Formel 1: Ferrari keine "Fehlkonstruktion"
Vettel baut auf Wohlfühlfaktor

Sebastian Vettel verteidigt Ferrari vor dem Monaco GP gegen Kritik aus Italien - bezüglich seiner Siegchancen im Fürstentum bleibt der Deutsche aber vorsichtig.
- Ralf Bach
Die Menge bei der Pressekonferenz wunderte sich. Warum grinste Sebastian Vettel (31) ständig, obwohl die Ernsthaftigkeit seiner Antworten in keinem Zusammenhang mit seiner fröhlichen Miene stand?
Die Antwort: Zufällig lief im Ferrari-Motorhome die Zusammenfassung des Monaco GPs von 2017 – auf einem Bildschirm, der fast nur für den Deutschen sichtbar war. Es erinnerte den Heppenheimer an bessere Zeiten in seiner Zusammenarbeit mit Ferrari, denn das Rennen damals hat er gewonnen.
Allein: Die Gegenwart sieht etwas anders aus. Vettel: "Grundsätzlich dürften wir nicht viel Hoffnung auf einen Sieg in Monaco haben, nachdem wir in Barcelona so viel Zeit in den langsamen Kurven verloren haben. Aber hier in Monaco ist immer alles möglich. Hier kommt es sehr darauf an, dass man sich wohl fühlt mit dem Auto und den Reifen und dann den Rhythmus findet."

Mit dem Rad zur Arbeit: Vettel am Mittwoch in Monaco
Teamchef Mattia Binotto hatte das Hauptproblem kurz zuvor auf den Punkt gebracht: "Es ist in dieser Saison extrem schwierig, den richtigen Umgang mit den Reifen zu finden. Sie brauchen ganz andere aerodynamische und mechanische Voraussetzungen, um zu funktionieren. Das hat der Test nach Barcelona noch mal bestätigt."
Schlussfolgerung Binotto: "Wir arbeiten in Maranello hart daran, neue Konzepte fürs Auto zu evaluieren und bringen auch nach Monaco Updates." Vettel ergänzt: "Es ist eine Mischung aus Reifen und Auto. Beides müssen wir noch besser verstehen lernen. Da sind uns andere (er meint Mercedes; d. Red.) im Moment voraus."
Allein: Gegen den Begriff "Fehlkonstruktion" wehrt sich der Deutsche aber heftig. Vettel: "Nein, das Auto ist gut, da bin ich nach wie vor überzeugt von. Die vielen Autos, die langsamer sind als wir, die müssten sich doch viel eher mit dem Begriff Fehlkonstruktion titulieren lassen. Es ist noch viel zu früh aufzugeben. Wir werfen die Flinte nicht ins Korn."
Immerhin: Wie ABMS erfuhr, steht die Ferrari-Führungsriege hinter der Mannschaft um Mattia Binotto. So hat Camilleri dem Teamchef offenbar intern das Vertrauen ausgesprochen. Gut möglich auch, dass Ex-Chefdesigner Simone Resta, ein enger Freund Binottos, von Alfa Romeo zurück nach Maranello wechselt.
Übrigens: Auch wegen einer Frage (sie kam natürlich aus Italien) musste Vettel grinsen, hatte er den Fragesteller doch durchschaut. "Kann ein junger Fahrer mit großen Ambitionen bei langsamen Kurven den Unterschied machen?"
Die Frage war eindeutig auf Vettels zehn Jahre jüngeren Teamkollegen Charles Leclerc gemünzt und sollte suggerieren, dass der vielleicht schon schneller ist als der Deutsche. Vettel aber blieb cool: "Den Unterschied kann nur der Wohlfühlfaktor im Auto machen. Die Stimmung im Team ist extrem gut, Charles und ich ergänzen uns und stacheln uns gegenseitig an. Und das ist auch gut so."
Bleibt nur zu hoffen, dass der Deutsche im Innern die gleiche Coolness hat, die er nach außen zeigt...
Auch zum Tod von F1-Legende Niki Lauda nahm Vettel natürlich Stellung. Was er sagte, hier im Video:
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