Ferrari ist im Moment die Messlatte, ganz klar.“ Red-Bull-Motorsportchefberater Helmut Marko (75) nimmt bei AUTO BILD MOTORSPORT einen Tag vor der zweiten Testwoche, die auch gleichzeitig die letzte vor dem Saisonauftakt in Melbourne am 17. März sein wird, wie immer kein Blatt vor den Mund. „Der Ferrari ist beeindruckend. Wie viel er vor uns liegt, ist noch schwer zu sagen. Aber was wir sagen können: Wir sind klar vor Mercedes.“
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Allein: Es ist nicht nur das technische Konzept, das Ferrari im Moment so stark macht. Der neue Teamchef Mattia Binotto (49) hat es in kürzester Zeit geschafft, auch die richtigen Allianzen zu schmieden. Mit Alfa Romeo und Haas hat Ferrari zwei Satellitenteams, die den Binotto-Weg voll mitgehen. Hintergrund: Ferrari beliefert beide Teams nicht nur mit Motoren, sondern arbeitet auch insgesamt enger mit ihnen zusammen – und bekommt durch die entsprechend enge Abstimmung regelmäßig Feedback, das auch der Weiterentwicklung des eigenen Autos dient.
Red Bull hat mit Juniorpartner Toro Rosso ebenfalls ein Team, das zum Testen neuer Ideen – oder wie im Vorjahr des Honda-Motors – genutzt werden kann. „Ich glaube Mercedes steht da ein wenig alleine da“, vermutet Marko. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Einfluss, den Mercedes bei ihren Kundenteams Racing Point und Williams hat, so groß ist." Hintergrund: Williams hat sich in den letzten Jahren immer mehr vom Einfluss des Mercedes-Sportchefs Toto Wolff (ehemaliger Williams-Aktionär) befreit. Bei Racing Point ist mit Lawrence Stroll zwar ein Wolff-Kumpel am Ruder. Doch das Team hat derzeit mehr mit sich selbst zu tun, als Daten an Mercedes zu liefern.
Gerade bei der ersten Testwoche in Barcelona wurde deutlich, wie eng Ferrari und seine Partnerteams mittlerweile kooperieren. AUTO BILD MOTORSPORT erfuhr: Es gab regelmäßige Meetings zwischen Binotto und Vertretern von Sauber und Haas.
Haas
Ferrari arbeitet mit Haas und Alfa Romeo zusammen.
Interessant: Alfa und Haas gehen in der Zusammenarbeit mit Ferrari verschiedene Wege. Während Haas alle Teile, die laut Reglement erlaubt sind (wie die Lenkung), direkt von Ferrari bezieht, baut Alfa alles selbst. Allerdings: Alfa gehört zu FIAT – und damit zum Mutterkonzern von Ferrari. Ein Nebeneffekt: Alfa-Chefdesigner Simone Resta ist ein Ferrari-Mann. Immer noch. Der hochtalentierte Designer wechselte im vergangenen Jahr von Maranello nach Hinwil. Sein Gehalt, das erfuhr ABMS, bekommt der enge Binotto-Vertraute immer noch aus Maranello.
Auch wenn die Führungsriege es vehement bestreitet: Es ist schon ein komischer Zufall, dass Fiat-Tochter Alfa als einziges Team neben der anderen Fiat-Tochter, Ferrari, die innovative Frontspoiler-Variante mit den nach außen abfallenden hinteren Flaps wählte.
Bedeutend ist auch: Ferrari-Motorchef Luigi Fraboni ist an der Strecke ebenfalls für Alfa zuständig. Für Experten wie Ex-Formel-1-Pilot Marc Surer steht deshalb fest: „Gerade in der Zeit, in denen Testfahrten so beschränkt sind, ist es wichtig, dass man auf legalem Weg so viele Daten wie möglich sammeln kann. Und Alfa und Haas profitieren ja auch davon."
Marko stimmt dem zu: „Toro Rosso hat mit Honda Entwicklungsarbeit für uns geleistet und wahrscheinlich sogar einige Rennen dafür geopfert. Aber das macht sie 2019 stärker. Sie profitieren auch davon."
Fest steht: Während Ferrari und Red Bull in der zweiten Testwoche schon Tests für das Rennen in Melbourne absolvieren können, muss Mercedes eine schwerwiegende Entscheidung treffen. Bleibt man beim eigenen Frontflügel-Konzept oder baut man das Auto in Richtung der Ferrari-Variante um? Die B-Version wäre realistisch erst beim fünften Rennen in Barcelona einsatzbereit. Das Problem: Mercedes ist auf sich alleine gestellt. Auf Daten der Partnerteams können sie nicht zurückgreifen.