Formel 1: Fuck-you-Bottas

Formel 1: Fuck-you-Bottas

Mein Gott, Valtteri!

Valtteri Bottas konnte sich eine Nachricht an seine Kritiker nach dem Sieg beim GP Russland nicht verkneifen. Kolumne von Ralf Bach
 Mein Gott, Valtter(i)! Wie sehr müssen Deine Nerven blank gelegen haben. Wie sehr muss das Lava in Dir gebrodelt haben. Denn Dein Funkspruch nach Deinem Sieg in Sotchi kam einem Vulkanausbruch gleich. Statt sich nur über Deinen Erfolg beim GP von Russland zu freuen, musstest Du gleich Deinen Zweiflern via Bordmikrofon mitteilen, was Du über sie denkst: "To whom it may concern: Fuck you!"Ich übersetze das mal sehr frei: "Alle, die es betrifft: Legt Euch gehackt!"
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Grundsätzlich ist es ja gut, aus seinem Herzen keine Mördergrube zu machen. Man lässt negative Energien frei, kotzt die Dämonen aus, bevor sie im Körper speziell im obersten Teil davon nicht wieder korrigierbare Schäden anrichten können. Aber bitte, welche Dämonen?
Wie es aussieht hast Du doch nur auf einen der unzähligen feigen Typen reagiert, die die Anonymität und Unsichtbarkeit der neuen Medien nutzen, um Dir, einen zugegeben bösen Tweet zu schicken: "Glaubt irgendwer, dass du da bist, um zu gewinnen? Du wirst ein guter Junge sein und tun, was sie dir sagen, und Lulu (Hamilton) wie immer gewinnen lassen“, hat Dir ein gewisser norahc geschrieben, nachdem Du im Qualifying wieder mal hinter Deinem Teamkollegen gelandet bist.
Du hast ihm ja auch gleich danach die Wichtigkeit gegeben, die er nicht verdient – indem Du ihm auch noch gleich am Samstagabend geantwortet hast: "Ist mir egal, was du glaubst, Freundchen. Ich glaube dran. Mit deiner Einstellung hätte ich in meiner Karriere nie eine Chance gehabt, nie. Ich werde nicht aufgeben!"

Valtteri Bottas

Ja, Du hast recht, man soll nie aufgeben! Wenn man schwer krank ist, soll man bis zuletzt weiterkämpfen. Wenn man keine Hoffnung mehr sieht, soll man sich welche machen. Aber weißt Du nicht, dass dieser norahc völlig egal ist? Dass er gleich zu seinen Kumpeln rannte und ihnen stolz zeigte, wer ihm geschrieben hat? Und dass dieser Mister X, der sich einmal in seinem Leben aus der grauen Masse der Normalität abheben wollte, wahrscheinlich das nächste Mal der erste in der Schlange sein wird, um mit Dir ein Selfie machen zu können, wenn er die Möglichkeit hat?
Was mich wundert: Ist Deine extreme emotionale Reaktion, die eher an die eines überforderten italienischen Ferrari-Ingenieurs erinnert, der schon wieder das falsche Teil für sein rotes Auto konstruiert hat, als an die eines coolen Wikingers, etwa deshalb so unentspannt gewesen, weil Mister Wichtig Dich im Kern Deiner Seele getroffen hat? Das wäre eine Erklärung.
Wie auch immer: Sei lieber der finnische Cowboy, der Du sein solltest, weil Du ja schließlich ein Landsmann von der Mutter aller coolen Rennfahrer bist: Kimi Räikkönen. Lass Lewis Lewis sein und finde Dich damit ab, dass Du zumindest ab und zu in der Lage bist, eines der größten Natur-Vollgastiere aller Zeiten zu schlagen. Dein Leben ist doch schön: Du verdienst extrem viel Geld, reist um die Welt, weil Du Dein Hobby zum Beruf gemacht hast. Wer kann das schon von sich behaupten? Erkenntnis ist der erste Schritt zur vollkommenen Entspannung.
Ich weiß doch, dass Du die Anlagen hast, der Lehre Eures weisen finnischen Entspannungs-Gurus Kimi folgen zu können. Vor vier Jahren, nachts in der Bar des Hilton-Hotels im Fahrerlager in Baku, warst Du zu recht am Boden zerstörst. Du warst der überlegene Fahrer im Rennen zuvor. Bis kurz vor Schluss ein Reifenschaden die Träume Deines schon sicher geglaubten und auch verdienten Sieges platzen ließ.
Du warst zu recht untröstlich und hast an der Gerechtigkeit dieser Welt gezweifelt. Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve erklärte Dir damals das Universum und Dein Kumpel von den FIA-Kommissaren, Mika Salo, stimmte ihm stumm mit jedem Bier mehr zu, das Du auf Deine Rechnung zum Tisch hast bringen hast lassen. Am Ende der Nacht hatte ich den Eindruck, dass Du jetzt ein weiser Mann bist. Ich habe mich getäuscht. Du brauchst noch mehr Nächte dieser Erkenntnis. Am besten mit Guru-Kimi.

Autor: Ralf Bach

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