Sebastian Vettel verstand die Welt nicht mehr. "Es gab für mich keinen Grund zur übertriebenen Eile. Wir wussten, dass wir Lewis auch mit einem Superstopp nicht überholen würden. Deshalb war ich schon etwas überrascht, als ich den Funkspruch bekam, dass ich zu schnell gewesen sein soll." Tatort: Runde 39 in der Boxengasse von Singapur. Um 1,4 km/h soll Vettel bei seinem zweiten Stopp in der Boxeneinfahrt zu schnell gewesen sein. Die fällige Durchfahrtsstrafe spülte ihn von Platz zwei zurück auf Rang vier. Und kostete damit drei wichtige WM-Zähler.
Dabei zeigen Red Bulls Telemetriedaten nach ABMS-Informationen an keiner Stelle der Boxenstraße eine Geschwindigkeitsüberschreitung über 100 km/h an. Vettel hat den Begrenzer rechtzeitig gedrückt und auch nicht zu früh wieder losgelassen. Doch trotz handfester Beweise ließ sich die FIA von Red Bull nicht überzeugen. Vettel sei definitiv zu schnell gewesen.

Christian Horner ist sich sicher: "Vettel war nicht zu schnell"

Sebastian Vettel Formel 1 Red Bull Racing Christian Horner Teamchef
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Teamchef Christian Horner hat nun einen Verdacht. "Der Boxeneingang ist eine Kurve. Wir vermuten, dass Sebastian die stärker als alle anderen Fahrer geschnitten und damit quasi abgekürzt hat", erklärt der Brite gegenüber AUTO BILD MOTORSPORT. Hintergrund: Die Boxengasse von Singapur ist in neun Segmente unterteilt. Gemessen wird dabei stets die Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen zwei Messpunkten, nicht aber der aktuelle Wert an einer bestimmten Stelle. Horner: "Wenn Sebastian die Kurve also geschnitten hat, hat er den Weg zwischen den beiden Messpunkten verkürzt. Das ergibt eine höhere Durchschnittsgeschwindigkeit, obwohl Sebastian de facto gar nicht zu schnell gefahren ist."