Formel 1: Flörian König im Interview
"Niki ließ mich an der Landebahn pinkeln"

Niki Laudas Tod schockt die Fans ebenso wie sein spontaner Rückzug als RTL-Experte. Damals erinnerte sich Florian König an seine Anekdoten mit Lauda.
Dieses Interview wurde nach Niki Lauda Rücktritt als RTL-Experte Ende 2017 geführt.
Herr König, haben Sie den Schock verdaut, den Niki Lauda Ihnen in Abu Dhabi mit seinem Rücktritt live verpasst hat?
Florian König: Ich merkte gleich: Jetzt kommt was Außergewöhnliches. Niki hatte vorher tief ein und ausgeatmet. Das tat er sonst nie. Er erwischte mich in diesem Moment ein bisschen auf dem falschen Fuß. Aber jetzt mit ein wenig Abstand muss ich sagen: größter Respekt.
Haben Sie hinterher noch mal ein bisschen darüber geredet?

Der große Knall beim Finale: Lauda tritt live zurück
Wie viel bedeuten Ihnen die 21 Jahre, die Sie mit Niki Lauda moderiert haben?
Sehr viel. Es war eine tolle Zeit. Ich hab es als wirkliches Privileg empfunden, mit so einer Ausnahmepersönlichkeit zusammen arbeiten zu dürfen. Manches hat mich auch beeindruckt. Wie klar und teilweise emotionslos er Entscheidungen trifft, wie strukturiert er denkt. Obwohl er ja überhaupt kein emotionsloser Mensch ist.
Erinnern Sie sich an den Anfang?
1996 hatten wir zum Australien GP die erste gemeinsame Sendung. Ich hatte eine große Ehrfurcht vor ihm - da war der Unfall am Nürburgring, der Absturz mit vielen Toten bei seiner Airline und so weiter... Diese Ehrfurcht hat er mir aber schnell genommen, weil er ja doch ein umgänglicher Typ ist und keiner, der Superstar-Allüren hat. Wenn man mit ihm reist oder ihn im Ausland begleitet, merkt man schon, dass er überall auf der Welt erkannt wird - und wie wenig er sich wirklich darauf einbildet.
Können Sie sich an eine witzige Anekdote erinnern?

König arbeitete seit 1996 mit Lauda bei RTL zusammen
Sie haben gemeinsam auch den Erfolg von Michael Schumacher bei Ferrari erlebt...
Ja, das war natürlich auch ein Geschenk für uns. Niki ist jemand, der sehr analytisch auf seine Formel 1-Karriere zurückblickt. Da gab es sicherlich Fahrer, die noch schneller waren als er. Trotzdem hat er es mit unglaublicher Cleverness und Hingabe gelöst, dreimal Weltmeister zu werden. Bei Michael kam beides zusammen - dieses außergewöhnliche Talent und seine Arbeitseinstellung. Das hat Niki allergrößten Respekt abgenötigt. Vor allen Dingen, wie er diesen Saustall Ferrari, der das ja damals war, auf Linie gebracht hat.
Als Niki Mercedes-Aufsichtsrat wurde; wie sehr mussten Sie balancieren zwischen Niki Lauda dem Experten und Niki Lauda, dem Mercedes-Aufsichtsrat?

Abschiedsselfie: Lauda und König zuletzt in Abu Dhabi
Da Ihr Kollege jetzt weg ist; müssen die Fans Angst haben, dass Sie auch aufhören?
Das hängt maßgeblich davon ab, ob RTL wieder den Zuschlag für die TV-Rechte bekommt. Ich persönlich würde diese verrückte Sportwelt sehr gerne noch eine lange Zeit begleiten.
Das Interview erschien am 8. Dezember 2017 online.
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