Mit hoher Zuverlässigkeit und starker Performance gilt Ferrari bereits seit der ersten Testwoche in Bahrain als Geheimfavorit. Wie F1-Insider.com erfuhr, hat die Konkurrenz die Scuderia derzeit überraschend weit vorn auf der Rechnung.
Umso größer die Augen am ersten Tag des finalen Formel-1-Tests in der Wüste: Am Heck des SF-26 tauchte direkt hinter dem Auspuffrohr plötzlich ein neues Aero-Detail auf: ein kleiner, nach oben gezogener Flügel, der sofort Diskussionen im Fahrerlager auslöste.
Auf den ersten Blick erinnert das Bauteil an eine Mini-Version des früher üblichen Beam Wings. Genau jener Flügel also, der mit dem neuen Reglement eigentlich verboten wurde. Offiziell darf es 2026 am Heck keinen Beam Wing mehr geben. Doch Ferrari scheint eine Grauzone gefunden zu haben.

Ferrari überrascht mit Auspuff-Flügel

Das neue Element sitzt in einem Bereich, in dem die Karosserie stark reglementiert ist. Möglich ist, dass Ferrari geschickt bestehende Spielräume rund um die Heckflügel-Pylone nutzt, um die Konstruktion regelkonform zu halten. Formal also legal, zumindest vorerst.
Ferrari überrascht beim Bahrain-Test mit einem neuen Aero-Detail am Heck.
Bild: Pirelli
Technisch könnte das Teil gleich mehrere Vorteile bringen. Zum einen könnte es die Auspuffgase gezielt umlenken, sodass sie die Strömung am Heckflügel positiv beeinflussen. Zum anderen dürfte es wie eine Verlängerung des Diffusors wirken und den Luftstrom im zentralen Unterbodenbereich verbessern. Mehr Stabilität dort bedeutet in der Regel mehr Abtrieb.
Technik-Experte Gary Anderson ordnet das Detail als Teil einer größeren Entwicklung ein. Ferrari habe die kleinen Leitbleche am zentralen Diffusor vergrößert, um den Luftstrom sauberer mit dem Heckbereich zu verbinden. Das neue Element könne genau dort ansetzen und den Luftfluss rund um die hintere Crashstruktur verbessern. Das würde wiederum den zentralen Diffusorbereich effizienter arbeiten lassen. Ein wenig Erinnert das Konzept an den angeblasenen Diffusor aus der Zeit vor der Einführung der Hybrid-Antriebe 2024. Konkurrenz und FIA schauen genau hin
Interessant ist in diesem Kontext die Nähe zum Auspuff. Das Reglement schreibt eine exakte Position des Endrohrs vor – zwischen 390 und 400 Millimetern relativ zur Hinterachse und mindestens 350 Millimeter über dem Boden. Diese Vorgaben sollen verhindern, dass Teams gezielt mit Abgasen Aerodynamik betreiben. Ob Ferraris Lösung diesen Rahmen ausreizt oder überschreitet, dürfte die FIA genau prüfen.
Im Fahrerlager wird bereits gemunkelt, ob hier der Beginn einer neuen „angeblasenen“ Hecklösung zu sehen ist. Noch ist alles Spekulation. Klar ist nur: Ferrari setzt früh ein technisches Ausrufezeichen.
Und wie so oft gilt in der Formel 1: Was heute als cleverer Einfall startet, kann morgen schon zum Politikum werden. Die Frage ist nun weniger, was Ferrari da gebaut hat, sondern was die FIA davon hält.