Formel 1: Ferrari fällt weiter zurück
Vettel muss erneut Stratege spielen

Der nächste Dämpfer für Ferrari: In Hockenheim bekommt die Scuderia die Bestätigung, nur noch dritte Kraft zu sein. Arrivabene will auf Urlaub verzichten.
Bild: Picture-Alliance
- Frederik Hackbarth
Mit einer weißen Leinenhose statt des üblichen roten Beinkleides betrat Teamchef Maurizio Arrivabene nach dem Deutschland GP am Sonntag die Teamunterkunft von Ferrari und versprühte damit pünktlich zur F1-Sommerpause Ferien-Flair. Doch von Urlaubsstimmung war beim Italiener keine Spur. „Ich glaube, für mich gibt es keine Sommerpause. Denn nachdem, was wir heute gesehen haben, müssen wir hart arbeiten“, sagte der Teamchef mit grimmigem Blick. Gesehen hatte Arrivabene, wie seine beiden Piloten auf den Plätzen fünf und sechs ins Ziel kamen.
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Aufgeben wollen die Italiener allerdings nicht, immerhin steht beim übernächsten Rennen das wichtige Heimspiel der Scuderia in Monza an. So predigte Arrivabene am Sonntag Durchhalteparolen: „Wir müssen nach vorne schauen, um wieder angreifen zu können.“ Der Wunsch als Vater des Gedanken also? Vielleicht war Arrivabenes Satz auch eine Erklärung für die kuriose Szene, die sich in Hockenheim zwischen dem Ferrari-Kommandostand und Sebastian Vettel abspielte. Am Funk forderte die Scuderia den Deutschen zum Reifenwechsel auf. Dieser entgegnete jedoch: „Negativ, negativ. Die Reifen sind noch gut.“

Vettel überstimmte bei der Taktik mal wieder das Team
Ex-Weltmeister Damon Hill schmunzelte nach dem Rennen im TV: „Sebastian hat vollkommen Recht gehabt. Ich habe mich auch gefragt, wen sie mit acht Sekunden Rückstand angreifen wollen?“, so Hill. Vettel, der Ferrari-Stratege: Nicht zum ersten Mal überstimmt der Deutsche sein Team bei der Renntaktik. Auch in Baku setzte sich der Deutsche zum Beispiel über die Vorgaben des Rennstalls hinweg und sicherte damit den zweiten Platz. Arrivabene musste sich entsprechend erneut unangenehme Fragen gefallen lassen, wie es sein kann, dass sein Fahrer aus dem Auto mehr Überblick über das Renngeschehen hat als eine ganze Horde hochbezahlter Ferrari-Ingenieure am Kommandostand?

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An der mangelnden Pace Ferraris änderte das aber nichts. „Wir sind natürlich nicht zufrieden, denn wir waren weiter weg von der Spitze als erwartet“, gab Vettel zu. „Es ist enttäuschend, zuhause nicht auf's Podium zu fahren. Aber wir hatten Schwierigkeiten mit der Balance. Das Auto ist sehr gerutscht und das kostet über die Distanz viel Zeit. Alles in allem konnten wir heute einfach nicht mithalten“, sagte der Deutsche, der nun mindestens ein weiteres Jahr auf seinen ersten Hockenheim-Sieg warten muss. Daran, dass Ferrari irgendwann wieder um Siege und den Titel fährt, hat der Heppenheimer aber keine Zweifel: „Wir haben viel Arbeit vor uns. Aber wir werden nicht aufstecken“, so Vettel.
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