Formel 1: Hartes Mercedes-Duell in Suzuka
Bei Mercedes rumort es: Frecher Russell nervt Hamilton

Die Mercedes-Piloten George Russell und Lewis Hamilton kämpfen beim Japan GP mit harten Bandagen. Der Rekordweltmeister moniert danach mangelndes Teamplay.
Bild: F1 / X
- Frederik Hackbarth
Ist der Chef mal aus dem Haus, begehrt George Russell ziemlich auf... so oder so ähnlich lässt sich Mercedes' Japan GP in Abwesenheit von Teamchef Toto Wolff zusammenfassen: Der Österreicher lässt sich in seiner Heimat ein neues Kreuzband im Knie einsetzen, verzichtete für die Operation auf den Trip nach Suzuka. Spätestens in Runde fünf dürfte Wolff am Sonntag dann aber trotz der frühen Startzeit in Europa senkrecht in seinem Bett gesessen sein, denn da entbrennt zwischen seinen beiden Piloten ein Duell mit harten Bandagen:
Russell attackiert Teamkollege Lewis Hamilton mit einem späten Spurwechsel in der Zielschikane und geht an seinem Landsmann vorbei, der Rekordweltmeister kontert vor Kurve eins auf der Außenbahn und markiert mit einem kleinen Zucker in Richtung Russell zudem sein Revier als Platzhirsch - später nach dem Rennen dann auch verbal: "Ich habe die meisten Punkte für das Team geholt", kommentiert Hamilton vielsagend, als wolle er seine Vormachtstellung und eine späte Stallorder gegen Russell rechtfertigen.
Denn das Duell der beiden Schwarzpfeile fängt in Runde fünf gerade erst an: Wenig später leistet sich Hamilton in der zweiten Degner-Kurve einen kleinen Ausritt, Russell hängt ihm sofort wieder im Getriebe und attackiert erneut. In der Spoon-Kurve drückt Hamilton seinen Stallgefährten deshalb von der Piste und verlässt dabei selbst etwas die Strecke. Die Rennleitung untersucht den Vorfall in Runde 17 kurz, überlässt die Mercedes dann aber sich selbst.

Lewis Hamilton beendet den Japan GP am Sonntag als Fünfter
Bild: Mercedes
"Wen wollen wir hier bekämpfen? Uns oder die anderen?", fragt Russell am Funk. "Das ist ein bisschen ein frecher Funkspruch, weil wenn hier bisher einer gekämpft hat, dann ist er es", ordnet Ex-F1-Pilot Alex Wurz ein. Der ORF-Experte sagt: "Gerade zu Rennbeginn sind richtig die Boxhandschuhe rausgekommen. Das war schon eine Härte, wo wir einfach wissen und spüren, dass es hier teamintern eine Spannung gibt und einen Kampf, sich zu beweisen: Wer ist der Bessere und der Härtere? Da ist keine Freundschaft mehr dahinter. Aber solange sie sich nicht in die Kiste fahren und das Team es unter Kontrolle halten kann, ist es noch okay."
Der Kommandostand macht genau das, reagiert umgehend und trennt die beiden Streithähne, indem er sie auf unterschiedliche Reifenstrategien setzt, wobei Russell es mit nur einem Stopp probiert - das geht am Ende nicht auf, fünf Runden vor Schluss sitzt Hamilton ihm mit frischeren Gummis wieder im Nacken: "Stellt sicher, dass ihr euch genug Platz lasst", hießt es vom Team am Funk, ehe Russell per Stallorder angewiesen wird Hamilton durchzulassen, weil von hinten Carlos Sainz im Ferrari anfliegt. Gegen den Spanier zieht Russell auf alten Reifen dann auch den Kürzeren, wird am Ende nur Siebter. Hamilton bringt Rang fünf vor dem Ferrari ins Ziel.
Nach dem Aussteigen spielt Russell das Duell mit Hamilton und die Diskussionen am Funk runter: "Ich hatte am Anfang mehr Pace als Lewis, da hatten wir dann einen kleinen Moment. Aber wenn du Rennen fährst, dann pusht du einfach so hart wie du kannst", sagt Russell und erklärt: "Der Funk ist dann auch dazu da, um Dampf und Frust abzulassen."

George Russell machte seinem Teamkollegen das Leben schwer
Bild: Mercedes
Trotzdem mimt der Brite den Teamplayer, auch wenn sein Verhalten am Sonntag auf der Strecke nur wenig dazu passt - Begründung: "Für mich persönlich ist die Fahrer-WM ja sowieso schon total aus dem Fenster, die Saison war dahingehend ein komplettes Desaster mit vielen vergebenen Chancen." Als WM-Achter liegt Russell schon 75 Punkte hinter seinem Stallgefährten: "Lewis ist aber noch in einer guten Position für Platz drei in der WM. Es ist also alles gut, wir arbeiten einfach weiter."
Allein: Hamilton sieht die ganze Angelegenheit im Nachgang offenbar nicht ganz so entspannt. "Ich habe noch nicht mit George gesprochen, aber im Debrief werden wir natürlich darüber reden. Das war aggressives Racing und ich musste mich ganz schön verteidigen", findet der Rekordweltmeister und fügt an: "Das ist eigentlich nicht die Position, in der ich sein möchte. Heute haben wir eigentlich gegen Ferrari um die Positionen gekämpft, nicht gegeneinander. Da sollten wir mehr als Team zusammenarbeiten."
Eine Meinung, die sicher auch Teamchef Wolff vom Krankenbett aus so unterschreiben würde...
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