Reaktionen zum Lauda-Rücktritt

Formel 1: Flörian König im Interview

"Niki ließ mich an der Landebahn pinkeln"

Niki Laudas Rücktritt als TV-Extperte überraschte die Fans und schockte Florian König vor laufenden Kameras. Jetzt spricht der RTL-Moderator im Interview.
Herr König, haben Sie den Schock verdaut, den Niki Lauda Ihnen in Abu Dhabi mit seinem Rücktritt live verpasst hat?
Florian König: Ich merkte gleich: Jetzt kommt was Außergewöhnliches. Niki hatte vorher tief ein und ausgeatmet. Das tat er sonst nie. Er erwischte mich in diesem Moment ein bisschen auf dem falschen Fuß. Aber jetzt mit ein wenig Abstand muss ich sagen: größter Respekt.
Haben Sie hinterher noch mal ein bisschen darüber geredet?

Der große Knall beim Finale: Lauda tritt live zurück

Eigentlich wenig. Er war dann auch relativ schnell weg. Ich hab ihm noch mal geschrieben und er hat auch zurückgeschrieben. Wir sind absolut im Guten auseinander gegangen.
Wie viel bedeuten Ihnen die 21 Jahre, die Sie mit Niki Lauda moderiert haben?
Sehr viel. Es war eine tolle Zeit. Ich hab es als wirkliches Privileg empfunden, mit so einer Ausnahmepersönlichkeit zusammen arbeiten zu dürfen. Manches hat mich auch beeindruckt. Wie klar und teilweise emotionslos er Entscheidungen trifft, wie strukturiert er denkt. Obwohl er ja überhaupt kein emotionsloser Mensch ist.
Erinnern Sie sich an den Anfang?
1996 hatten wir zum Australien GP die erste gemeinsame Sendung. Ich hatte eine große Ehrfurcht vor ihm - da war der Unfall am Nürburgring, der Absturz mit vielen Toten bei seiner Airline und so weiter...  Diese Ehrfurcht hat er mir aber schnell genommen, weil er ja doch ein umgänglicher Typ ist und keiner, der Superstar-Allüren hat. Wenn man mit ihm reist oder ihn im Ausland begleitet, merkt man schon, dass er überall auf der Welt erkannt wird - und wie wenig er sich wirklich darauf einbildet.
Können Sie sich an eine witzige Anekdote erinnern?

König arbeitete seit 1996 mit Lauda bei RTL zusammen

Ich bin mal mit ihm zurückgeflogen aus der Türkei nach Wien. Ich musste mal dringend und fragte: „Hast Du eine Toilette im Flugzeug?“ Er meinte: „Ja, aber die ist nicht zum Benutzen“. Wieso? Antwort: „Das nervt immer so, die zu reinigen.“ Und so hat er mich dazu verdonnert, am Rasen neben der Landebahn zu pinkeln. Und da ist natürlich die Sache mit seiner offenen Hose. In der ersten Sendung blitzte da irgendwie so eine orangefarbene Boxershort durch und ich war mir nicht so sicher, ob das jetzt die Unterhose war. Aber das war sie. Ich hab ihn dann gebeten, die Hose doch zuzumachen. Dann hat er mir erklärt: Das gibt es nicht. Er hat den unteren Knopf offen gelassen und das ist bis heute so geblieben.
Sie haben gemeinsam auch den Erfolg von Michael Schumacher bei Ferrari erlebt...
Ja, das war natürlich auch ein Geschenk für uns. Niki ist jemand, der sehr analytisch auf seine Formel 1-Karriere zurückblickt. Da gab es sicherlich Fahrer, die noch schneller waren als er. Trotzdem hat er es mit unglaublicher Cleverness und Hingabe gelöst,  dreimal Weltmeister zu werden. Bei Michael kam beides zusammen - dieses außergewöhnliche Talent und seine Arbeitseinstellung. Das hat Niki allergrößten Respekt abgenötigt. Vor allen Dingen, wie er diesen Saustall Ferrari, der das ja damals war, auf Linie gebracht hat.
Als Niki Mercedes-Aufsichtsrat wurde; wie sehr mussten Sie balancieren zwischen Niki Lauda dem Experten und Niki Lauda, dem Mercedes-Aufsichtsrat?

Abschiedsselfie: Lauda und König zuletzt in Abu Dhabi

Für ihn war das sicher auch schwierig. Weil wir natürlich schon die Hoffnung und die Erwartung hatten, dass er das klar trennen kann. Aber das geht nicht. Ich habe dann versucht, mich als Gegengewicht zu positionieren. Zum Schluss hatte ich überhaupt nicht mehr den Eindruck, dass es ein Problem ist. Aber: Jeder Ingenieur von Mercedes spricht mit ihm über alles. Und die wissen ja auch über die Konkurrenz Bescheid. Fürs Fachliche war das super.
Da Ihr Kollege jetzt weg ist; müssen die Fans Angst haben, dass Sie auch aufhören?
Das hängt maßgeblich davon ab, ob RTL wieder den Zuschlag für die TV-Rechte bekommt. Ich persönlich würde diese verrückte Sportwelt sehr gerne noch eine lange Zeit begleiten.

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance / RTL

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