef Mattia Binotto deshalb auf seiner Weihnachts-Pressekonferenz. „Für Ferrari muss der Sieg immer das Ziel sein. Es liegt in unserer DNA, dass wir um Pole-Positions und Siege kämpfen müssen.“
Damit ist die Losung ausgegeben. Das italienische Traditionsteam will die neuen Technik-Regeln nutzen, um den Rückstand auf Mercedes und Red Bull wett zu machen. 2022 kommen komplett neue Autos, mit denen das Überholen einfacher werden soll. Das heißt auch: Alle fangen auf einem weißen Blatt Papier an.
Und zumindest bei der Ankündigung der Präsentation legt Ferrari vor. Die neue rote Göttin soll Mitte Februar vor den Testfahrten in Barcelona präsentiert werden. Binotto verrät: „Irgendwann zwischen dem 16. und 18. Februar zeigen wir das Auto.“
Die Kampfansage des ehemaligen Vettel-Chefs: „Die Leistung aus 2021 zu wiederholen, wäre inakzeptabel. Es tat weh, die anderen feiern zu sehen. Wir werden wieder um Siege und Poles kämpfen.“ Doch der Italiener will nicht gleich zu viel Druck aufbauen und warnt deshalb: „Aber der Weltmeistertitel auf Anhieb ist keine Verpflichtung.“
Binotto will Taten sprechen lassen und nicht nur Worte. „Wir können nicht sagen, ob wir konkurrenzfähig sein werden, weil wir keine Kristallkugel haben, aber unser Entwicklungsprogramm hat alle gesetzten Ziele erreicht. Zu sagen, dass wir Mercedes und Red Bull schlagen werden, wäre anmaßend und arrogant, aber wir werden mit ihnen spielen und kämpfen.“
Dabei weiß derzeit noch niemand, wie die neuen Autos wirklich aussehen – und ob nicht ein Team den Stein der Weisen gefunden hat. Gerüchten im Fahrerlager zufolge sollen zwei Mannschaften mit besonders innovativer Technik aufwarten. Ob Ferrari dazugehört?
Binotto: „Wenn ich über unser Projekt für 2022 nachdenke, sehe ich eine Menge Innovationen sowohl auf der Chassis- als auch auf der Motorenseite. Ich sehe ein Team, das sich in Sachen Design sehr angestrengt hat: Wir sind mit einem offenen Geist an das neue Reglement herangegangen.“ Im Windkanal habe man „Hunderte von Konzepten ausprobiert, bevor wir uns für die endgültigen Lösungen entschieden haben. Es ist ein völlig innovatives Projekt“, verrät der Teamchef.
Auch der Antrieb, der 2020 noch Ferraris große Schwäche und 2021 immer noch eine Achillesferse war, ist runderneuert worden – das letzte Mal, bevor die Motoren 2022 bis Ende 2025 eingefroren werden. Binotto: „Die Power Unit wird sich deutlich von der aktuellen unterscheiden, mit Ausnahme des Hybridteils, den wir bereits 2021 in Sotschi eingeführt haben.“ Das neue Hybridsystem war schon der erste Erfolg: Seitdem kann der Ferrari auf der Geraden der Konkurrenz von Mercedes und Honda wieder folgen.
Allerdings: Für 2022 muss der Motor allein deshalb angepasst werden, weil der Biosprit-Anteil auf zehn Prozent erhöht wird. „Das zwingt uns, die Verbrennung zu verändern“, so der Italiener. Pauschal verliere man so etwa 20 PS, die man auf anderem Wege versuche zurückzuholen.
Die Fahrer jedenfalls fiebern ihrem neuen roten Renner entgegen. Besonders Carlos Sainz hat noch eine Rechnung offen. „Ich hoffe auf meinen ersten Sieg“, betont der Spanier, der 2021 WM-Fünfter wurde und sogar vor dem hochgelobten Charles Leclerc (Platz sieben) lag. Sein Wunsch: „Ich möchte, dass das Auto einfach zu fahren ist, dass es wie eine Rakete läuft und dass wir an der Spitze stehen. Den Rest habe ich mir selbst zuzuschreiben.“
Allerdings räumt der Sohn von Rallye-Legende Carlos Sainz senior auch ein: „Ich habe das neue Auto im Simulator ausprobiert. Es wird anders zu fahren sein, zum Beispiel nicht so komfortabel in den Kurven. Es wird schnell sein, aber schwierig.“ Immerhin: Das ist besser als umgekehrt…

Von

Bianca Garloff