Den ersten Erfolg des Jahres kann das Haas-Team von Mick Schumacher (22) schon verbuchen: Die US-Amerikaner sind die erste Mannschaft, die ihr brandneues Formel-1-Auto der Öffentlichkeit präsentiert hat.
Zwar zeigen die 3D-Renderings noch nicht das endgültige Modell. "Das Auto ist eine Entwicklungsstufe", bestätigt Teamchef Günther Steiner in einer Presserunde u. a. mit ABMS. "Es wird sich noch ein bisschen was ändern." Doch die Tendenz ist klar: Haas will wieder mehr Gas geben als im vergangenen Jahr, als man das Schlusslicht der Königsklasse bildete.
Grund zur Hoffnung hat Steiner. Die Zusammenarbeit mit Ferrari ist noch enger als in der Vergangenheit. Mehr als 30 Ex-Ferrari-Mitarbeiter haben Schumi juniors neuen Renner unter der Federführung von Ex-Ferrari-Designer Simone Resta in einer Halle auf dem Ferrari-Werksgelände in Maranello entwickelt. Die Kooperation ist legal und dürfte besonders Ferrari-Junior Mick Schumacher entgegenkommen. Wichtig auch mit Blick auf 2022: Als einziges Team hat Haas die Saison 2021 geopfert, um sich frühzeitig auf die neuen Regeln zu konzentrieren.
Günther Steiner
Haas-Teamchef Günther Steiner erwartet 2022 viel von seinen Fahrern.

"Die Aufbruchstimmung ist ähnlich wie 2016 vor unserer ersten Saison in der Formel 1", schwärmt der Südtiroler. "Die Jungs sind sehr guter Laune, sehr motiviert. Jetzt schauen wir, dass das Auto unseren Ansprüchen entspricht."
Die sind klar: Haas will den Sprung ins Mittelfeld schaffen. Heißt also: Der Teamchef fordert Plätze unter den ersten Zehn und damit die ersten Punkte von Mick Schumacher! Steiner: "Die Erwartung an Mick ist die, die er sich selbst stellt: Wir wollen um Punkte kämpfen, das ist unser Ziel. Ich bin sicher, dass wir das schaffen können. Mick hat sehr viel gelernt und wird noch viel lernen."

Mick Schumacher macht größten Schritt oft in der zweiten Saison

Dazu passt: Bisher hat der Sohn von Rekordweltmeister Michael Schumacher den größten Schritt immer in seiner zweiten Saison in einer Rennserie gemacht. Das weiß auch Steiner. Der allerdings hat beobachtet: "Mick war auch Ende letzten Jahres schon sehr stark. Eine Formel-1-Saison ist länger als alles andere, was er zuvor gefahren ist. Vielleicht kam die Steigerung deshalb gefühlt früher. Aber wenn er noch eine Riesensteigerung machen würde, würde es uns natürlich alle freuen."
Vom Lob seines Teamchefs kann sich Schumacher aber noch nichts kaufen. Einen Nummer-1-Status hat er nicht. Teamkollege Nikita Mazepin, der 2021 deutlichen Rückstand hatte auf den Deutschen, bekommt die nächste Chance. "Beide haben gleichwertige Verträge", verrät Steiner. "Sie müssen sich ihren Vorteil auf der Strecke erarbeiten."
Mick Schumacher
Mick Schumacher.

Dass es dabei zu ähnlichen Auseinandersetzungen kommt wie im vergangenen Jahr mit Kollisionen und teils unfairen Manövern auf der Strecke, wünscht sich Steiner natürlich nicht. "Ich hoffe, es steigert sich nicht wieder", sagt er. "Wenn man um Punkte kämpft, muss man aufpassen, dass man die nicht im Kampf mit dem Teamkollegen wieder verliert. Denn dann verliert auch das Team die Punkte. Ich hoffe, dass sie da weitermachen, wo sie in der zweiten Saisonhälfte aufgehört haben." Da ging es schon deutlich gesitteter zur Sache zwischen dem Deutschen und dem Russen.
Das Hauptziel ist klar: "Schnell zu fahren", lacht Steiner. "Letztes Jahr haben die Jungs Formel 1 gelernt, jetzt wollen und sollen sie das umsetzen, was sie sich erarbeitet haben. Wenn wir im Mittelfeld mitkämpfen können, bin ich schon zufrieden."
Mick Schumacher hat seine Sitzprobe bereits hinter sich. Steiner: "Er stand auch regelmäßig mit dem Ingenieuren in Kontakt und hat sich über alle Fortschritte informiert." Erstmals ins fertige Auto steigen wird er wohl am 21. Februar in Barcelona. Dann absolviert Haas einen Filmtag. Am 23. Februar beginnen die Wintertestfahrten. Und für Mick Schumacher die "Mission Punkte".

Von

Bianca Garloff