Formel 1: Horror-Heimspiel für Rosberg
Schnarch-Start, Strafe, Stoppuhr-Panne

Diesen Heim-Grand-Prix hätte sich Mercedes-Star Nico Rosberg sparen können: Beim Deutschen ging in Hockenheim am Sonntag so ziemlich alles schief.
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- Frederik Hackbarth
So hatte sich Nico Rosberg sein Heimrennen ganz sicher nicht vorgestellt: Statt dem erhofften Duell um den Sieg mit Teamkollege Lewis Hamilton, erlebte der Deutsche am Sonntag einen Horror-Tag. „Schon am Start ist hier alles danebengegangen“, ärgerte sich Rosberg. Wie schon vor einer Woche in Budapest konnte der Mercedes-Pilot seine Pole nicht in die Führung umwandeln. „Ich versteh's nicht. Ich habe alles gemacht wie beim Probestart und der war noch okay. Als es dann losging, habe ich aber sofort gemerkt, dass die Reifen durchdrehen.“
So lief das Rennen: Hamilton siegt in Hockenheim

Schon nach dem Start war Rosberg der große Verlierer
Die Rennkommissare liehen der Beschwerde des Red-Bull-Piloten ein Ohr und verhängten eine Fünf-Sekunden-Strafe gegen Rosberg – sehr zur Verwunderung vieler Experten im Fahrerlager. „Nico war spät auf der Bremse. Aber so ein Manöver habe ich schon tausendmal gesehen. Das gehört zum Motorsport und Zweikampf dazu, den wir sehen wollen. Für meinen Geschmack ist die Strafe völlig überzogen“, urteilte etwa Ex-Pilot Alex Wurz, der als Präsident der Fahrervereinigung GPDA bestens um die Regeln unter den Fahrern weiß. Sky-Experte Martin Brundle setzte noch einen oben drauf: „Das ist schlecht für die Formel 1. Irgendwann denken sich die Fahrer, dass es keinen Sinn mehr macht, etwas zu riskieren, weil sie dafür bloß eine Strafe kriegen.“

Für das Manöver gegen Verstappen gab es eine Strafe
Beim Ungarn GP vor einer Woche war Verstappen in die Kritik geraten, weil er beim Verteidigen gegen Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen mehrfach die Spur gewechselt hatte. Der Holländer selbst aber zeigte, sowohl in Budapest als auch in Hockenheim am Sonntag, kein Verständnis für die Beschwerden der Kollegen, legte seinerseits nach: „Was Nico gemacht hat, war wie sein Manöver in Österreich (gegen Hamilton; d. Red.). Er har sehr spät gebremst und überhaupt nicht eingelenkt.“ Das wollte der Deutsche nicht auf sich sitzen lassen. Rosberg: „Man kann die beiden Situationen nicht miteinander vergleichen. Es geht eine ganz andere Positionierung voraus und diesmal war ich definitiv vorne. Das war Racing.“

Geknickt: Rosberg nach dem Rennen im Interview
„Für mich war es 50/50. Man kann es bestrafen, muss es aber nicht. Wahrscheinlich hat jeder im Fahrerlager eine andere Meinung dazu“, urteilte Toto Wolff, der allerdings die „Inkonstanz“ bei den Strafen bemängelte. Eine Einschätzung, die auch Sky-Experte Anthony Davidson unterstrich. „Diese Strafe war jetzt wieder sehr hart. Mal kommt ein Fahrer damit durch, mal nicht. Es liegt an den Stewards. Jedes Rennen ist es ein anderer und das ist nicht gut“, bemängelte der britische Ex-Fahrer. Doch nicht nur die Rennkommissare machten Rosberg am Sonntag das Leben schwer – auch das eigene Team. Denn als Rosberg beim letzten Reifenwechsel die Strafe antrat, streikte die Stoppuhr!

Die nächste Panne: An der Box versagte die Stoppuhr
Dafür, dass er im letzten Stint keine Chance mehr hatte, die Red Bulls zu attackieren, machte Rosberg überhitzende Hinterreifen und ein nicht ideales Set-Up verantwortlich. Mit Rang vier und weiteren 13 auf Hamilton verlorenen Zählern in der WM, beträgt Rosbergs Rückstand nun schon 19 Punkte. „Das ist gar nicht das Problem. Hart ist es nur, ein Rennen so zu verlieren wie heute – nach der Pole gestern und auch der guten Pace am Freitag... und dann geht plötzlich alles schief“, erklärte Rosberg. „Heute war einfach ein mega harter Tag. Viel schwieriger wird es dann auch nicht mehr im Sport“, sagte der geknickte Mercedes-Star und verriet: „Ich brauche jetzt sicher ein paar Tage um damit klarzukommen. Aber zum Glück habe ich meine Familie, die wird mir dabei helfen.“
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