Formel 1: Gründe für Ferrari-Pleite

Ist Ferraris Frontflügel schuld?

Ferrari rätselt, wie man vom großen Favoriten zum klaren Verlierer abrutschen konnte. Jetzt ist der Frontflügel in Verdacht.
Die Fragezeichen in den Augen der Ferrari-Teammitglieder waren groß am vergangenen Wochenende in Australien. Als Favorit war man an die Strecke im Albert Park gekommen, als Verlierer des ersten Saisonrennens wieder gefahren. Dabei waren sich sogar Experten einig: "Weder Ferrari versteht, warum sie plötzlich so schlecht waren noch Mercedes, warum der Silberpfeil plötzlich so stark war", sagt Lamborghini-Präsident Stefano Domenicali zu AUTO BILD MOTORSPORT.
Der Italiener war als Experte des britischen Fernsehens vor Ort und musste mit ansehen, wie sein Freund Mattia Binotto die erste Krise seines Daseins als Ferrari-Teamchef durchleben musste. Aus dem Mund von Binotto klang die Verzweiflung so: "Vom 1. freien Training an hatten wir nie die richtige Balance und ständig Reifenprobleme. Wir haben am Samstag ein anderes Set-up ausprobiert, aber es war auch nicht besser. Nach dem Qualifying konnten wir wegen der Parc-ferme-Regeln nichts mehr machen."
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Ein Teufelskreis. "Das Problem an der Sache: Wir haben das Problem noch nicht verstanden. Wir sind noch immer zuversichtlich, dass das nicht das Potenzial unseres Autos war. Es war uns hoffentlich eine gute Lektion, wenn wir es dann verstanden haben", gibt Binotto zu. 

Mercedes fuhr in Australien mit einem Frontflügel, der viel Abtrieb erzeugte.

Sebastian Vettel verriet: "Während wir letztes Jahr ein schlechtes Heck hatten und das Auto auf Untersteuern trimmen mussten, war es diesmal genau das Gegenteil." Heißt auch: An der Vorderachse fehlte schlichtweg die Haftung.
Unter Verdacht: der neue Frontflügel, der mit seinen nach außen abfallenden hinteren Flaps die Luft um die Vorderräder herum leitet und so den Ansaugeffekt im Heck verstärkt. Das Problem: Vorn steht er weniger im Wind, sorgt ergo auch für weniger Abtrieb. Die Vermutung einiger Techniker: Auf der topfebenen und extrem glatten sowie aerodynamisch anspruchsvollen Piste beim Test in Barcelona hat dieses System funktioniert. Auf der Buckelpiste mit extrem wenig Grip sowie vielen langsamen und mittelschnellen Kurven im Albert Park dagegen nicht. Weil der fehlende Grip an der Vorderachse nicht so einfach mit einem aerodynamisch effizienten Auto aufzufangen ist.
Red Bulls Helmut Marko fiel auf: "Ferrari fährt hier mit ungewöhnlich steilen Flügeln." Das wiederum dürfte gemeinsam mit der schlechten Traktion auch den Top-Speed-Nachteil von fast 20 km/h gegenüber der Spitze erklären. Für diese Theorie spricht auch, dass Mercedes – deren Silberpfeil mit einem konventionellen Frontflügel ausgestattet ist – plötzlich vor Ferrari war. Genauso wie auch der Haas dichter ran kam an die roten Renner.
Die zweiten Hauptverdächtigen sind die Reifen. "Die sind so steif, dass man sie auf einer Strecke mit wenig Grip nur schwer zum Arbeiten bekommt", verrät Helmut Marko. "Das Problem hatten wir auch. Aber wenn sie dann mal die richtige Temperatur haben, ist der Performancegewinn unglaublich." Wahrscheinlich ist sogar, dass Ferraris fehlender Abtrieb dazu beigetragen hat, dass das schwarze Gold am roten Renner nie richtig funktionierte.
Sebastian Vettel steckt den Kopf trotzdem noch nicht in den Sand: "Wir haben alle Zutaten für ein starkes Auto", sagt er. "Und nicht jede Strecke ist wie Melbourne."
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Autoren: , Ralf Bach

Fotos: Picture-alliance

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