Das vorläufige Aus für die Formel-1-Ambitionen von US-Megatalent Colton Herta kommt in Amerika erwartungsgemäß schlecht an. Die FIA hat mit ihrem klaren Nein zu einer Superlizenz für den 22-jährigen IndyCar-Piloten dafür gesorgt, dass Red Bull das Werben um Herta am Freitag vorerst aufgeben musste (AUTO BILD MOTORSPORT berichtete: Alle Hintergründe hier).
Einem Rennfahrerkollegen von Herta platzt deswegen nun der Kragen: "Die Formel 1 ist ein elitärer Sport. Uns wollen sie nicht, das darf man nicht vergessen. Sie nehmen gerne das Geld von US-Firmen und reichen Amerikanern. Aber der Rest interessiert sie nicht. Das war schon immer so und wird auch immer so sein", poltert IndyCar-Pilot Graham Rahal auf Twitter.
Rahal reagiert damit auf einen Beitrag des populären Motorsportkommentators Dave Moody. Dieser hatte geschrieben: "Die Formel 1 hat das für viele Jahre sehr klargemacht: Sie haben kein Interesse an US-Fahrern, nur an US-Dollars."
Der Fall Colton Herta wird zum Reizthema im Rennsport

Die Königsklasse ist seit 2017 in Händen der amerikanischen Investorengesellschaft Liberty Media, hat seitdem sukzessive den US-Markt erobert. Nächste Saison finden mit Miami, Austin und Las Vegas schon drei Rennen in den USA statt - nach der Absage an Herta wird es aber trotz des F1-Booms in den Staaten auch 2023 keinen US-Piloten im Feld geben.
Für Rahal völlig unverständlich. In Bezug auf Herta legt der Sohn von US-Rennlegende Bobby Rahal nach: "Und an alle, die sagen wollen, dass sich Colton das Recht (in der F1 zu fahren; d. Red.) nicht "verdient" hätte: Ihr seid neben der Spur. Er ist so talentiert wie der Rest, wenn nicht noch mehr. Er ist bewiesenermaßen ein Sieger. Er hat es an die Spitze geschafft und schlägt sich außergewöhnlich gut."

Letzter F1-Ami enttäuscht: "Geld sticht Talent aus"

Bei seinem Rundumschlag spottet Rahal im Gegenzug viel mehr über die Königsklasse: "Die Formel 1 hat seit Jahren Paydriver, die im Vergleich zu Colton Herta kein Land sehen. Das sind Fakten!" Geht es nach einem anderen IndyCar-Fahrer, hat sich die F1 mit dem Veto gegen Herta jedenfalls keinen Gefallen getan: "Ihr Verlust. Der Junge ist eine Attraktion", findet Scott McLaughlin.
Auch Alexander Rossi, der bislang letzte Amerikaner in der Formel 1, der 2015 fünf Rennen für Marussia fuhr, meldet sich zu Wort: "Ich habe meinen Mund lange genug gehalten, aber ich bin so krank und müde von diesem ganzen Hin und Her mit den Superlizenzpunkten. Eigentlich waren die mal dazu gedacht, um zu verhindern, dass sich Leute ihren Weg in die F1 erkaufen können."
Die IndyCar-Serie ist die Formel 1 Nordamerikas

Enttäuscht stellt Rossi aber fest: "Motorsport bleibt weltweit am meisten der Spitzensport, wo Geld Talent ausstechen kann." Für den Ex-Formel-1-Piloten steht fest: "Das kostet Colton die Möglichkeit, für sich selbst zu entscheiden und den Weg in seiner Karriere einzuschlagen, um in der F1 zu fahren." Acht von 40 Punkten fehlen Herta aktuell zur nötigen Superlizenz.
Kritik gab es deshalb zuletzt vor allem für die Einstufung der einzelnen Rennserien bei der Punktevergabe: So ist in den direkt der Formel 1 und FIA unterstellten Nachwuchsserien Formel 2 und Formel 3 ein Großteil der Meisterschaftsplatzierungen viel höher bewertet, gleiches gilt auch für die Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC. Selbst in der deutlich langsameren und leistungsschwächeren Formel E kann ein Pilot gleich viele Punkte sammeln wie im Oberhaus des US-Formelsports.

Von

Frederik Hackbarth