Ein Jahr ist es erst her und doch schon so weit weg. Die Prognosen für die beiden Rennen zum Großen Preis von Großbritannien in Silverstone 2021 und 2022 zeigen, wie schnell sich in der Königsklasse des Automobilsports die Machtverhältnisse ändern können.
Konstant ist nur eins: Auch in diesem Jahr reist Max Verstappen (24) als Favorit zum Traditionsrennen nach England. Nur seine Konkurrenten sind andere. War es 2021 noch Mercedes-Superstar Lewis Hamilton (37), der in seinem Heimatland mit aller Macht versuchte, seinen Rückstand auf den niederländischen Red-Bull-Piloten zu verringern, so ist es in dieser Saison Ferrari-Pilot Charles Leclerc (24), der sich auf gleicher Mission befindet.
Was Leclerc Hoffnung machen kann: Hamilton gelang es vor einem Jahr, eine Trendwende herbeizuführen. Nach einer spektakulären Kollision mit Verstappen gewann der Brite das Rennen. Verstappen musste wütend aus dem Krankenhaus zusehen, wie sich Hamilton von seinen Landsleuten feiern ließ. Der WM-Kampf hatte sich in Silverstone auf dramatische Weise zugespitzt.
Verstappen, Leclerc
Ralf Schumacher: "Verstappen und Leclerc gehen respektvoller miteinander um."

Allein: Eine Kollision droht derzeit keinesfalls. "Verstappen und Leclerc gehen respektvoller miteinander um", stellt Sky-Experte Ralf Schumacher (45) bei Auto Bild fest. "Sie haben das gleiche Alter, kennen sich schon seit Jahren. Im Kampf gegen Lewis waren und sind bei Max mehr Emotionen im Spiel. Und die sind auch heute noch zu merken. Natürlich spielt dabei die Kollision von Silverstone eine große Rolle."
Fest steht: Leclerc muss wie Hamilton vor einem Jahr Punkte aufholen und versuchen, die WM wieder zu seinen Gunsten zu drehen. Der Monegasse hinkt derzeit 46 Zähler hinterher, einen weiteren Ausfall wollen und können sich er und sein Ferrari-Team nicht leisten.
Was erschwerend für Leclerc und gut für Verstappen ist: Mercedes und Hamilton setzen alles daran, in Silverstone wieder konkurrenzfähig zu sein. Den Titel hat das Silberpfeil-Team um Teamchef Toto Wolff und Mega-Star Hamilton zwar schon abgeschrieben, aber einzelne Siege nicht. Das Heimrennen in Silverstone ist dabei das wichtigste Rennen der Saison.
Und man ist auch optimistisch, dass auf dem ultraschnellen ehemaligen Royal-Air-Force Flughafen die alte Stärke zurückkommen könnte. Die Statistik spricht jedenfalls dafür: Mercedes gewann seit 2013 acht von zehn Formel-1-Rennen in Silverstone. Technikchef James Allison traut seinem bisher gebeutelten Team in Silverstone eine Trendwende zu.
"Ich denke", so Allison bei Sky, "die Strecke könnte dem Auto liegen. Wenn wir es durch Maggotts und Becketts und die schnelleren Kurven zähmen können, haben wir eine gute Chance auf ein konkurrenzfähiges Wochenende."
Verstappen, Leclerc
Bei Red Bull traut man dem Frieden und Trend noch nicht.

Anders als vor einem Jahr könnte das Max Verstappen sogar in die Karten spielen und ihm die Titelverteidigung sogar noch leichter machen. Denn wenn Mercedes Ferrari Punkte wegnimmt, hilft das auch dem Niederländer.
Allein: Bei Red Bull traut man dem Frieden und Trend noch nicht – obwohl Verstappen sechs der bisher neun Saisonrennen gewonnen hat."
Nach drei Rennen in diesem Jahr hatten wir 46 Punkte Rückstand, jetzt 46 Punkte Vorsprung. Im letzten Jahr kamen wir mit 32 Zählern Vorsprung nach Silverstone, zwei Rennen später waren wir hinten. Das zeigt, dass man sich in der Formel 1 nie in einer Komfortszene ausruhen kann", sagt Red-Bull-Chefberater Helmut Marko (79) bei Auto Bild. "Aber nach Silverstone wissen wir mehr. Wir schauen nur auf uns. Unser Ziel ist deshalb klar: volle Attacke. Wir wollen jedes Rennen gewinnen. Das ist der beste Weg, den Titel zu verteidigen."

Von

Ralf Bach