Seit Oktober 2023 musste Lewis Hamilton (39) auf dieses Gefühl warten. Da stand der Brite letztmals vor dem GP Spanien auf dem Podium. Zur Feier des Tages machte sich der siebenmalige Weltmeister nach dem Rennen in Barcelona am vergangenen Sonntag deshalb erstmal lang. In der offiziellen Pressekonferenz legte er sich quer auf die Couch, während er auf Max Verstappen und Lando Norris warten musste.
Ein Bild, das man auch symbolisch verstehen kann: Hamilton macht Verstappen und Co. ihren Platz an der Spitze der Formel 1 wieder streitig.
Denn trotz eines vermasselten Starts rast der Engländer unter anderem an Carlos Sainz und seinem eigenen Teamkollegen George Russell vorbei aufs Podest. Mit einer strategischen Entscheidung, die auch aus seinen Glanzzeiten hätte stammen können.
Lewis Hamilton
Lewis Hamilton stand seit Oktober 2023 das erste Mal wieder auf dem Podium
Bild: Sam Bloxham / Mercedes
Denn bei seinem zweiten Boxenstopp setzt er anders als Russell auf die weiche Mischung und fliegt damit an seinem Teamkollegen vorbei. "Das war von Beginn an der Plan, es war für mich heute nie eine Option den Hart zu fahren", spielt Hamilton den Taktik-Kniff anschließend herunter. "Deshalb bin ich Soft, Medium, Soft gefahren."

Hamilton: "Ein paar Zehntel fehlen noch"

Doch nicht nur das: Auf den letzten gemeinsamen Metern flammt die alte Liebe zu seinem Silberpfeil wieder auf, mit dem er immerhin sechs von sieben WM-Titel geholt hat. "Wieder zurückzukommen ist großartig. Wir haben die Lücke jetzt ein bisschen geschlossen. Aber ein paar Zehntel fehlen noch. Wir müssen jetzt einfach auf allen Seiten pushen", gibt Hamilton die neue Losung aus, die ihn künftig noch häufiger aufs Podium führen soll.
Auch Teamchef Toto Wolff, der sich am Wochenende mit drastischen Worten und alter Kampfeslust verbal gegen Hater zur Wehr setzte, die dem Team via Email mit wirren Erklärungen und infamen Drohungen Sabotage unterstellten, freut sich für seinen bald zu Ferrari abwandernden Superstar. "Es ist gut zu sehen, dass er ein gutes Wochenende hatte, denn es war jetzt schon eine Weile, dass er einstecken musste. Oft hat die Strategie gegen ihn gespielt, aber heute war sie zu seinem Vorteil und das zurecht. Deshalb bin ich glücklich, dass wir dieses Podium für ihn verdient haben."
Fest steht: Mercedes UND Lewis Hamilton machen wieder Attacke auf die Spitze. Der Formel 1 tut das genauso gut wie der Moral der beiden Protagonisten Hamilton und Wolff.
Mercedes
Unterschiedliche Strategien im Rennen, Hamilton zog den Soft-Reifen auf, Russell war mit den harten Reifen unterwegs
Bild: Jiri Krenek / Mercedes
Der Wiener spricht sogar schon wieder von Siegen. "Wir haben es jetzt zweimal hintereinander auf das Podium geschafft. In Montreal hätten wir vielleicht mit den Bedingungen dort auch gewinnen können. Aber man sieht schon, dass auf Norris und Verstappen ein paar Zehntelsekunden fehlen."

Verstappen nicht unterschätzen

Genau zweieinhalb Zehntelsekunden sollen es sein, die den Silberpfeil noch vom McLaren und Red Bull trennen. Doch eine Komponente darf Mercedes nicht unterschätzen: Max Verstappen.
"Ich denke, Max hat immer ein bisschen was in der Hinterhand, man kann sehen, dass er den Unterschied macht", räumt Wolff denn auch ein.
Wie passend, dass auch Lewis Hamilton die Schlagfertigkeit des amtierenden Champions auf der Couch in der Pressekonferenz zu spüren bekam: "Er wird ganz klar alt", polterte der Niederländer, als er selbst verspätet auf der Pressekonferenz landete und bot Hamilton generös seine Hilfe an. "Brauchst Du eine Massage?"
Spätestens in dem Moment dürfte der 39-Jährige zurück auf dem Boden der Tatsachen angekommen sein. Und die lauten auch nach dem 198. Podium seiner Formel-1-Karriere: Sein Teamchef hätte mittlerweile eigentlich lieber den fliegenden Holländer im Auto…