Ende der Pechsträhne für Charles Leclerc: Der Monegasse feiert am Sonntag in Spielberg seinen ersten Sieg seit dem Triumph Anfang April beim Australien GP. "Endlich lief es mal für uns und wir haben den Sieg geholt. Diesen hier habe ich definitiv gebraucht", sagt Leclerc mit Blick auf seine WM-Chancen.
"Die Performance des Autos ist seit Australien toll, aber außer in Miami (immerhin Zweiter hinter Verstappen; d. Red.) haben wir es trotzdem nie zusammengebracht", erzählt Leclerc in Bezug auf die zuletzt schlechten Ergebnisse: Fünfmal in Folge stand der Ferrari-Star nicht auf dem Podium. Mit dem ersten Sieg für die Scuderia in Spielberg seit 19 Jahren gelingt ihm am Sonntag endlich der Befreiungsschlag.
Doch auch der hängt bis zur letzten Sekunde am seidenen Faden. Erst scheidet Teamkollege Carlos Sainz, zu diesem Zeitpunkt Dritter und auf der Jagd nach Red Bulls Max Verstappen, spektakulär aus: Nach einem Motorschaden steht sein Ferrari am Streckenrand lichterloh in Flammen. "Quasi zur gleichen Zeit bekam auch ich ein Problem", verrät Leclerc, bei dem das Gaspedal immer wieder stecken bleibt.
"Das war sehr stressig am Ende. Das Gas kam immer inkonstant und ist mitten in der Kurve stecken geblieben. Vor allem in Kurve drei war es sehr schwer, dort will man nicht auf einmal mehr Speed bekommen", erklärt Leclerc und verrät: "Es war sehr schwer zu managen - nicht so sehr in den schnellen Ecken, aber vor allem in den langsamen Kurven. Ich bin sehr glücklich, dass wir es trotzdem ins Ziel gebracht haben."
Die ganz große Panik kommt bei Leclerc zumindest wegen Sainz‘ Problem nicht auf.

Immerhin: Die ganz große Panik kommt bei Leclerc zumindest wegen Sainz' Problem nicht auf: "Ich wusste, dass mein Problem keines mit dem Motor ist, weil es sich zwar komisch aber anders angefühlt hat. Aber natürlich ist es trotzdem eine Besorgnis", sagt der Sieger in Bezug auf die Defekte an beiden Ferrari. "Wir müssen es uns anschauen und sicherstellen, dass es nicht wieder passiert."
Nach Informationen von AUTO BILD bestand durchaus die realistische Gefahr eines Ausfalls: Leclercs Gaspedal hing immer mindestens bei 20 Prozent. Wäre das Problem mit einem noch höheren Wert aufgetreten, hätte die Hydraulik den Motor aus Sicherheitsgründen abschaltet, um das Getriebe zu retten. Teamchef Binotto räumt mit Blick auf die Schlussphase ein: "Ich muss zugeben, ich war sehr nervös und habe die letzten drei Runden deshalb auch nicht mehr angeschaut."
Am Ende kommt die Scuderia mit einem blauen Auge davon, trotzdem ist klar: So pfeilschnell Ferrari auch in Österreich wieder ist, so sehr bleibt die Zuverlässigkeit, vor allem beim Motor, die Achillesferse der Italiener: "Zweimal hatten wir in den letzten fünf Rennen bei mir Probleme (Motorschaden in Barcelona und Baku; d. Red.), jetzt wieder bei Carlos. Wir müssen diese Dinge wirklich so schnell wie möglich in den Griff bekommen", fordert Leclerc.
Teamchef Binotto sagt in Bezug auf den Verlust des zweiten Ferrari: "Natürlich war ich sehr enttäuscht darüber, was mit Carlos passiert ist. Wir müssen aber erst sehen, was los war und ob es das gleiche ist wie bei Charles in Baku." Die anhaltende Motoren-Misere ist laut Binotto "natürlich besorgniserregend. Aber die Leute in Maranello arbeiten hart, um es in den Griff zu kriegen. Ich weiß, wie gut sie sind und bin mir sicher, dass sie die Probleme bald beheben."
Allen Besserungsversprechen zum Trotz, Pechvogel Sainz ist nach seinem Feuer-Aus natürlich niedergeschlagen: "Es war keine einfache Situation. Ich habe im Rückspiegel das Feuer gesehen und bin auf die Bremse. Aber als ich aus dem Auto springen wollte, habe ich gemerkt, dass es zurückrollt. Das wollte ich verhindern und habe die Marshalls gerufen, damit sie etwas hinter den Reifen tun, aber irgendwann war so viel Feuer, dass ich raus musste", erklärt der Spanier die brenzlige Szene, die ein virtuelles Safety-Car zur Folge hat.
Immerhin: Während der Motor ein Sorgenkind bleibt, funktioniert diesmal wenigstens die Strategie-Abteilung der Roten. Denn nach Sainz' Ausfall nutzt Ferrari das VSC diesmal, um Leclerc direkt an die Box zu holen und ihm frische Reifen aufzuziehen. Zur Entscheidung sagt Teamchef Binotto: "Das war heute ein No-Brainer. Die Situation war aber ganz anders als in Silverstone (wo man Leclerc nicht stoppte; d. Red.), weil wir sicher waren, dass Max mit seinen Reifen nochmal reinkommt."
Fest steht trotzdem: Weitere Fehler oder Ausfälle in ihren Reihen kann sich die Scuderia nicht mehr erlauben, soll es mit der WM-Aufholjagd noch klappen. In der WM liegt Leclerc immer noch 38 Punkte hinter Verstappen.

Von

Frederik Hackbarth