Formel-1-Interview: Nico Rosberg
"2009 will ich ein Topteam"

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Nico Rosberg wurde als Nachfolger von Fernando Alonso bei McLaren-Mercedes gehandelt. Nun verlängerte er bis 2009 bei Williams und hat seine Ansprüche und Ziele hochgeschraubt.
Nach dem Rücktritt der Schumacher-Brüder Michael und Ralf hat RTL Nico Rosberg als Galionsfigur auserkoren. Der deutsche Williams-Pilot gilt manchem Experten als künftiger Weltmeister. Im Gespräch mit WELT ONLINE spricht Rosberg über Ansprüche, Ziele und die Konkurrenz.
WELT ONLINE: Was halten Sie nach den ersten Testfahrten von Ihrem neuen Auto? Nico Rosberg: Es liegt noch etwas nervös auf der Straße, aber ich hatte von Beginn an das Gefühl, dass uns ein guter Wurf gelungen ist.
In dem Japaner Kazuki Nakajima haben Sie kommende Saison einen Neuling als Teamkollegen, da wird die Entwicklungsarbeit größtenteils an Ihnen hängen bleiben. Es ist ein kleiner Nachteil, einen unerfahrenen Piloten im Team zu haben. Aber ich glaube an meine Stärke und hoffe, dem Team sehr weiterzuhelfen, auch wenn man letztendlich doch immer darauf angewiesen ist, dass in der Firma ein gutes Auto gebaut wird.
Führungsfigur sein ist doch cool
Sie sind erst 22 und schon so etwas wie die Führungsfigur im Team. Ist doch cool, oder? Es ist jetzt noch mehr meine Aufgabe, Mitarbeiter zu motivieren.

Haben Sie diese Entscheidungen allein getroffen oder hat Ihr Vater (Ex-Weltmeister Keke Rosberg – d.R.) sein Veto eingelegt? Das ist 100-prozentig meine Entscheidung gewesen. Mein Vater hat enorme Erfahrung, und es macht ihm Spaß, mich zu beraten und in Verhandlungen mitzureden. Bisher bin ich meist seinen Ratschlägen gefolgt. Nun haben wir entschieden, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist, dass er sich ein bisschen vom täglichen Management distanziert.
Machen Sie sich schon Gedanken über die Karriere nach 2009? Selbstverständlich. Ich sehe mich dann in einem Topteam. Das ist hoffentlich bis dahin Williams. Wenn nicht, dann woanders.
Hamiltons Start konnte keiner erwarten
Hat Sie das Debütjahr des WM-Zweiten Lewis Hamilton überrascht, gegen den Sie in der Formel 3 und in Karts gefahren sind? Niemand konnte so einen Start erwarten, jeder war überrascht, dass ein Neuling den zweimaligen Weltmeister schlägt. Aber es lief eben vieles zugunsten Hamiltons.
Was trauen Sie dem früheren Champion Alonso nach der Rückkehr zu Renault zu? Fernando wird dem Team Auftrieb geben. Aber er kann auch nicht die Welt auf einmal revolutionieren.
Wenn Sie Ihre noch junge Formel-1-Karriere betrachten: Wie beurteilen Sie Ihre Arbeit im Vergleich zu den Jobs Ihrer Altersgenossen und Freunde? Der Job in der Formel 1 hat unheimlich schöne Seiten. Ich habe Freunde, die in Banken arbeiten, die haben vier Wochen Urlaub im Jahr. Wenn ich arbeite, ist das sehr intensiv, ich muss 200 Prozent geben, aber man hat auch mehr Freizeit. Und wenn ich zum Beispiel Konditionstraining mache, wie vor Weihnachten bei Salzburg, dann besteige ich bei Traumwetter die Berge. Das macht fast schon Spaß. Ich habe viel Zeit für mich selbst.
Klettern, Schach und Bayern München

2008 sind elektronische Fahrhilfen wie Traktionskontrolle verboten. Wird die Formel 1 wieder mehr Spaß bieten? Auf jeden Fall. Der Fahrer hat mehr Kontrolle und muss Feingefühl beweisen. Unter den Fahrern wird es aber keine großen Unterschiede geben, weil sich alle schnell umstellen werden. Die einzigen hakligen Momente werden die Starts, Boxenstopps und Fahrten auf nassen Strecken bleiben.
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