Formel 1: Ferrari-Krise

Ferrari-Chef bittet um Geduld

In der größten Ferrari-Krise seit 30 Jahren meldet sich nun auch FIAT-Präsident John Elkann zu Wort
Das klingt nach einer Kapitulation. Ferrari-Präsident John Elkann (44) hat in der italienischen Tageszeitung „Gazzetta dello Sport“ die weiße Ferrari-Flagge geschwenkt – für 2020 und auch gleich für 2021. Man werde erst 2022 wieder konkurrenzfähig sein, so der Tenor des FIAT-Erben.
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Elkann analysiert Ferrari Situation messerscharf: "Wir haben seit 2008 keine Konstrukteurs-Weltmeisterschaft und seit 2007 keine Fahrermeisterschaft gewonnen. Es gab Siege sowohl von Red Bull mit einer großartigen Aerodynamik als auch von Mercedes wegen ihrer großen Fähigkeiten in der Hybridmotor-Technologie. Dieses Jahr sind wir nicht konkurrenzfähig. Wir haben eine Reihe struktureller Schwächen, die in der Aerodynamik und der Fahrzeugdynamik schon lange bestehen. Wir haben auch Motorleistung verloren.“

FIAT-Präsident John Elkann bittet um Geduld

Was er nicht direkt aussprechen will, aber meint: Elkann verweist damit auf den mysteriösen PS-Verlust nach dem geheimen Deal mit dem Automobilweltverband FIA und befeuert so die Spekulationen, dass die Scuderia den Antrieb 2010 außerdem der Grenzen des Regelwerks betrieben habe. Allerdings scheint er genau wie Teamchef Mattia Binotto die Schwäche zu akzeptieren.
„Unser Ziel ist es, ab 2022, wenn sich die Regeln ändern, einen neuen Zyklus zu beginnen“, so Elkann, der weiß, dass das Auto bis Ende 2021 kaum verbessert werden darf. „Ferrari war immer da und wird immer da sein. Wir werden wieder konkurrenzfähig sein und den Sieg anstreben. Wir sind zuversichtlich.“
An seinem Teamchef will der Italiener offenbar festhalten. Elkann besteht darauf, dass er „volles Vertrauen“ in Binotto habe: „Mattia hat alle Fähigkeiten und Eigenschaften für einen neuen Siegeszyklus. Er war mit Jean Todt und Michael Schumacher bei Ferrari. Mit ihm gehen wir von einer klaren Basis aus.“
Allein: Elkann muss sich die Gegenwart schönreden, wenn er sie mit Ferraris Schumacher-Historie vergleicht. „Als Todt und Schumi Ende der 1990er Jahre einen historischen Zyklus begannen, folgte der einem 20-jährigen Fasten, das 1979 begonnen hatte. Es dauerte von Todts Ankunft im Jahr 1993 bis zu dem Zeitpunkt, als er Ferrari wieder zum Sieg führte.“ Das also wird nun auch von Binotto und Charles Leclerc erwartet.
Sebastian Vettel wird in der avisierten neuen Erfolgsära nicht mehr zum Team gehören. Dazu steht Elkann. „In den vergangenen zehn Jahren hatten wir Champions wie Alonso und Vettel. Aber es ist zweifellos schwieriger, von denjenigen Geduld zu fordern, die bereits gewonnen haben, als von denjenigen, die die Zukunft noch vor sich haben.“ Auch an dieser Stelle hinkt der Vergleich mit den 90er und frühen 2000er Jahren, denn auch Michael Schumacher hatte schon zwei WM-Titel in der Tasche, als er zu Ferrari wechselte – und dann elf Jahre blieb.
Von Vettel fordert der Präsident trotzdem Unterstützung. „Die Fans wissen, dass wir bei jedem GP ohnehin alles geben werden, und Sie werden sehen, dass auch Sebastian Vettel seinen Teil dazu beitragen wird, aber ich will sie nicht täuschen. Wir müssen das Beste aus diesen letzten Monaten von 2020 und 2021 zu machen, um im Jahr 2022 wieder konkurrenzfähig zu sein.“

Fotos: Picture Alliance

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